Aktualisiert 09.10.2012 22:35

Manipulierte StifteHacker brechen Hotelzimmer mit links auf

Mit einem neuen Trick lassen sich Millionen Hoteltüren kinderleicht öffnen. Betroffen sind auch Schweizer Hotels - diese treffen nun Sofortmassnahmen.

von
S. Marty
Dieser Filzstift öffnet Hoteltüren.

Dieser Filzstift öffnet Hoteltüren.

Von aussen sieht er aus wie ein normaler Filzstift. In seinem Inneren aber wurde er von Hackern so präpariert, dass er wie ein Karten-Schlüssel funktioniert und innerhalb weniger Sekunden ein Hotelzimmer öffnen kann (siehe Box). Der Kopf des Stiftes wird dabei an der Schloss-Unterseite in eine Öffnungen gedrückt.

Stift einfach selbst basteln

Betroffen sind insgesamt vier Millionen Hoteltürschlösser der Firma Onity – auch in der Schweiz gibt es Hotels, die bisher auf diesen Schloss-Typus vertraut haben. «Innerhalb der Accor Gruppe sind in der Schweiz zehn Hotels betroffen», so Jürg Sigerist, Sprecher von Accor Schweiz, zu welcher Hotels wie Novotel, Ibis oder Mercure gehören. Bis jetzt gab es noch keine Zwischenfälle.

Dies könnte sich in Zukunft ändern: Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen zum Entsperren der Schlösser. Laut dem Sicherheits-Experten Cyrill Brunschwiler von der Firma Compass Security AG sei dies ziemlich einfach: «Wenn man ein bisschen etwas von Elektronik und Programmieren versteht, ist es keine Hexerei sich selbst so einen Stift für etwa 20 Franken zu bauen.»

Schweizer Hotels reagieren

In der Schweiz werden deshalb bereits Massnahmen getroffen. Sigerist: «Accor ist dabei, zusammen mit Onity und anderen grossen Hotelakteuren das Problem zu lösen.» So hat Onity angekündigt, die Öffnungen mit einem entsprechenden Verschluss zu versiegeln. Reiseveranstalter raten ihren Kunden aber trotzdem: «Wertsachen sollten im Safe oder bei der Rezeption deponiert werden», so Roland Schmid, Tui-Sprecher.

So funktioniert der Hacker-Stift

Laut dem Sicherheits-­Experten Cyrill Brunschwiler besteht der Kopf des Stiftes aus einem Stecker. «Dieser wird unten am Türschloss in eine Buchse gesteckt. Im Stift hat es einen Chip, der so programmiert wurde, dass er einen geheimen Schlüssel aus dem Speicher des Schlosses liest und so den konkreten Befehl ‹Türe öffnen› senden kann.» Dies funktioniere aufgrund eines ­Fehlers in der Programmierlogik der Verriegelung.

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