Bund warnt vor Trojaner: Hacker legen Musik-Downloader rein
Aktualisiert

Bund warnt vor TrojanerHacker legen Musik-Downloader rein

In der Schweiz treibt ein fieser Trojaner sein Unwesen: Plötzlich wird der PC gesperrt, dann soll wegen illegal heruntergeladener Songs eine Mahngebühr an die Suisa bezahlt werden.

von
dsc
Betroffene User sollten die geforderte Zahlung von 75 Franken keinesfalls vornehmen, warnt die SUISA und distanziert sich vom «kriminellen Akt».

Betroffene User sollten die geforderte Zahlung von 75 Franken keinesfalls vornehmen, warnt die SUISA und distanziert sich vom «kriminellen Akt».

Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI hat gestern eine ungewöhnliche Warnung auf ihrer Website aufgeschaltet. Die Bundesbehörde teilt mit, sie sei auf eine Schadsoftware aufmerksam gemacht worden, die fremde Computer sperre.

Solche Programme, die auch Lösegeld-Trojaner genannt werden, sind an sich keine neue Sache. Doch in diesem Fall ist das Vorgehen der Kriminellen ziemlich ungewöhnlich. Auf den infizierten Computern erscheint ein Fenster mit einer Nachricht, die scheinbar von der Suisa stammt. In der Nachricht wird der Computer-Benutzer aufgefordert, 75 Franken Mahngebühr zu bezahlen. Begründet wird dies mit angeblich illegal heruntergeladenen Musikstücken, die sich auf dem PC befänden.

Logo und Namen missbraucht

Die Suisa ist die Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik in der Schweiz. Sie vertritt gemäss eigenen Angaben allein in der Schweiz rund 29 000 Komponisten, Autoren und Musikverleger. Die Organisation kassiert tatsächlich Urheberrechtsgebühren für das öffentliche Abspielen von Musik.

Doch mit der sich im Umlauf befindenden Schadsoftware habe sie nichts zu tun. «Betroffene User sollten diese Zahlung keinesfalls vornehmen», heisst es in einer Mitteilung auf der SUISA-Website. Logo und Namen der SUISA würden missbräuchlich verwendet.

Die Schadsoftware lade sich automatisch beim Aufrufen von korrumpierten Webseiten im Internet herunter, warnt die Suisa. Möglich sei auch eine Infektion per E-Mail. «Leider lässt sich derzeit nicht genau nachvollziehen, wie der Trojaner verteilt wird.» Es handle sich offenbar um eine Variante des BKA/GEMA-Trojaners (20 Minuten Online berichtete).

Download ist in der Schweiz nicht illegal

Die Suisa schildert das Vorgehen der fiesen Schadsoftware wie folgt: Nach der Installation öffne sich ein bildschirmfüllendes Fenster und verhindere die Benutzung des PCs. Der darin erscheinende Text behaupte fälschlicherweise, dass darauf «Raubkopien» gefunden worden seien. Weiter heisse es im Text: «Um die Sperre aufzuheben und weiteren Strafrechtlichen konsequenzen (sic!) aus dem Weg zu gehen, sind Sie verpflichtet eine Mahngebühr in Höhe von CHF 75.- zu bezahlen.»

Das Fiese an solchen Lösegeld-Trojanern: Auch nach dem Bezahlen ist der Zugriff auf das gesperrte Betriebssystem nicht mehr möglich. Zudem gilt es festzuhalten, dass in der Schweiz das Herunterladen von Musik für den Eigengebrauch nicht per Gesetz verboten ist.

Passwörter wechseln

Die Sicherheitsexperten des Bundes empfehlen, bei Auftauchen der Meldung den Computer mit einer dem neusten Stand entsprechenden Anti-Virus-Live-CD zu analysieren und den Schädling zu entfernen. Betroffene könnten sich aber auch Rat im Internet holen oder sich an ein Computer-Fachgeschäft wenden. Weil bei einer Trojaner-Infektion auch andere Daten ausgespäht worden sein könnten, wird zudem empfohlen, alle Passwörter zu wechseln.

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