Verspätete Behandlung: Hacker legen Spital lahm – eine Patientin stirbt
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Verspätete BehandlungHacker legen Spital lahm – eine Patientin stirbt

Vor wenigen Tagen kam es am Unispital in Düsseldorf zu einem Hackerangriff. Den Kriminellen war offensichtlich nicht bewusst, dass ihre Attacke eine Notfallklinik getroffen hatte.

von
Dominique Zeier
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Das Universitätsklinikum in Düsseldorf wurde am 12. September Opfer eines Hackerangriffs. 

Das Universitätsklinikum in Düsseldorf wurde am 12. September Opfer eines Hackerangriffs.

KEYSTONE
30 Server wurden lahmgelegt. 

30 Server wurden lahmgelegt.

Getty Images
Dies verunmöglichte einen Grossteil der Arbeit der behandelnden Ärzte. 

Dies verunmöglichte einen Grossteil der Arbeit der behandelnden Ärzte.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Das Universitätsspital Düsseldorf wurde letztes Wochenende Ziel eines Hackerangriffs.
  • Eine Patientin wurde aufgrund des Serverausfalls zu spät behandelt und verstarb wenige Zeit später.
  • Nun wird gegen die Hacker wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.
  • Ihnen war offensichtlich nicht bewusst, dass es sich beim Ziel ihrer Attacke um eine Notfallklinik handelte.

In der Nacht auf den 12. September kam es am Universitätsspital in Düsseldorf zu einem Hackerangriff. Betroffen waren 30 Server des Spitals, die von den Angreifern verschlüsselt wurden und somit durch die behandelnden Ärzte und IT-Fachkräfte der Einrichtung nicht mehr genutzt werden konnten. Wie sich heute herausstellte, verstarb eine Patientin aufgrund dieses Ausfalls.

Gegen die Hacker wird nun laut «Bild» wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Ein Bericht des NRW-Justizministers vom Donnerstag zeigt, dass eine lebensbedrohlich erkrankte Frau wegen des Angriffs in ein Spital im nahe gelegenen Wuppertal gebracht werden musste. Aus diesem Grund verzögerte sich ihre Behandlung um rund eine Stunde. Die Patientin verstarb nur wenig später.

Zufälliges Ziel?

Ebenfalls bekannt wurde nun, dass es sich beim Hackerangriff auf das Spital wohl um einen Zufall gehandelt hat. So teilt die Polizei mit, dass sich die Angreifer offensichtlich nicht bewusst waren, dass es sich beim betroffenen Spital um eine Notfallklinik handelte. Als die Behörden die Erpresser über einen von ihnen gewählten Kanal kontaktierten, zogen sich die Hacker rasch zurück, als ihnen klargemacht wurde, dass eine erhebliche Gefahr für die Patienten des Spitals bestand.

Wie die Polizei mutmasst, wurde das Unispital zufällig für den Hack ausgewählt. Ebenfalls möglich sei, dass das eigentliche Ziel des Angriffs die Universität war. Tatsächlich gaben die Hacker die Schüssel für die 30 verschlüsselten Server des Spitals frei, als ihnen der Ernst der Lage erklärt wurde. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden beim Hack keine Daten gestohlen oder gelöscht.

Laut einem Sprecher der Uniklinik wird es allerdings noch Wochen dauern, bis das ganze Computersystem wieder 100 Prozent funktionstüchtig ist. Normalerweise werden in diesem Spital an einem Tag rund 70 bis 120 Personen operiert. In den Tagen nach dem Hackerangriff fiel diese Zahl auf 10 bis 15 Operationen.

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Deine Meinung

68 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Wahrheit

18.09.2020, 11:50

Ein Arzt kann auch ohne Server einen Menschen retten! Ansonsten stimmt wirklich was nicht mit dem Gesundheitssystem in Deutschland!

Mallory

18.09.2020, 09:58

Das sind die Gefahren der Zukunft. Aber Gott sei Dank kaufen wir ein paar Kampfjets.

Gacker

17.09.2020, 20:06

Auch wenn man unter ständigen Darmentleerungen leidet und nicht behandelt werden kann sieht der Boden und das Bett rasch bedenklich aus