Deep Sweep: Hacker spionieren mit Ballon Militär-Drohnen aus
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Deep SweepHacker spionieren mit Ballon Militär-Drohnen aus

Der umgebaute Wetterballon von Hackern fängt Signale in der Stratosphäre ab. Die Aktivisten hoffen, auf geheime Gespräche zu stossen.

von
tob
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Signale abfangen am Rande des Weltalls: Deep Sweep heisst das Projekt des Künstler- und Hacker-Kollektivs Critical Engineering. Es fängt damit Funksignale in der Stratosphäre ab.

Signale abfangen am Rande des Weltalls: Deep Sweep heisst das Projekt des Künstler- und Hacker-Kollektivs Critical Engineering. Es fängt damit Funksignale in der Stratosphäre ab.

Critical Engineering
Zweimal schon ist der modifizierte Wetterballon aufgestiegen.

Zweimal schon ist der modifizierte Wetterballon aufgestiegen.

Critical Engineering
In der Kugel, die am Ballon hängt, steckt viel Technik, die Funksignale unterschiedlichster Art aufzeichnen kann.

In der Kugel, die am Ballon hängt, steckt viel Technik, die Funksignale unterschiedlichster Art aufzeichnen kann.

Critical Engineering

Zweimal schon ist der Wetterballon von deutschen Hackern fast bis ins All aufgestiegen. Hinter dem Projekt Deep Sweep steckt das Künstler- und Hacker-Kollektiv Critical Engineering: «Unser Ziel ist es, die oft geheimen Signale über unseren Köpfen aufzuzeichnen und so überhaupt zu verstehen, was da oben so abgeht», heisst es auf ihrer Website.

Am Ballon hängt viel Technik, die fast die ganze Frequenzbandbreite scannt. Erfasst werden zum Beispiel Signale zwischen 10 KHz und 30 MHz, die vom Militär und der Marine für Langstrecken-Kommunikation genutzt werden. Aber auch Signale zwischen 10 und 12 GHz werden gescannt – darüber läuft die Kommunikation zwischen Drohnen und Satelliten.

Verschlüsselte Kommunikation

Gebaut haben sie den Ballon für rund 500 Franken. Der erste Startversuch glückte, doch Daten wurden nicht aufgezeichnet: Der Akku versagte nach sieben Minuten. Der zweite Anlauf war fruchtbarer: Die Sensoren schnitten zahlreiche Datenströme auf dem Weg in die Stratosphäre mit.

Allerdings wurden die Daten nicht live an eine Bodenstation weitergeschickt. Vielmehr mussten die Hacker ihre Sonde einsammeln und auswerten, nachdem der Ballon in rund 30 Kilometern Höhe zerplatzt und die Sonde per Fallschirm wieder gelandet war.

Eine Visualisierung der gesammelten Daten ist im Netz zu finden. Die Hacker hoffen nun, auf kommenden Flügen auch die Kommunikation zwischen Regierungen oder selbst von militärischen Drohnen abzufangen. Allerdings mache man sich keine grosse Hoffnungen, den Inhalt dieser Signale zu sehen, da diese verschlüsselt seien, sagt der Beliner Künstler und Hacker Julian Oliver, der das Projekt ins Leben gerufen hat, gegenüber Wired.com

Eine neue Szene

Vielmehr hofft das Kollektiv, mit seiner Arbeit einen Anstoss für eine neue Community von Signal-Enthusiasten in grosser Höhe zu geben. «Wir wollen eine Art Amateurfunk-Szene aufbauen – einfach am Rande zum Weltall», so Oliver. Denn da geschehe viel Interessantes und Dubioses, so der Künstler zu Wired.com.

Zweimal liessen die Hacker ihren Deep-Sweep-Ballon bisher starten. (Video: Vimeo/CriticalEngineering)

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