Aktualisiert 18.12.2019 09:36

Vernetztes Gerät

Hacker spricht durch Kamera in Kinderzimmer

Ein achtjähriges Mädchen hört beim Spielen im Kinderzimmer plötzlich eine fremde Stimme. Diese kommt aus der Kamera, die ihre Eltern angebracht hatten.

von
doz
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In diesem Kinderzimmer spielten sich gruselige Szenen ab.

In diesem Kinderzimmer spielten sich gruselige Szenen ab.

Screenshot WMC5
Die Eltern hatten Kameras im Kinderzimmer installiert, um ein Auge auf ihre Töchter zu haben.

Die Eltern hatten Kameras im Kinderzimmer installiert, um ein Auge auf ihre Töchter zu haben.

Screenshot WMC5
Die Kamera blieb nur vier Tage lang aufgestellt.

Die Kamera blieb nur vier Tage lang aufgestellt.

Screenshot WMC5

Eine Mutter aus Memphis im US-Bundesstaat Tennessee wollte ein Auge auf ihre Töchter haben, während sie in der Nacht als Krankenpflegerin arbeitete. Daher installierte sie im Zimmer der Mädchen Kameras des Herstellers Ring. So konnte sie sehen, was die Kinder trieben, und über ein Mikrofon und Lautsprecher in der Kamera sogar mit ihnen sprechen.

«Ich hatte viel Recherche betrieben, bevor ich die Kameras kaufte. Daher hatte ich mich sehr sicher gefühlt», sagte die Mutter gegenüber dem TV-Sender WMC5. Ausserdem habe sie von Freundinnen viel Gutes über die Geräte gehört. Nur vier Tage nach Inbetriebnahme der Kameras hörte die achtjährige Tochter allerdings seltsame Geräusche im Kinderzimmer.

«Ich fiel aus allen Wolken»

«Erst dachte ich, meine Schwester höre laut Musik, denn es klang wie ein bekanntes Lied. Es war aber niemand im Zimmer, also fragte ich in den Raum, wer da sei», erzählt das Mädchen. Als sie ihrer Mutter vom Vorkommnis erzählte, schaute sich diese sofort die Videoaufnahmen vom betroffenen Tag an. «Ich fiel aus allen Wolken», so die Frau.

Auf den Aufnahmen war zu hören, wie eine mysteriöse Stimme aus dem Lautsprecher der Ring-Kamera sprach. Sie lockte das Mädchen mit Musik und versuchte, ihr Vertrauen zu gewinnen, indem sie sagte: «Ich bin dein bester Freund. Ich bin der Santa Claus!» Dann betrat der Vater den Raum und es wurde sofort wieder still.

Fehlende Sicherheitsvorkehrungen

«Ich weiss nicht, was die Hacker alles gesehen haben. Sie hätten den Mädchen beim Schlafen und beim Umziehen zusehen können», so die Mutter. Sie habe die Kameras sofort wieder entfernt und möchte sie nun in den Laden zurückbringen, wo sie sie am Black Friday gekauft hatte.

Der Hersteller versichert, dass es sich bei diesem Vorfall nicht um einen Fehler von Seiten des Unternehmens handle. «Das Vertrauen unserer Kunden ist uns wichtig und wir nehmen die Sicherheit unserer Geräte ernst. Unser Sicherheitsteam hat diesen Vorfall untersucht und wir haben keine Hinweise für ein unbefugtes Eindringen in unsere Systeme oder eine Gefährdung des Netzwerks von Ring gefunden», sagt ein Unternehmenssprecher zu 20 Minuten.

«Wir empfehlen, die Passwörter zu ändern»

Vor kurzem sei die Firma auf einen Vorfall aufmerksam geworden, bei welchem böswillige Akteure die Zugangsdaten vereinzelter Ring-Nutzer wie beispielsweise Benutzername und Passwort von einem separaten, externen, nicht-Ring-Dienst erhalten und dazu verwendet haben, sich in deren Ring-Konto anzumelden. «Leider ist es Eindringlingen möglich, Zugang zu einer Vielzahl von Konten zu erhalten, wenn derselbe Benutzername und das gleiche Passwort für mehrere Dienste wiederverwendet wird», so der Sprecher.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls habe das Unternehmen geeignete Massnahmen ergriffen, um die Eindringlinge von nachweislich betroffenen Ring-Konten auszusperren und die entsprechenden Nutzer kontaktiert. «Wir empfehlen Ring-Kunden ihre Passwörter zu ändern und die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu nutzen.»

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