OnlineDoctor: Häftling schickt Bilder von Penis-Warze an Hautarzt
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OnlineDoctorHäftling schickt Bilder von Penis-Warze an Hautarzt

Mittels Online-Portal sollen Hautärzte schnell und unkompliziert Hautleiden diagnostizieren. Die Idee eines St. Galler Start-ups drang schon bis ins Gefängnis vor.

von
tso
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Damit Hautärzte schnell und unkompliziert Hautleiden diagnostizieren können, gründete Dermatologe Paul Scheidegger zusammen mit den HSG-Absolventen Tobias Wolf und Philipp Wustrow (v.l.n.r.) die Plattform onlinedoctor.ch.

Damit Hautärzte schnell und unkompliziert Hautleiden diagnostizieren können, gründete Dermatologe Paul Scheidegger zusammen mit den HSG-Absolventen Tobias Wolf und Philipp Wustrow (v.l.n.r.) die Plattform onlinedoctor.ch.

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Auf dieser Plattform können Patienten Bilder ihrer Hautleiden hochladen und werden dann um einige Angaben gebeten. Innert 48 Stunden erhalten sie eine erste Einschätzung mitsamt Behandlungsempfehlung. Zu den häufigsten Hauterkrankungen zählen laut Paul Scheidegger die folgenden:

Auf dieser Plattform können Patienten Bilder ihrer Hautleiden hochladen und werden dann um einige Angaben gebeten. Innert 48 Stunden erhalten sie eine erste Einschätzung mitsamt Behandlungsempfehlung. Zu den häufigsten Hauterkrankungen zählen laut Paul Scheidegger die folgenden:

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1.  Akne: Tritt oft bei Jugendlichen auf und ist für diese oft eine sehr belastende Situation. «Oft wird der richtige Zeitpunkt der Kur verpasst – Akne lässt sich aber gut behandeln», so Scheidegger.

1. Akne: Tritt oft bei Jugendlichen auf und ist für diese oft eine sehr belastende Situation. «Oft wird der richtige Zeitpunkt der Kur verpasst – Akne lässt sich aber gut behandeln», so Scheidegger.

Getty Images/Obencem

Paul Scheidegger ist Dermatologe und hat schon vieles gesehen. Seine Praxis in Brugg AG besuchen täglich 50 Patienten. Häufig handelt es sich um unproblematische Hauterkrankungen, nur ein kleiner Teil müsste persönlich zur Behandlung vorstellig werden. Trotzdem zahlen die Patienten pro Konsultation bis zu 150 Franken – wobei manche monatelang auf einen Termin gewartet hatten.

Zusammen mit den HSG-Dozenten Tobias Wolf und Philipp Wustrow hat Scheidegger nun eine Online-Plattform entwickelt, um Kosten und Zeit für Arzt und Patient zu sparen. Sitz des Ostschweizer Start-ups ist in St. Gallen. Auf OnlineDoctor.ch können Patienten Bilder ihrer Hautprobleme hochladen und werden dann um Angaben dazu gebeten. Innert 48 Stunden erhalten sie eine erste Einschätzung samt Behandlungsempfehlung. Kostenpunkt: 55 Franken. «Viele Patienten hatten schlaflose Nächte wegen harmlosen Muttermalen», so Scheidegger. «Über OnlineDoctor konnte ich schnell Entwarnung geben.» Doch es gibt auch ernstere Fälle: «Ich hatte schon zwei Fälle von bösartigen Hautkrebs-Tumoren, die ich dank der Vorselektion auf der Seite frühzeitig behandeln konnte», sagt der Hautarzt.

Statt Polizeieskorte gab es Salbe

Scheidegger erinnert sich an eine Anekdote aus einem grösseren Schweizer Gefängnis: «Ein Häftling hatte eine ziemlich grosse Warze am Penis und litt wie verrückt.» Statt den Straftäter mit Polizeieskorte in die Praxis zu schleppen, wurde der Fall elegant per Handyfoto gelöst: «Ich habe eine Salbe empfohlen, die Warze heilte schnell ab», sagt Scheidegger. Andernfalls hätte die Sache wohl mehrere Tausend Franken gekostet. Ein anderer Patient hatte eine üble Entzündung am Stumpf eines amputierten Beins. Die betreuende Spitex schickte Bilder – dem Mann wurde innert Stunden geholfen. «Dies sind zwar Einzelfälle, aber sie zeigen, wie die Plattform Kosten- und Zeitaufwand reduziert und unkompliziert Lösungen anbietet», sagt Scheidegger.

Schon früher erhielt Scheidegger von Patienten täglich Bilder per Whatsapp und E-Mail. «Aus Datenschutzgründen fand ich dies bedenklich, denn diese Dienste speichern alles», so der Hautarzt. OnlineDoctor arbeite mit modernster Verschlüsselungstechnologie und speichere die Daten ausschliesslich auf Schweizer Servern. Nebst Scheidegger nutzen die Plattform bereits über 35 Dermatologen aus verschiedenen Regionen. Das Start-up ist auch mit den Kantonsspitälern Baden und St. Gallen vernetzt.

Fachärzte positiv beeindruckt

Bei Fachärzten kommt das St. Galler Start-up gut an: Die vertretenen Ärzte seien erfahren und kompetent, sagt Carlo Mainetti, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie. «Diese Plattform wird die klassische Hautuntersuchung in der Praxis zwar nicht ersetzen, stellt aber eine gute Methode der Triage dar.» Nicht selten brauche es für eine abschliessende Diagnose einen persönlichen Arztbesuch, so Mainetti.

Die Plattform hat gemäss Angaben ihrer Gründer bereits mehrere hundert Fälle abgewickelt. Investoren gibt es auch. Das Unternehmen hat von zwei privaten Firmen rund 600'000 Franken Eigenkapital erhalten. Entsprechend gross sind die Pläne: «Wir planen die Expansion nach China und Deutschland», verrät Mitbegründer Tobias Wolf.

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