Solothurn: Häftling starb an Überdosis Heroin
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SolothurnHäftling starb an Überdosis Heroin

Die Strafanstalt Schöngrün bei Solothurn kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nach sexuellen Übergriffen und anderen Vorkommnissen wurde jetzt bekannt, dass ein Insasse an einer Überdosis Heroin gestorben.

Das Heroin kaufte ein Mithäftling auf der Gasse und schmuggelte es in die Strafanstalt, wie eine Untersuchungskommission feststellte. Der Insasse war in der Zelle am 10. Juni 2008 gemäss der gerichtsmedizinischen Begutachtung an einer «massiven Dosis Heroin» gestorben, wie es im Bericht einer Untersuchungskommission heisst. Die Kommission war vom Solothurner Regierungsrat nach diversen Vorfällen in der Strafanstalt eingesetzt worden.

Die Zeitung «Sonntag» zitierte aus dem 100-seitigen Untersuchungsbericht, der auch der Nachrichtenagentur SDA vorliegt. Aus dem Bericht geht vor, dass ein Insasse mit der Bankkarte des später Verstorbenen Geld abgehoben, Drogen gekauft und angeblich in der Aussenstation Bleichenberg der Strafanstalt deponiert hatte.

Die Strafanstalt hatte in der Folge bei der Polizei eine Strafanzeige eingereicht und vergeblich nach dem Drogendepot gesucht. «Auf jeden Fall zeigt der Todesfall, dass Gassenheroin in die Strafanstalt Schöngrün hineingekommen ist», hält die Kommission fest.

«Gravierende Mängel» festgestellt

Der Ende Dezember vom zuständigen Regierungsrat Peter Gomm (SP) vorgestellte Bericht der Kommission stellte «gravierende Mängel» in der Führung, Organisation und Sicherheit der Strafanstalt Schöngrün fest. Diese müssten «dringend angegangen» werden.

Als Konsequenz muss Anstaltsdirektor Peter Fäh den Job wechseln. Er wird künftig im Stab der bis 2013 erstellten neuen Strafvollzugsanstalt Solothurn (JVA) arbeiten. Gemäss Kommission verletzte das heute verantwortliche Personal jedoch keine Dienstpflichten.

Minderjährige sexuell missbraucht

Im Zusammenhang mit den Vorfällen in der Strafanstalt sind bei der Staatsanwaltschaft Solothurn drei Strafverfahren hängig. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen einen ehemaligen Aufseher und zwei ehemalige Insassen Anklagen.

Im vergangenen März war bekannt geworden, dass ein damaliger Insasse seine minderjährige Tochter in die Aussenstelle der Strafanstalt Schöngrün eingeschmuggelt hatte. Mithäftlinge sollen das 14-jährige Mädchen zu mehrfachen sexuellen Handlungen wie unsittlichen Berührungen und Zungenküssen missbraucht haben.

Für Schlagzeilen sorgte auch, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Anstalt Drogen für Insassen gekauft und selbst konsumiert haben soll. Zudem soll er einem Häftling den Passschlüssel zu einer Tür der Aussenstation gegeben haben.

(sda)

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