Zu spät behandelt: Häftling verklagt Gefängnis wegen Dauer-Erektion

Aktualisiert

Zu spät behandeltHäftling verklagt Gefängnis wegen Dauer-Erektion

Ein Mann erlitt in einem Berner Gefängnis eine Dauererektion. Weil er nicht rasch genug behandelt wurde, trägt er bleibende Schäden davon. Er verklagte das Gefängnis auf Schadenersatz, blitzte aber ab.

Der Häftling machte einen Fall von unterlassener Hilfeleistung geltend. Damit blitzte er vor Gericht ab.

Der Häftling machte einen Fall von unterlassener Hilfeleistung geltend. Damit blitzte er vor Gericht ab.

Ein Untersuchungshäftling hat im Regionalgefängnis Bern eine Dauererektion erlitten, die zu einer bleibenden erektilen Dysfunktion geführt hat. Anspruch auf Schadenersatz und Genugtuung habe er aber nicht, entschied das bernische Verwaltungsgericht.

Der Mann habe die Dauererektion - wohl aus Scham - dem Gefängnispersonal einfach zu spät gemeldet, vermutet das Gericht in einem am Montag publizierten Urteil. Warum der Mann im Oktober 2010 in U-Haft sass, geht aus dem Urteil nicht hervor.

Nach seiner Darstellung hatte sich die Dauererektion an einem Donnerstag gegen Mittag eingestellt. Er habe das Personal und auch zwei Ärzte umgehend darauf aufmerksam gemacht, sei aber als Simulant hingestellt worden. Dabei habe er sich wegen der grossen Schmerzen am Boden gewunden und geschrien.

Schäden schon nach einigen Stunden

Die Verlegung ins Inselspital sei erst nach vier Tagen - also viel zu spät - erfolgt, erklärte der Beschwerdeführer. Er machte einen Fall von unterlassener Hilfeleistung geltend.

Aktenkundig ist, dass es dem Spital nicht gelang, die Dauererektion mittels konservativer Therapiemethoden - Aderlass und Adrenalin-Injektion - zu therapieren. Erst eine Operation setzte der Dauererektion ein Ende. Wie oft in solchen Fällen ist aber zu befürchten, dass der Patient nunmehr unter einer bleibenden erektilen Dysfunktion leidet.

Die Frage ist, ob der Mann wirklich vier Tage eine Dauererektion hatte, bevor er ins Spital kam. Das Gericht verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass erste mikroskopische Schädigungen des Schwellkörpergewebes schon nach vier bis sechs Stunden auftreten. Ab einer Gesamtdauer von 24 Stunden tritt bei etwa 90 Prozent der Betroffenen eine erektile Dysfunktion auf.

Offene Fragen

Daraus lasse sich schliessen, dass der Beschwerdeführer nicht vier Tage lang an der Dauererektion gelitten haben könne. Am Donnerstag und Freitag habe er ja sogar noch Kontakt mit einem Arzt und einer Ärztin gehabt; beide hätten keine Dauererektion bemerkt.

Der Mann gab laut Gericht an, auf seine entsprechenden Hinweise hätten die zwei Ärzte «nicht gross reagiert», es sei ihnen «peinlich» oder «nicht der Rede Wert» gewesen. Das Gericht hält diese Angaben des Mannes für unglaubwürdig, zumal er sich in der fraglichen Zeit nicht einmal gegenüber seinem Anwalt über das Verhalten des Gefängnispersonals und der Ärzte beschwert habe.

«Auffällig» sei auch, dass der Beschwerdeführer am dritten Tag der angeblichen Dauererektion zwar ein mehrseitiges Schreiben an den Untersuchungsrichter gesandt habe. Auf seine Beschwerden im Intimbereich sei er aber nicht eingegangen und auch die medizinische Versorgung habe er nicht kritisiert.

«Widersprüchliche Aussagen»

Das Verwaltungsgericht kommt zum Schluss, die Aussagen des Beschwerdeführers seien «vage» und «widersprüchlich». Dem stünden die «übereinstimmenden und glaubwürdigen» Aussagen des Gesundheits- und Pflegepersonals gegenüber.

Das Gericht hält deshalb die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft für plausibel, wonach das Personal erst am Montag des Problems gewahr wurde und dann auch umgehend die Spitaleinweisung veranlasste. Die Beschwerde des Mannes wurde abgewiesen; ihm wurden zudem Verfahrenskosten von 500 Franken auferlegt. (sda)

Deine Meinung