Zürich: Häftlinge feiern mit Guetsli und Seelsorger
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ZürichHäftlinge feiern mit Guetsli und Seelsorger

Weihnachten wird zwar in den Zürcher Gefängnissen gefeiert, Heiligabend verbringen die Häftlinge aber in ihren Zellen. Über die Festtage dürfen sie keinen Besuch empfangen.

von
som

Sie ist bedrückt und heiter gleichzeitig – die Stimmung um Weihnachten herum in den Zürcher Gefängnissen: Bedrückt, weil die Häftlinge in dieser Zeit ihre Angehörigen besonders vermissen, sagt Rebecca de Silva, Sprecherin des Amtes für Justizvollzug: «Wie an den Wochenenden dürfen sie an Feiertagen auch keinen Besuch empfangen, da der Personalbestand in dieser Zeit kleiner ist.» Zudem würden die meisten Häftlinge Heiligabend allein in ihrer Zelle verbringen, was wohl nicht unbedingt glücklich mache.

Doch es gibt auch Heiterkeit hinter den Mauern, dann zum Beispiel, wenn etwa eine Woche vor Heiligabend Weihnachten gefeiert wird. So finden in fünf Untersuchungsgefängnissen und fünf Vollzugseinrichtungen des Kanton Zürich Feiern statt – an den meisten sogar zwei bis vier, da die Räume nicht gross genug sind für alle zusammen, so de Silva.

Auch Feiertage von anderen Religionen werden berücksichtigt

Diese organisiere ein Seelsorger mit dem jeweiligen Gefängnis: «Es gibt einen Gottesdienst und Musik. Zudem werden Nüsse, Mandarinen und Guetsli aufgetischt und der Raum etwas festlich dekoriert.» Auch Häftlinge anderer Religionen würden eingeladen, sofern der Platz reicht. «Manche möchten teilnehmen, andere nicht», so de Silva. Allerdings würden auch ihre Feiertage berücksichtigt: «Bei den Muslimen etwa gibt es einen Imam, der dies organisiert.»

Bei den Weihnachtsfeiern sind laut de Silva ein bis zwei Aufseher dabei, was den üblichen Sicherheitsmassnahmen entspreche: «Probleme hat es meines Wissens noch nie gegeben.» Eine Feier kostet 200 bis 300 Franken. «Das wird aus dem Fonds finanziert, in den die Insassen einen Franken pro Tag für die Miete ihres TV-Gerätes einzahlen.»

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