Muttenz BL: Häftlinge klagen über «sadistische» Wärter
Aktualisiert

Muttenz BLHäftlinge klagen über «sadistische» Wärter

Im Strafjustizzentrum in Muttenz arbeitete ein ehemaliger, wegen Alkoholproblemen entlassener Grenzwächter. Insassen werfen ihm und weiteren Betreuern Schikane vor.

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lb
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Insassen im Gefängnis in Muttenz beklagen sich in Briefen über das Verhalten einiger Wächter.

Insassen im Gefängnis in Muttenz beklagen sich in Briefen über das Verhalten einiger Wächter.

Tom Bisig
Unter anderem sollen Betreuer ihre Anwaltspost in der Zelle durchstöbert haben.

Unter anderem sollen Betreuer ihre Anwaltspost in der Zelle durchstöbert haben.

Tom Bisig
Ein Wärter soll ausländische Gefangene als «Scheiss-Habaschen» bezeichnet haben.

Ein Wärter soll ausländische Gefangene als «Scheiss-Habaschen» bezeichnet haben.

Tom Bisig

Im Strafjustizzentrum in Muttenz, das vor vier Jahren eröffnet wurde, häuften sich die Beschwerden von Gefangenen: Sie würden von ihren Betreuern schlecht behandelt. Die Vorkommnisse kamen im Zusammenhang mit dem Kündigungsstreit eines zu Unrecht entlassenen Wärters ans Licht, wie die «Basler Zeitung» am Dienstag berichtete.

Gefangene werfen einer Gruppe von Wärtern «sadistische Neigungen» vor. Dies geht aus Aufzeichnungen der Insassen hervor, die der BaZ vorliegen. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Zentrums bestätigt entsprechende Vorkommnisse und gibt an, unter der Situation im Gefängnis Muttenz gelitten zu haben.

Alkoholiker erhält zweite Chance als Wärter in Muttenz

Im 2014 neu eröffneten Strafjustizzentrum stellte man einen ehemaligen Grenzwächter ein, der wegen eines massiven Alkoholproblems entlassen worden war. Der Mann hatte im Streit einen Nachbarn mit seiner Dienstwaffe bedroht. Ausserdem hatte er auf dem Heimweg vom Dienst alkoholisiert einen Autounfall verursacht.

Im Gefängnis in Muttenz wurde er eingestellt, da man ihm eine zweite Chance geben wollte, wie Generalsekretär Stephan Mathis gegenüber der Zeitung bestätigt. Andere Verwaltungsmitglieder sagen, dass man dem Mann den Job aufgrund seiner Beziehungen zu Mathis angeboten habe.

Gefangene in Muttenz litten unter ihm und äusserten ihre Vorwürfe in Briefen. «Die Ausländer werden von X. als Scheiss-Habaschen bezeichnet, für welche er keinen Finger krümmen würde», schreibt ein Insasse. «Er beschimpfte mich mit: Fick dich ins Knie!», so ein anderer.

«Dann haben wir eine Zelle mehr»

Nicht nur über den ehemaligen Grenzwächter, auch über andere Betreuer beschwerten sich die Gefangenen. «Es wurde reklamiert, dass die neuen Rasierklingen die Haut aufschneiden, worauf geantwortet wird mit: ‹Mir doch egal, wenn Sie sich die Halsschlagader aufschneiden, dann haben wir eine Zelle mehr frei», steht in einem Brief.

Vorgeworfen wird dem Personal weiter die «Wegnahme von ärztlich verordneten Medis», «Durchstöbern der Anwaltspost in der Zelle» und ähnliches. Viele Gefangenen litten unter der «Wärter-Bande». Ein ehemaliger Insasse sagt: «Je ruhiger und je depressiver man sich als Gefangener in Muttenz verhielt, desto besser war es.»

«Wir mussten uns von Mitarbeitenden trennen»

Gerhard Mann, Leiter des Justizvollzugs, habe bisher nichts von diesen Beschwerden mitbekommen, sagte er gegenüber der BaZ. Er gibt jedoch zu, dass nicht alles gemäss den Vorschriften lief und man dementsprechend Massnahmen getroffen habe. «In drei Fällen haben diese Massnahmen leider nicht zum Erfolg geführt, und wir mussten uns von diesen Mitarbeitenden trennen», so Mann. Die Kündigungen erfolgten nicht aufgrund der Beschwerden der Häftlinge, sondern weil gegen verschiedene Sicherheitsbestimmungen verstossen wurde. Einer der Entlassenen ist der Betreuer mit Alkoholproblem.

Der zu Unrecht entlassene Wärter – der eigenen Aussagen zufolge unter dem Arbeitsklima in der Anstalt gelitten habe – darf wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren oder muss entschädigt werden. Das Gericht hat seine Kündigung aufgehoben.

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