Türkei: «Häftlinge müssen in Schichten schlafen»
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Türkei«Häftlinge müssen in Schichten schlafen»

Die türkischen Gefängnisse sind überfüllt. Nach dem Putschversuch hat sich die Lage laut Menschenrechtlern zugespitzt.

von
woz
Die Regierung will 165 neue Haftanstalten bauen: Gefangene im Metris-Gefängnis in Istanbul.

Die Regierung will 165 neue Haftanstalten bauen: Gefangene im Metris-Gefängnis in Istanbul.

Keystone

Nach dem Putschversuch am 15. Juli liess der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogans über 12'000 Personen verhaften – darunter Tausende Staatsanwälte und Richter. Dem ohnehin schon angeschlagenen Justizsystem droht dadurch der Stillstand, wie «Spiegel online» schreibt.

Das Land verfügt insgesamt über 180'256 Gefängnisplätze. Doch bereits vor dem Putschversuch waren 188'000 Personen inhaftiert. Menschenrechtsorganisationen sprechen von prekären Verhältnissen.

Nur in Unterhose bekleidet

«Sie stapeln sie übereinander, um ausreichend Raum zu schaffen», zitiert Reuters einen Vorsitzenden der Stiftung Zivilgesellschaft in der Strafjustiz. Westlich von Istanbul wurde demnach eine Sporthalle umfunktioniert, um die Häftlinge unterzubringen. In einem Gefängnis im Nordwesten des Landes müssen sich sechs Personen eine Drei-Mann-Zelle teilen. Bilder sollen zeigen, wie Häftlinge nur in Unterhose bekleidet, gefesselt in heissen Räumen festgehalten werden, heisst es im Bericht weiter.

Gemäss Veli Agbaba von der grössten säkularen Oppositionspartei CHP müssen die Häftlinge teilweise in den Gängen oder vor den Toiletten nächtigen. Mancherorts seien die Insassen auch gezwungen, in Schichten zu schlafen. Agbaba ist Mitglied eines Ausschusses, der die Situation in den türkischen Gefängnissen untersucht.

Regierung widerspricht

Dennoch gibt die Regierung an, alles im Griff zu haben. 165 neue Gefängnisse und ein neues Gerichtsgebäude seien in Planung. Auch den Foltervorwürfen von Amnesty International widerspricht der Justizminister Bekir Bozdag. Die Menschenrechtsorganisation wirft der Regierung vor, Racheakte durchzuführen. So würden Bilder von Soldaten mit blauen Flecken und Verbänden auf Folter hinweisen.

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