Aktualisiert 16.02.2004 09:45

Häftlinge nehmen 470 Geiseln

Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen haben Häftlinge in zwei Gefängnissen in Ecuador insgesamt 470 Geiseln genommen. Bei den meisten handelt es sich um Angehörige oder Freunde der Häftlinge.

Wie der Sprecher der Aufständischen, Washington Grueso, am Sonntagabend (Ortszeit) erklärte, waren die meisten Familienangehörigen auf Besuch, als sie als Geiseln genommen wurden. Unter ihnen seien 280 Frauen und 120 Kinder.

Die Gefangenen von Ibarra und Tulcan wollten mit der Aktion gegen Verhältnisse wie in der Anstalt von Guayaquil rund 275 Kilometer südwestlich von Quito protestieren. Dort gebe es zum Beispiel nicht genügend Trinkwasser, sagte Grueso.

Auch die Praxis, Menschen mehr als ein Jahr ohne Gerichtsurteil festzuhalten, stosse auf Widerstand. Ein Polizeisprecher sagte, er wisse nichts von der Aktion.

Angesichts der katastrophalen Verhältnisse und häufigen Gewalttaten in Gefängnissen hatte die ecuadorianische Regierung Mitte Januar den Ausnahmezustand für die Haftanstalten erklärt. Die hoffnungslose Überbelegung und der Kontrollverlust hätten zu einem Zusammenbruch des Haftsystems geführt, hiess es in Quito.

Zugleich kündigte die Regierung die Freilassung von knapp 1500 Gefangenen an, die bereits mehr als ein Jahr ohne Verurteilung einsassen.

(sda)

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