Gefängnis Thorberg BE – Häftlinge wollen Geld für Ukraine spenden – doch nicht alle können

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Gefängnis Thorberg BEHäftlinge wollen Geld für Ukraine spenden – doch nicht alle können

Im Gefängnis Thorberg wollen einige Gefangene Spenden für die Ukraine tätigen. Möglich ist das aber nur für jene, die Geld auf ihrem Freikonto haben. 

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Auch Häftlinge wollen Geld für ukrainische Flüchtlinge spenden. 

Auch Häftlinge wollen Geld für ukrainische Flüchtlinge spenden. 

20min/Simon Glauser
Viele haben jedoch kein Geld auf ihrem Freikonto. 

Viele haben jedoch kein Geld auf ihrem Freikonto. 

20min/Simon Glauser
Da Spenden vom Zweckkonto nicht möglich sind, können sie kein Geld spenden. 

Da Spenden vom Zweckkonto nicht möglich sind, können sie kein Geld spenden. 

Tamedia AG / Adrian Moser

Darum gehts 

  • In der JVA Thorberg wollen einige Häftlinge Geld für ukrainischen Flüchtlinge spenden. 

  • Gespendet werden kann jedoch nur vom Freikonto aus, nicht aber vom Zweckkonto. 

  • Ein Häftling stört sich dran, denn viele Gefangene hätten kaum Geld auf ihrem Freikonto.

Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Thorberg möchten für die Ukraine spenden. Das erzählt Insasse U.B.* gegenüber 20 Minuten. Er ist seit Jahren im Thorberg inhaftiert und befindet sich aktuell im Verwahrtenstatus.

Die meisten Insassen hätten allerdings auf ihrem Freikonto kein Geld, da sie dieses «mit beiden Händen ausgeben» würden, wie B. erklärt. Sie würden daher versuchen, ihre Spenden vom Zweckkonto zu tätigen. Dieses dient aber nur der Deckung von Leistungen wie beispielsweise Medikamenten, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden.

«Die Gefängnisleitung verbietet uns Spenden vom Zweckkonto», sagt B. Das findet er daneben: «Wir sitzen im Gefängnis, uns betrifft der Krieg nicht, aber wir möchten den Menschen in dieser Notsituation helfen.» Er möchte 1000 Franken für die Ukraine spenden. Über die Jahre hat sich auch auf seinem Freikonto ein Betrag von rund 6000 Franken angesammelt – weil er das Geld, anders als viele Mitinsassen, normalerweise nicht ausgibt. 

«Die Menschen flüchten mit fast nichts aus der Ukraine. Es ist eine hoffnungslose Lage, sie wissen nicht, was mit ihnen passieren wird», begründet B. seinen Spendenwunsch.

«Nicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger»

Die JVA Thorberg bestätigt, dass in den letzten Tagen mehrere Gefangene Zahlungsaufträge ausgefüllt haben, um von ihren Konti Spenden zugunsten der Ukraine zu tätigen. «Sämtliche Zahlungen, die korrekt vom Freikonto erfolgten, wurden von den zuständigen Sozialarbeitenden bewilligt», sagt Olivier Aebischer, Leiter Kommunikation beim Amt für Justizvollzug. Es sei aber korrekt, dass Spendenzahlungen vom Zweckkonto nicht möglich sind.

Das Zweckkonto diene der Sicherstellung der Kostenbeteiligung der Gefangenen für Mindestbeiträge an die AHV und an die Gesundheitskosten, etwa in Form von Krankenkassenprämien, Leistungen an die Opferhilfe oder zur Bezahlung von Zahnbehandlungen. «In sehr vielen Fällen reicht das Geld auf dem Zweckkonto für die Bezahlung der Gesundheitskosten nicht aus, weshalb die Gefangenen zusätzlich vom zuständigen Sozialdienst unterstützt werden müssen», so Aebischer. 

Nothilfe für Menschen in der Ukraine

Aus Sicht der JVA Thorberg bestehe aufgrund der geltenden rechtlichen Bestimmungen kein Ermessensspielraum, den Gefangenen zu erlauben, Geld vom Zweckkonto zu spenden. «Diese Zahlungen wären im Endeffekt Zahlungen von Sozialdiensten oder der öffentlichen Hand, was nicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger sein kann», sagt Aebischer.

Spenden vom Freikonto, auf dem die Gefangenen monatlich über einen Betrag von 300 Franken verfügen, begrüsse und unterstütze die JVA Thorberg jedoch. «Damit zeigen sie prosoziales Verhalten, indem sie zu Gunsten anderer Verzicht üben.» 

*Name der Redaktion bekannt.

Freikonto, Zweckkonto, Sperrkonto

Die Gefangenen verfügen während der Zeit des Strafvollzuges über drei Konti: Das Freikonto, das Zweckkonto und das Sperrkonto.

Auf diesen Konti wird das Arbeitsentgelt, das sich die Gefangenen mit der Arbeit im Strafvollzug verdienen, verbucht. Dabei kommt im Kanton Bern folgender Schlüssel für die Aufteilung zur Anwendung:

-  50 Franken pro Monat kommen auf das Sperrkonto. Dieses Konto ist während des Vollzugs gesperrt, damit sich die Gefangenen für die Zeit nach der Entlassung ein Startkapital ansparen können.

- 70 Prozent des verbleibenden Arbeitsentgelts gelangt auf das Freikonto. Gemäss der im Kanton Bern geltenden rechtlichen Bestimmungen dürfen die Gefangenen über das Geld auf ihrem Freikonto selber verfügen. Sie können damit im JVA-internen Kiosk einkaufen (Lebensmittel, Raucherwaren, Telefonkarten etc.). Dieses Konto dient auch zur Unterstützung von Verwandten oder um Spenden zu tätigen.

- 30 Prozent des verbleibenden Rests gelangt auf das Zweckkonto. Das Zweckkonto dient der Sicherstellung der Kostenbeteiligung des Gefangenen für Beiträge an die AHV (Mindestbeiträge) und an die Gesundheitskosten (z.B. Krankenkassenprämien; Übernahme von Arztkosten, Leistungen an die Opferhilfe etc.). 

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(sul)

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