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Häkeln und räkeln

An Brasiliens Stränden haben Häkel-Bikinis Tradition. Ich produziere solche Stücke seit sieben Jahren und häkle mittlerweile rund 20 Bikinis pro Saison.

Dieser Trend kommt bei uns allmählich richtig ins Rollen. Für die Bademode verwende ich ein Viskose-Polyamid-Garn, das im Gegensatz zu Baumwolle schnell trocknet, formresistent und fein zu tragen ist. Schliesslich sind die Bikinis nicht bloss fürs Sonnenbaden gemacht. Je nach Teil häkle ich zwischen 10 und 14 Stunden, meist abends vor dem Fernseher. Die Hände funktionieren da mittlerweile ohne den Kopf. Damit der Bikini oder Einteiler gut sitzt, ist eine Anprobe jedoch unerlässlich. Deshalb verkaufe ich die Bademode nur in meinem Laden – im Gegensatz zu den anderen Kollektionen. Das Label Chantal Pochon findet man in vielen grösseren Schweizer Städten. Meist in den Läden befreundeter Designerinnen, deren Kreationen auch bei mir zu finden sind. Seit ich vor zwei Jahren meine kleine Boutique eröffnet habe, kann ich endlich von der Mode leben. Die ersten Jahre nach dem Abschluss an der Modeschule Zürich konnte ich mich nur dank Massarbeiten über Wasser halten. Auch heute schneidere ich viele Einzelkostüme, momentan vor allem Brautkleider. Da ich seit letztem Jahr einen Teil der Garderobe für die Miss-Schweiz-Wahlen kreiere, hat mein Label einiges an Popularität gewonnen. Trotzdem bleibe ich lieber ein Einfrau-Unternehmen. Da kann man viel spontaner und individueller designen und muss sich weniger mit Zahlen und Risiken herumschlagen.»

Olivier Joliat

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