Aktualisiert 06.04.2014 08:38

Selbstverwirklichung

Hälfte der Lehrer gibt in ersten fünf Jahren auf

Jeder zweite frisch ausgebildete Lehrer schmeisst den Job in den ersten fünf Jahren hin. Rund 17 Prozent tun dies gemäss Statistik bereits im ersten Anstellungsjahr.

von
dos
In den ersten fünf Anstellungsjahren hat die Hälfte der neuen Lehrer bereits genug von der Tätigkeit.

In den ersten fünf Anstellungsjahren hat die Hälfte der neuen Lehrer bereits genug von der Tätigkeit.

Keystone

Nachdem akuter Lehrermangel ausgerufen worden war, unternahmen die Pädagogischen Hochschule (PH) alles Mögliche, um Lehrernachwuchs zu gewinnen. Mit Erfolg: die Zahl der PH-Studierenden stieg. Die neuen Lehrer blieben aber nicht lange. Das Bundesamt für Statistik zeigt jetzt, dass 49 Prozent der neuen Lehrer ihre Stelle bereits in den ersten fünf Jahren wieder aufgeben. Im 2010 und 2011 stiegen sogar bereits 17,1 Prozent im ersten Anstellungsjahr aus.

Die drastischen Zahlen betrachtet Johannes Flury, Präsident der Konferenz der Pädagogischen Hochschulen, nicht als ungewöhnlich: «In weiblich bestimmten Berufen wie dem Lehrerberuf ist der Ausstieg aus bekannten Gründen höher.» Zudem sei es in allen Berufen normal, dass in den ersten Jahren nach Berufseinstieg häufiger gewechselt werde als später. Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Konferenz der Erziehungsdirektoren bezeichnet gegenüber «NZZ am Sonntag» den Lehrerberuf als «Aussteigerberuf». Amsler begründet: «Man unterbricht die Lehrtätigkeit und geht auf Weltreise. Oder man bildet sich weiter in einem anderen Bereich – zum Beispiel der Heilpädagogik.»

Einige Lehrer kehren zurück

Um die jungen Lehrpersonen davor zu bewahren, ihren Job schon früh an den Nagel zu hängen, müssten laut Beat Zemp, Präsident des Lehrerdachverbandes, diese besser in den Beruf eingeführt werden. «Dazu braucht es erfahrene Berufsleute, die eine Weiterbildung als Berufseinführungs-Coach gemacht haben und dazu über genügend Zeit verfügen.» Dass die Junglehrer dem Pädagogikberuf aber jeweils für immer den Rücken kehren, bezweifelt er: «Es ist gut möglich, dass einige später wieder in den Beruf einsteigen.» Die Zahlen des Bundesamts für Statistik bestätigen seine Vermutung: 23 Prozent der Neuangestellten sind Wiedereinsteiger.

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