Aktualisiert 27.12.2016 08:41

Süss oder eklig?«Hälfte der Schweizer nimmt Haustier ins Bett»

Hunde und Katzen gehören nicht ins Bett, diese Meinung vertreten viele. Dies sei jedem selbst überlassen, sagen Expertinnen – gesundheitsgefährdend sei es jedenfalls nicht.

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Jeder zweite Schweizer Haustierhalter nimmt seinen Vierbeiner mit ins Bett, sagt eine Kleintierärztin. Obwohl sich viele ob dieser Vorstellung grausen, sei dies nicht eklig – solange man die hygienischen Vorkehrungen treffe.

Jeder zweite Schweizer Haustierhalter nimmt seinen Vierbeiner mit ins Bett, sagt eine Kleintierärztin. Obwohl sich viele ob dieser Vorstellung grausen, sei dies nicht eklig – solange man die hygienischen Vorkehrungen treffe.

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Doch wer sein Tier nicht regelmässig entwurmt und entfloht, geht ein Risiko ein.

Doch wer sein Tier nicht regelmässig entwurmt und entfloht, geht ein Risiko ein.

Chris Sembrot Photography
Das musste eine Britin im Sommer dieses Jahres schmerzhaft erfahren: Wegen Verwirrung, Starre, Fieber, Durchfall und mehrfachen Organversagens verbrachte sie mehrere Wochen auf der Intensivstation. Schuld daran war ein Bakterium namens Capnocytophaga canimorsus.

Das musste eine Britin im Sommer dieses Jahres schmerzhaft erfahren: Wegen Verwirrung, Starre, Fieber, Durchfall und mehrfachen Organversagens verbrachte sie mehrere Wochen auf der Intensivstation. Schuld daran war ein Bakterium namens Capnocytophaga canimorsus.

Helmut Fohringer

Wenn Leserin Simone* abends unter die Decke schlüpft, hüpfen Hund Fluffy und Katze Gypsy ebenfalls aufs Bett. Der Tiger legt sich auf das freie Kissen, der Rüde macht es sich am unteren Ende bequem. Das sei eklig und unhygienisch, sagen viele von Simones Freunden.

Doch dass Tier und Mensch auf derselben Matratze schlafen, ist hierzulande weit verbreitet, wie Tierärztin Gabrielle Brunner von der Kleintierpraxis Sevogel in Basel bestätigt. «Ich schätze, rund die Hälfte der Schweizer tut dies.»

Alle Tiere gleich behandeln

Medizinisch gesehen spreche nichts dagegen, solange die hygienischen Vorkehrungen eingehalten würden. «Wichtig ist die regelmässige Entwurmung und dass das Tier keine Ektoparasiten wie Zecken oder Flöhe auf sich trägt», so Brunner. Die Leute seien heute aber sehr konsequent in der Behandlung ihrer Tiere.

«Wer das macht, darf sein Tier gern nachts zu sich ins Bett holen. Eklig ist das bestimmt nicht.» Man müsse einzig mit Tierhaaren und ein wenig Dreck auf dem Überwurf rechnen. «Es empfiehlt sich, die Bettwäsche regelmässig zu wechseln.»

Alle Tiere gleich behandeln

Wichtig sei, dass das Tier von Anfang an wisse, was es dürfe und was nicht, sagt Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten Schweiz. «Man soll dem Hund nicht beim einen Mal die Erlaubnis geben, ins Bett zu kommen, und beim nächsten Mal mit ihm schimpfen – das versteht er nicht.»

Zudem müssten alle Tiere im Haushalt gleich behandelt werden. «Es ist unfair, wenn der eine Hund auf die Decke springen darf und der andere in seinem Bettchen bleiben muss», so Oeschger. Tiere hätten ein feines Gespür für Ungerechtigkeit und könnten eifersüchtig und schlimmstenfalls aggressiv gegenüber den Artgenossen reagieren.

«Man muss konsequent bleiben»

Katzen seien besonders clever. «Wenn man sie einmal im Bett schlafen lässt, dann erinnern sie sich daran», sagt Oeschger. Wenn sie dann beim nächsten Mal aus dem Zimmer gesperrt würden, könne dies problematisch werden. «Die Katze miaut dann je nachdem die ganze Nacht vor der Tür.» Der Halter sollte sich vor der Anschaffung des Tieres entscheiden, wo es schlafen soll. «Dann muss man aber auch konsequent bleiben.»

Haustiere landeten vor allem bei Pubertierenden oftmals im Bett, sagt Elisabeth Frick Tanner, Psychologin und Expertin für tiergestützte Psychotherapie. «Junge Leute sehnen sich besonders nach Körperkontakt und Sicherheit.» Das Tier biete ihnen eine angstfreie Beziehung. Wenn die Teenager eine Partnerschaft eingingen, verschwinde dieses Bedürfnis meist wieder. «Dieses Verhalten ist völlig normal.»

Das Tier nicht vermenschlichen

Es gebe aber auch viele ältere Menschen, die abends den Vierbeiner mit unter die Decke schleppten. «Dies sind tendenziell einsame Menschen, die etwas kompensieren», so Frick Tanner. Auch sie suchten Sicherheit, Schutz, Wärme und Körperkontakt.

Solange dies im Sinne des Tieres passiere, sei nichts dagegen einzuwenden. «Problematisch wird es aber, wenn die nötige Distanz fehlt.» Eine zu nahe Bindung könne ins Krankhafte gehen. «Einige Menschen glauben dann, dass nur der Hund oder die Katze ihnen die gewünschte Geborgenheit geben könne, dabei vermenschlichen sie das Tier.» Wer den Hund die ganze Nacht an sich drücke, behandle ihn nicht mehr artgerecht, sondern missbrauche ihn.

Gehen Sie mit Ihrem Haustier ins Bett? Oder finden Sie diese Vorstellung grauenhaft? Melden Sie sich bei uns.

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