Junge Inhaftierte enthüllt - Hält China Uiguren in Geheimgefängnis in Dubai fest?
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Junge Inhaftierte enthülltHält China Uiguren in Geheimgefängnis in Dubai fest?

Gemäss eigenen Angaben wurde eine junge Frau im Wüstenstaat inhaftiert. Auch anderen soll es so ergangen sein. Peking und Dubai dementieren eine Zusammenarbeit.

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Gemäss Angaben einer jungen Uigurin hält China Mitglieder der ethnischen Minderheit in Geheimgefängnissen in Dubai fest.

Gemäss Angaben einer jungen Uigurin hält China Mitglieder der ethnischen Minderheit in Geheimgefängnissen in Dubai fest.

REUTERS
Die junge Frau schildert in ihrem Bericht, zusammen mit weiteren Personen in einer mehrstöckigen Villa in der Stadt festgehalten worden zu sein (Symbolbild).

Die junge Frau schildert in ihrem Bericht, zusammen mit weiteren Personen in einer mehrstöckigen Villa in der Stadt festgehalten worden zu sein (Symbolbild).

imago/Frank Sorge
Die Vereinigten Arabischen Emirate dementieren.

Die Vereinigten Arabischen Emirate dementieren.

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Darum gehts

  • Gemäss den Aussagen einer jungen Uigurin soll China in Dubai Mitglieder der ethnischen Minderheit festhalten.

  • Beamte aus Peking sollen die Frau dort zusammen mit den örtlichen Behörden festgenommen haben.

  • Ob China tatsächlich Geheimgefängnisse betreibt, ist noch nicht bestätigt. Peking dementiert die Meldung.

China soll ein Geheimgefängnis in Dubai betreiben, in dem auch Angehörige der muslimischen Uiguren festgehalten werden sollen. Dies berichtete die 26-jährige Chinesin Wu Huan, die nach eigenen Angaben mit ihrer Flucht ins Ausland einer drohenden Auslieferung in ihre Heimat entgehen wollte. Sie habe dort Probleme befürchtet, da ihr ebenfalls aus China stammender Verlobter als Dissident gelte, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Peking und Dubai wiesen Wus Darstellung zurück.

Uiguren werden in umgebauter Villa festgehalten

Ende Mai sei die junge Frau von chinesischen Beamten in ihrem Hotel in Dubai befragt und dann von der örtlichen Polizei zu einer Wache gebracht worden, wo sie drei Tage verbracht habe, sagte Wu. Am letzten Tag habe sie dort ein Mann aufgesucht, der sich als Mitarbeiter des chinesischen Konsulats ausgegeben habe. Ob sie Geld von ausländischen Gruppen angenommen habe, die gegen China arbeiteten, habe er sie gefragt.

Dann sei sie gefesselt und zu einer mehrstöckigen Villa gefahren worden, in der die Räume in Einzelzellen umfunktioniert worden seien, sagte Wu weiter. Sie sei in ihre eigene Zelle gekommen, die Tag und Nacht beleuchtet worden sei. Mehrmals sei sie auf Chinesisch bedroht worden. Später habe sie zwei uigurische Insassinnen gesehen. Eine von ihnen habe geschrien, dass sie nicht nach China, sondern in die Türkei zurückgehen wolle. Dass es sich um Uigurinnen handele, habe sie an deren Äusserem und deren Dialekt erkannt. Wu selbst ist eine Han-Chinesin.

Audioaufnahmen dokumentieren Verhöre

Zuletzt habe man sie gezwungen, Dokumente zu unterzeichnen, laut denen sie von ihrem Verlobten belästigt worden sei, berichtete Wu. Am 8. Juni sei sie schliesslich freigelassen worden. Sie reiste in die Ukraine weiter, wo sie mit ihrem Verlobten zusammentraf. Nach neuen Drohungen aus China, dass dem Verlobten die Auslieferung drohe, floh das Paar in die Niederlande.

Ihre Darstellung konnte die AP nicht unabhängig bestätigen. Auch den genauen Standort des mutmasslichen Geheimgefängnisses konnte Wu nicht nennen. Doch hatten Reporter Zugang zu Beweismitteln, darunter Stempel in ihrem Reisepass sowie einem Telefonmitschnitt, in dem ein chinesischer Beamter sie verhört. Es liegen auch SMS-Nachrichten vor, die Wu einem Pastor schickte, der ihr und ihrem Verlobten half.

Peking streitet Vorwürfe ab

Das chinesische Aussenministerium wies Wus Darstellung zurück. Die beschriebene Situation sei nicht wahr, sagte Aussenamtssprecherin Hua Chunying. Die Polizei in Dubai erklärte am Montag, Angaben über eine Chinesin, die von örtlichen Behörden im Auftrag eines ausländischen Staats festgenommen worden sei, seien falsch. Wu habe das Land vor drei Monaten unbehindert verlassen. Das Presseamt der Regierung in Dubai erklärte, Dubai halte ausländische Staatsbürger nicht fest, ohne sich an international akzeptierte Regeln zu halten, und erlaube es ausländischen Regierungen auch nicht, auf seinem Gebiet Internierungszentren zu betreiben.

Yu Jie Chen von der nationalen Akademie der Wissenschaften von Taiwan sagte, dass sie noch nie etwas von einem chinesischen Geheimgefängnis in Dubai gehört habe. Es wäre ungewöhnlich, wenn die Volksrepublik eine solche Einrichtung in einem anderen Land betriebe. Allerdings stünde dies in Einklang mit Anstrengungen Chinas, bestimmte Bürger zurückzuholen – entweder mit offiziellen Mitteln wie durch eine Unterzeichnung von Auslieferungsabkommen oder durch inoffizielle wie den Widerruf von Visa oder Druckmassnahmen auf in China lebende Angehörige der Betroffenen.

Vor allem Uiguren fänden sich unter jenen, die überstellt oder nach China zurückgeschickt würden. Die Volksrepublik hat viele Angehörige der muslimischen Minderheit unter Terrorismusverdacht inhaftiert – oft auch für harmlose Vergehen wie Beten.

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(DPA/pme)

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