Aktualisiert 16.03.2020 11:32

Whatsapp-KettenbriefeHände weg von diesen Coronavirus-«Tipps»

Sprachnachrichten und Kettenbriefe über das Coronavirus machen derzeit die Runde. Selbst der Bund warnt vor den Fake News. Hier die Ratschläge im Faktencheck.

von
juu
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Diese Whatsapp-Nachricht macht derzeit die Runde. Sie verspricht einfache Möglichkeiten, sich gegen das Coronavirus zu wappnen und herauszufinden, ob man sich angesteckt hat. Laut einem Experten ist an den Tipps aber nichts dran.

Diese Whatsapp-Nachricht macht derzeit die Runde. Sie verspricht einfache Möglichkeiten, sich gegen das Coronavirus zu wappnen und herauszufinden, ob man sich angesteckt hat. Laut einem Experten ist an den Tipps aber nichts dran.

Auch andere Tipps machen derzeit die Runde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klärt auf: So heisst es etwa, dass das Coronavirus in heissen Gebieten nicht existieren könne. Dies stimmt nicht, stellt die WHO klar.

Auch andere Tipps machen derzeit die Runde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klärt auf: So heisst es etwa, dass das Coronavirus in heissen Gebieten nicht existieren könne. Dies stimmt nicht, stellt die WHO klar.

Screenshot WHO
Auch dass kalte Temperaturen das Virus töten könnten, stimmt nicht. Auch Schnee ändert an der Ausbreitung des Coronavirus nichts.

Auch dass kalte Temperaturen das Virus töten könnten, stimmt nicht. Auch Schnee ändert an der Ausbreitung des Coronavirus nichts.

Screenshot WHO

«Hör zu Alba, ich sag dir jetzt etwas im Vertrauen. Heute am Mittag wird sich die Schweiz verändern.» Und: «Kauf heute noch ein, was du brauchst! Morgen wirst du nichts mehr erhalten.» Diese und ähnliche Nachrichten kursieren derzeit auf Whatsapp – viele davon auf Schweizerdeutsch. In der Folge überrannten Menschen die Detailhändler und tätigten Hamsterkäufe. Der Bund hat prompt auf die Meldungen reagiert und diese als «Fake News» bezeichnet. In den letzten Tagen kam es auch vermehrt zu Kettenbriefen mit vermeintlichen Coronavirus-Tipps. «Nehmen Sie mindestens alle 15 Minuten ein paar Schlucke Wasser. Selbst wenn das Virus in Ihren Mund gelangt – das Trinken von Wasser oder anderen Flüssigkeiten spült es durch Ihre Speiseröhre in den Magen. Dort angekommen, tötet die Magensäure das Virus ab», heisst es darin etwa.

Zudem könne man mit einem einfachen Selbsttest erkennen, ob man am Coronavirus erkrankt sei: «Atmen Sie tief ein und halten Sie den Atem für mehr als zehn Sekunden an. Wenn Sie die Untersuchung ohne Husten, ohne Beschwerden, ohne Prallheit oder Engegefühl erfolgreich durchführen, beweist dies, dass keine Fibrose in den Lungen vorliegt, was im Grunde genommen auf keine Infektion hinweist.» Experten sagten allerdings gegenüber 20 Minuten, dass die Tipps wirkungslos und somit Falschinformationen seien.

Nein, Zwiebeln und Knoblauch helfen Infizierten nicht

Auch Hausmittel zur Bekämpfung des Virus machen derzeit die Runde. So rät man Infizierten via Whatsapp beispielsweise dazu, eine aufgeschnittene Zwiebel ins Wohnzimmer zu legen. «Das hilft, die Viren und Bakterien aus dem Körper und der Luft zu saugen», heisst es im Text. Weiter steht geschrieben, dass auch das Essen von Knoblauch den infizierten Körper entgiften würde.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat indes reagiert und in einem Statement erklärt, dass generell keine Lebensmittel eine nachweisliche Wirkung gegen das Coronavirus haben. Auch Sonnenlicht, Schnee und heisse Bäder schützen nicht vor einer Ansteckung, so die WHO.

Was steckt hinter den Nachrichten?

Doch warum verfassen und verbreiten die Menschen solche Nachrichten? Laut Daniel Süss, Medienpsychologe und ZHAW-Dozent, sind die Beweggründe unterschiedlich: «Die einen wollen Aufmerksamkeit generieren oder erlauben sich einfach einen schlechten Scherz und sind gespannt, wie viele Leute darauf hereinfallen. Andere haben vielleicht eine Beobachtung gemacht, welche sie falsch interpretiert haben und glauben an das, was sie daraus ableiten.»

Gemäss dem Medienpsychologen sind die Sprachnachrichten durchaus mit Kettenbriefen zu vergleichen. Gesprochene Nachrichten würden sogar mehr Emotionen vermitteln und authentischer wirken als geschriebene Texte, so der Experte. «Wenn man unsicher ist, ob jemand einen Scherz macht, etwas ironisch oder ernst meint, dann versuchen die Empfänger der Nachricht, dies aus dem Klang der Stimme, einem Zögern oder Kichern herauszulesen.»

«Man sollte solche Nachrichten ignorieren und nicht weiter verbreiten»

Doch warum teilen und verschicken Menschen die Nachrichten einfach weiter, ohne sie gross zu hinterfragen? Laut Süss ist dabei vor allem der Absender entscheidend: «Erhält man solche Warnungen von Bekannten, die man für vernünftig und vertrauenswürdig hält, dann ist die Gefahr gross, dass man sie ernst nimmt und nicht hinterfragt.» Wieder andere würden die Nachricht vielleicht einfach aufregend und spannend finden und sie deshalb unbedacht weiterverschicken, so der ZHAW-Professor. Dies gelte auch für die vermeintlichen Tipps. «Da keine Selbsttests angeboten werden, suchen Verunsicherte nach etwas, an dem sie sich festhalten können. Sie schnappen etwas auf oder erfinden etwas, das ihnen plausibel erscheint, und senden es weiter.»

Laut Süss gibt es nur eine sinnvolle Reaktion, wie man sich verhalten sollte, wenn man so eine Nachricht bekommt: Die Nachricht ignorieren und sicher nicht weiterverbreiten. «Wenn man verunsichert ist, sollte man mit vertrauenswürdigen Personen im direkten Umfeld sprechen und sich an den Informationen der Behörden und auch der Detailhändler orientieren: Die Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt.»

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