Aktualisiert 14.09.2018 21:00

Functional Food

Händler verkaufen Pilze aus dem Solarium

Coop hat neu Champignons im Angebot, die mittels UV-Licht mit Vitamin D angereichert sind. Was taugen diese Pilze?

von
vay
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Coop und Lidl haben neu Champignons im Angebot, die mittels UV-Licht mit Vitamin D angereichert sind. Was taugen diese Pilze?

Coop und Lidl haben neu Champignons im Angebot, die mittels UV-Licht mit Vitamin D angereichert sind. Was taugen diese Pilze?

Pilze aus dem Solarium – das mag absurd klingen. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit ist Vitamin-D-Mangel in der Schweiz  aber tatsächlich verbreitet. Er kann zu Stimmungstiefs, Infektanfälligkeit und Knochenschwund führen.

Pilze aus dem Solarium – das mag absurd klingen. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit ist Vitamin-D-Mangel in der Schweiz aber tatsächlich verbreitet. Er kann zu Stimmungstiefs, Infektanfälligkeit und Knochenschwund führen.

Andreas Gebert
Braucht es Functional-Food-Produkte wie den Champidor-Pilz wirklich?

Braucht es Functional-Food-Produkte wie den Champidor-Pilz wirklich?

Petra Kaminsky

Sechs Pilze, abgepackt in einer braunen Kartonschachtel: So präsentieren sich die Champignons der Marke Champidor, die bei Vitamin-D-Mangel helfen sollen und neu bei Coop erhältlich sind.

Die Pilze werden vereinfacht gesagt ins Solarium geschickt: also mit UV-Licht bestrahlt, was ihre Vitamin-D-Produktion anregt. Drei der Pilze pro Tag zu essen soll genügen, den täglichen Vitamin-D-Bedarf eines Erwachsenen zu decken. Preislich muss man für die Pilze etwa ein Drittel mehr als für herkömmliche Champignons bezahlen.

Pilze aus dem Solarium – das mag absurd klingen. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit ist Vitamin-D-Mangel in der Schweiz aber tatsächlich verbreitet. Er kann zu Stimmungstiefs, Infektanfälligkeit und Knochenschwund führen. Doch braucht es Functional-Food-Produkte wie den Champidor-Pilz wirklich?

Alternative zu Pillen

Stefan Bürki von der Berner Fachhochschule, der den Champidor-Pilz mitenwickelt hat, ist davon überzeugt. «Der Körper kann das Vitamin D des Pilzes einfach verwerten. Er ist eine gute Alternative für Menschen mit Vitamin-D-Mangel, die keine Pillen schlucken wollen.»

Charlotte Weidmann Schneider, Ernährungsberaterin bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung, stimmt dieser Aussage zu: «Im Winter reicht die körpereigene Bildung von Vitamin D für die Gesamtbevölkerung nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Vitamin-D-Versorgung sollte daher über die Ernährung, Nährstoffpräparate oder angereicherte Nahrungsmittel sichergestellt werden.»

Wintersonne nützt nichts

Dass im Winter fast alle einen Vitamin-D-Mangel entwickeln, liegt an der veränderten Sonneneinstrahlung. «Der Grossteil des Vitamin D wird bei Sonnenbestrahlung in der Haut gebildet. Nur rund zehn Prozent kann über die Nahrung aufgenommen werden», sagt die Ernährungsexpertin. In den Wintermonaten ist in Schweizer Breitengraden die Sonnenstrahlung zu gering, als dass sich in der menschlichen Haut ausreichend Vitamin D bilden könnte. Dasselbe gilt auch für sonnige Tage im Flachland und in den Bergen.

Ein Interview mit GFK-Experte Michel Rahm zum Thema Functional Food erscheint bald ebenfalls hier auf 20min.ch.

Korrektur

In einer älteren Version dieses Artikels und auch in der gedruckten Ausgabe von 20 Minuten stand fälschlicherweise, dass Lidl die Pilze von Champidor im Sortiment hat. Dies ist nicht der Fall. Die Redaktion bittet um Entschuldigung für das Missverständnis.

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