Aktualisiert 24.02.2020 17:09

Schweizer Online-Drogerie

Händler verkauft 250'000 Masken an einem Tag

Der Ansturm auf Atemschutzmasken hält an. Bei vielen Apotheken und Drogerien sind sie ausverkauft. Jetzt sind sogar deren Lieferanten ausgeschossen.

von
pro/qll

Wer dieser Tage in einer Apotheke nach Atemschutzmasken fragt, bekommt meist dieselbe Antwort: «Die sind leider ausverkauft.» Kaum ein Geschäft hat momentan noch Schutzmasken auf Lager: So werden Kunden in den Bahnhofsapotheken Zürich, Bern, Lugano und Schaffhausen vertröstet.

Der Engpass kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Noch nie war das neue Coronavirus der Schweiz so nahe wie jetzt. Der jüngste Ausbruch der infektiösen Krankheit in Norditalien lässt die Wogen im Tessin hochgehen: Politiker fordern Kontrollen oder sogar eine Grenzschliessung.

Über 50 000 Atemschutzmasken in zehn Stunden

Bei der Online-Drogerie McDrogerie.ch gab es am Sonntag einen Ansturm auf Atemschutzmasken. «Innerhalb von zehn Stunden haben wir über 50 000 Atemschutzmasken eines Typs verkauft, über den ganzen Tag hinweg wurden über 100 000 Stück davon bestellt», sagt Geschäftsführer Frank Marent. Im Schnitt würden 100 Atemschutzmasken – zwei Packungen je 50 Stück – pro Person bestellt. Liefern würde die Online-Drogerie nur in die Schweiz.

McDrogier.ch habe insgesamt 250 000 Atemschutzmasken dieses Typs an Lager gehabt, diese seien bis am späteren Montagvormittag ausverkauft gewesen. Auch Masken anderer Typen seien gut verkauft worden. «Ob wir weitere nachbestellen können, bleibt bei der momentanen Lage offen», sagt Marent. Er müsse heute wohl ein paar Telefonate mit verschiedenen Herstellern machen.

Apotheker: «Viele Hamsterkäufe»

Bei der Bahnhofsapotheke Schaffhausen ging Mitte vergangener Woche die vorerst letzte Atemschutzmaske über den Ladentisch: «Wir haben in den letzten zwei Wochen wohl zwischen 200 und 300 Masken verkauft», sagt Apotheker Patrik Bolliger.

Es habe Hamsterkäufe gegeben, die Käufer hätten so viele Masken kaufen wollen wie nur möglich, sagt Bolliger. «Wir haben aber nicht gleich unser ganzes Lager herausgegeben.» Bei den Käufern handelte es sich laut dem Apotheker vorwiegend um Touristen aus Asien, es seien aber auch Schweizer darunter gewesen.

Jetzt ist das Lager leer. Und so schnell wird es keinen Nachschub mehr geben: «Wir können zwar mehr bestellen, doch im Moment hat keiner unserer Lieferanten mehr Atemschutzmasken auf Lager», sagt Bolliger. Auch bei der Bahnhofsapotheke Bern heisst es, im Moment könne man keine Masken bestellen.

Wann gibt es Nachschub?

Bei der Zürcher Bahnhofsapotheke heisst es, man sei schon seit längerer Zeit ausverkauft. Es habe eine kleine Lieferung mit Nachschub gegeben, doch die Atemschutzmasken seien sofort weg gewesen. Auch hier wissen die Apotheker nicht, wann neue Ware kommt.

Frank Marent, Geschäftsführer von McDrogerie.ch sagt, dass am Sonntag in der Online Drogerie innert zehn Stunden Bestellungen von über 50'000 Atemschutzmasken eingegangen seien. «Wir haben vor circa einer Woche 250'000 Atemschutzmasken eingekauft und sie sind verfügbar solange Vorrat. Den Preis werden wir trotz der grossen Nachfrage nicht erhöhen.»

Der Schaffhauser Apotheker Bolliger schätzt, dass es erst wieder neue Nachschub gebe, wenn sich die Situation in China entspanne. Denn dort werde der Grossteil der Masken hergestellt. Und auch die Nachfrage sei dort im Moment am grössten.

Halten Sie sich derzeit in einer Stadt in Norditalien auf, die zur Sperrzone erklärt wurden und möchten Sie uns von der Lage vor Ort berichten? Wir freuen uns über eine Kontaktaufnahme im Formular unten oder über Whatsapp (076 420 20 20).

Zehn Mal mehr Desinfektionsmittel

In den ersten beiden Monaten wurden bei Galaxus zehn Mal mehr Desinfektionsmittel und Fiebermesser als 2019 verkauft. Die Lager seien inzwischen leer, auch bei den Produzenten, erklärt ein Sprecher. Bei den Fieberthermometern würde es wohl auch länger dauern, bis Nachschub kommt. Denn diese würden in China hergestellt und der dortige Markt habe bei den Produzenten Vorrang.

Auch auf Le Shop sind zwei von drei Handdesinfektionsmittel ausverkauft. Mit dem Coronavirus habe das nicht unbedingt zu tun: Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln sei immer während der Grippesaison erhöht, wie ein Migros-Sprecher auf Nachfrage sagt. Auch bei Coop Vitality sind die Handdesinfektionsmittel beinahe ausverkauft. Die Nachfrage habe seit längerem zugenommen, so eine Sprecherin.

Fehler gefunden?Jetzt melden.