Gross-artige Rückkehr: Härter als die Anderen

Aktualisiert

Gross-artige RückkehrHärter als die Anderen

Die Axpo Super League hat ihn wieder. 778 Tage nach seinem Abschied aus Basel und einem Zwischenhalt beim VfB Stuttgart, coacht Christian Gross wieder an den Seitenlinien Schweizer Stadien.

von
Eva Tedesco

Aber jetzt heisst es: neues Spiel, neues Glück – du brauchst nur ja zu sagen. Ich bin härter als die Anderen.» «Tougher Than the Rest», diesen Song von Bruce Springsteen hat sich Christian Gross am 29. Mai 2009 für seinen Abschied aus Basel gewünscht. Zwei Jahre, einen Monat und 17 Tage später ist Gross in der höchsten Schweizer Spielklasse zurück. Als Trainer des ewigen Zweiten YB und als Hoffnungsträger, der nach langen 25 Jahren wieder den Titel nach Bern holen soll. «Neues Spiel, neues Glück – YB braucht nur ja zu sagen.» Oder anders – den Hunger und die Winnermentalität des neuen Chefs anzunehmen.

Um 20.12 Uhr kreuzten sich die Wege von Gross und Thorsten Fink seinem Nachfolger beim FCB erstmals seit der Deutsche den Trainerjob von Gross im Sommer 2009 übernommen hat. Mehr als zu kurzen Höflichkeitsfloskeln und einem Handshake kam es im Kabinengang nicht. Thorsten Fink: «Ich habe Christian Gross vorher ja nicht gekannt und mich deshalb gefreut ihn erstmals zu treffen. Es war sehr freundlich und nett.» Während Fink danach aber ruhig auf seiner Trainerbank Platz nehmen konnte, stand Gross einige Minuten im Blitzlichtgewitter der zahlreichen Fotografen.

Das Duell zweier Basler Meistertrainer

Das wahre Feuerwerk zündete aber das neue Team des Polizistensohnes aus Höngg. YB setzte den FCB von der ersten Minute an unter Druck und brachte den Meister immer wieder in Bedrängnis. Ganz nach dem Geschmack von Gross. «Wir müssen von Anfang an so spielen, dass der Gegner in Not gerät und Fehler begeht», lautet die Vorgabe des Zürchers an sein Team für die aktuelle Saison. Degen & Co. haben gut zugehört. Gross, in schwarzem Anzug mit dem gelben YB-Logo auf der Brust, schwarzem Shirt, stand am äussersten Rand seiner Coachingzone und dirigierte, rief und fasste sich an den Kopf, wenn Degen, Farnerud und Mayuka die besten Chancen fahrlässig versiebten oder von Yann Sommer abgewehrt sah.

Nicht besser erging es Fink. Ungewöhnlich lange stand der Deutsche in seiner Coachingzone. Meist ein deutliches Zeichen, dass es seiner Equipe nicht läuft. Fink – in grauer Hose und dunkelblauem Sakko, hellblauem Hemd und Krawatte – machte unablässig Notizen, trieb sein Team an und legte sich mit dem vierten Unparteischen an. Sogar Captain Marco Streller bekam sein Fett weg. Nur kurz kehrte Fink auf seine Bank zurück: nach der 1:0-Führung durch Zoua (51.) Der Ausgleich durch Mayuka (56.) trieb den FCB-Trainer aber wieder an die Seitenlinie.

Zufriedenheit - aber nicht wirklich

«Die Grundhaltung hat mir gefallen», sagte Gross viel später an der Pressekonferenz zur Leistung seiner Mannschaft. «Es macht weh, wenn man so viel macht und nur einen Punkt holt. Ich habe mehr erwartet. Wenn man zu so vielen Chancen kommt – und gegen den Schweizer Meister hat man normal nicht so viele klare Chancen – muss man diese verwerten.» Gross bemängelte den fehlenden Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor und noch genauso verärgert war er beim Gegentor nach einer Standardsituation.

Gar nicht zufrieden mit der Leistung war Thorsten Fink. «Mit dem Resultat muss ich aber sehr zufrieden sein. Nicht gut zu spielen und dennoch einen Punkt mit nach Hause zu nehmen geht in Ordnung.» Seine Mannschaft konnte zu keiner Zeit sein Pressing aufziehen, die Raumaufteilung war mangelhaft und Fink habe auch das Vertrauen im Spiel gefehlt. Fink: «Einen Favoriten schlägt man am ehesten dann, wenn man früh in der Meisterschaft auf ihn trifft, weil da der Rhythmus noch fehlt. Bei uns war das heute so.»

Und dann gab es noch einmal ein paar Worte zwischen dem alten und dem neuen FCB-Trainer. Ein freundliches Schulterklopfen und Händeschütteln. Und obwohl Gross sein Startspiel nicht zu hoch hängen wollte, sagte er dann doch noch: «Es war toll und ein tolles Ambiente.»

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