Wegen Unfallgefahr: Härtere Strafen für Suff-Velofahrer gefordert
Aktualisiert

Wegen UnfallgefahrHärtere Strafen für Suff-Velofahrer gefordert

Betrunkene Velofahrer kommen vor dem Gesetz oft besser weg als Autolenker. Nun fordern SVP-Politiker eine einheitliche Lösung.

von
Thomas Bigliel

Sie fahren bei Rot über die Strasse, ignorieren Vortrittsregeln und biegen abrupt ab. Velofahrer gelten in den Augen vieler Automobilisten als unverbesserliche Rowdys. In Deutschland will man die Radfahrer deshalb künftig härter anpacken. Bis anhin konnten die Radler ungestraft ein gerüttelt Mass Alkohol trinken und durften trotzdem fahren. Damit soll nun Schluss sein. Auch in der Schweiz kommen betrunkene Radfahrer oft glimpflich davon. Ein Entzug des Autobilletts droht den Suff-Velofahrern erst ab einer Blutalkoholkonzentration von 2,5 Promille. Bei den Autofahrern ist der Gesetzgeber weniger kulant: Wer sich nach dem Feierabendbierchen ins Auto setzt, muss bereits ab 0,5 Promille mit dem Entzug des Fahrausweises rechnen (siehe Box).

Dass für Velo- und Autofahrer unterschiedliche Promillegrenzen gelten, findet man nicht überall gut. «Das macht doch überhaupt keinen Sinn», meint SVP-Verkehrsexperte Walter Wobmann. Für die Blaufahrer hat Wobmann wenig Verständnis: «Die Spielregeln haben für alle Verkehrsteilnehmer gleich zu sein. Egal, ob fürs Velo oder fürs Auto.» Dieser Meinung ist auch sein Parteikollege Ulrich Giezendanner: «Wer ein vierrädriges Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle hat, hat auch ein zweirädriges nicht mehr im Griff.» Der Transportunternehmer und Nationalrat will deshalb prüfen, ob der Alkoholgrenzwert für Velo- und Autofahrer nicht vereinheitlicht werden kann.

Jeder dritte Velounfall passiert im Suff

Dass für Vier- und Zweiräder gleich lange Spiesse geschaffen werden sollen, stösst auch beim Automobil Club der Schweiz (ACS) nicht auf Ablehnung. «Alkohol bei Velofahrern ist tatsächlich ein oft unterschätztes Problem», sagt ACS-Generaldirektor Stefan Holenstein. Velofahrer würden schon ab 0,3 Promille Entfernung und Tempo eines Autos nicht mehr gut einschätzen können. Bei 0,5 Promille verschlechtere sich die Sehleistung und bei 0,8 die Reaktionsfähigkeit. «Viele Velofahrer sind sich dessen nicht bewusst und gefährden so andere Verkehrsteilnehmer. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bei jedem dritten von einem Velofahrer verursachten Unfall Alkohol im Spiel war.» Weil sie selten einen Helm trügen, sei das Risiko tödlich zu verunfallen bei alkoholisierten Velofahrern zudem fast dreimal höher als bei nüchternen Radlern.

Blaufahrten sind verboten

Auf Seiten von Velofahrern ist man über die Pläne der Verkehrspolitiker gar nicht erfreut. «Angesichts der im Verhältnis zu den Zahlen der Autofahrer eher tiefen Unfallzahlen sehen wir keinen Handlungsbedarf», sagt Jean-François Steiert, Präsident von Pro Velo und SP-Nationalrat. Das gewisse Velofahrer betrunken im Strassenverkehr unterwegs sind, streitet Steiert nicht ab. «Das ist aber ein Problem, das wir mit der bestehenden Regelung bereits gut im Griff haben.» Augenmass fordert auch CVP-Nationalrat Martin Candinas: «Wer sich betrunken auf einen Sattel schwingt, bringt in erster Linie sich selbst in Gefahr. Bei einem Auto sieht die Gefahrenlage aufgrund der meist höheren Geschwindigkeit anders aus.» Die SVP-Forderung sei deswegen eine regelrechte «Schnappsidee». «Es gibt sicher wichtigere Probleme als biertrinkende Velofahrer», so Candinas.

Auch wenn im Normalfall kein Ausweisentzug droht: Velofahren in angetrunkenem Zustand ist verboten. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine saftige Busse, die mehrere hundert Franken hoch sein kann. «Grundsätzlich muss ein Velofahrer wie ein Autofahrer mit einer Busse rechnen, wenn er mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat», bestätigt Guido Bielmann, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra).

So werden Autofahrer gebüsst

Die Polizei darf jederzeit, auch ohne konkreten Verdacht, eine Alkoholkontrolle durchführen. Wer mit einer Blutalkoholkonzentration ab 0,5 Promille (für Neulenker, Fahrschüler und Chauffeure gelten 0,0 Promille) fährt, wird wie folgt bestraft:

0,5 bis 0,79 Promille: Haft (1 Tag bis 3 Monate) oder Busse. Verwarnung oder Ausweisentzug für mindestens 1 Monat.

Ab 0,8 Promille: Gefängnis (3 Tage bis 3 Jahre) oder Busse. Ausweisentzug für mindestens 3 Monate.

Für illegale Drogen gilt die Nulltoleranz. Das Fahren unter Drogen wird gleich behandelt wie das Fahren mit 0,8 Promille. Das Fahren unter Medikamenteneinfluss ist dann strafbar, wenn das Medikament negative Wirkungen auf die Fahrfähigkeit hat.

So werden Velofahrer gebüsst

Das Strassenverkehrsrecht (SVG) regelt in Art. 91 Abs. 3: «Wer in fahrunfähigem Zustand ein motorloses Fahrzeug fährt, wird mit Busse bestraft.» Die Höhe des Bussgeldes wird vom Richter festgelegt und kann mehrere hundert Franken betragen.

0,5 bis 0,79 Promille: Busse.

Ab 0,8 Promille: Velofahrverbot oder Busse (kantonal unterschiedlich).

Ab 2,5 Promille: Entzug des Autobilletts (kantonal unterschiedlich).

Im Gegensatz zu den Autofahrern ist die Alkoholpraxis bei Velofahrern weniger streng. Den Fahrausweis eines Velofahrers zu entziehen, erachten einige Kantone gar als unverhältnismässig.

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