Lizzie Velasquez: «Hässlichste Frau» kämpft gegen Mobbing
Aktualisiert

Lizzie Velasquez«Hässlichste Frau» kämpft gegen Mobbing

Im Alter von 17 stiess Lizzie Velasquez auf ein Youtube-Video, in dem sie als «hässlichste Frau der Welt» beschimpft wurde. Heute ist sie 25 und plant eine Doku gegen Mobbing.

von
Enrique Lopetegui
AP

Lizzie Velasquez wurde 1989 in Austin im US-Staat Texas mit einem sehr seltenen Syndrom geboren, das eine Gewichtszunahme verhindert. Nur noch zwei weitere Menschen weltweit leiden an der Krankheit. Damit kommt die junge Frau über ein Gewicht von 29 Kilogramm nicht hinaus, zudem ist sie auf einem Auge blind. Velasquez wurde einst als «hässlichste Frau der Welt» beschimpft.

Inzwischen arbeitet die 25-Jährige an einen Film gegen Mobbing. Er trägt den Arbeitstitel «The Lizzie Project» und soll durch die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert werden. Bis 1. Juni will sie 180'000 Dollar (umgerechnet gut 161'200 Franken) zusammenbringen, am Sonntag waren bereits knapp 169'000 Dollar Spenden aufgelaufen.

Auslöser waren beleidigende Kommentare auf Youtube

«Ich weiss, was es heisst, gemobbt zu werden und online gemobbt zu werden, und ich will die schützen, die nicht daran glauben, dass es wieder aufwärtsgehen kann», sagt Velasquez in einem Café in Austin. «Wenn sie die Dokumentation sehen, sollen sie merken: Ja, es ist möglich, alles zu überwinden.»

Am 5. Dezember 2013 sorgte die Texanerin mit einem Auftritt auf der Innovationskonferenz TEDx in Austin für Furore. Dabei erzählte sie, wie sie 2007 den Film «Die hässlichste Frau der Welt» über sich selbst auf Youtube entdeckte. In den Kommentaren zum Video las sie Einträge wie «Tu der Welt einen Gefallen und halte Dir eine Pistole an den Kopf.» «Anstatt mich weinend zu verkriechen, habe ich mich entschieden, glücklich zu sein und zu erkennen, dass dieses Syndrom kein Problem ist, sondern ein Segen, weil ich dadurch ein besserer Mensch werden und andere Leute inspirieren kann», sagte sie in der Rede.

Das Video von TedX

In den Jahren seit Entdeckung des Videos schloss Velasquez das College ab und schrieb drei Selbsthilfe-Bücher. Im August soll der dritte Titel «Entscheidung zum Glücklichsein» auf den Markt kommen. Sie gewann Zehntausende Follower auf Facebook, Twitter und Youtube und trat in verschiedenen US-Talkshows auf.

Familie unterstützt Lizzie

Selbstvertrauen und emotionale Stärke habe sie von ihren Eltern erhalten, die sie immer genauso geliebt hätten wie ihre gesunden Geschwister Marina und Chris, betont Velasquez. «Sie sind die besten Eltern der ganzen Welt. Vom Moment meiner Geburt an überschütteten sie mich mit Liebe. Und meinen Bruder und meine Schwester haben sie genauso erzogen wie mich. Diese Liebe, multipliziert mit drei, hat mich ganz sicher dahin gebracht, wo ich heute bin.»

Velasquez wurde vier Wochen zu früh geboren. Zunächst hätten die Ärzte ihr nur ein Foto ihres Kindes gezeigt, erzählt ihre Mutter. «Ich begann furchtbar zu weinen, bat sie aber, sie mir trotzdem zu bringen», sagt Rita Velasquez. «Ich wollte sie sehen, halten und lieben.» Lizzie habe schon am ersten Tag im Kindergarten bemerkt, dass sie anders war als die anderen Kinder, weil keiner mit ihr spielen wollte, sagt ihr Vater. «Wir erzählten ihr von dem Syndrom und seitdem stellt sie immer wieder ihre grosse Reife unter Beweis.»

Heilung nicht mehr wichtig

Auch die Regisseurin des Filmprojekts bewundert Velasquez: «Lizzie hat so viel innere Stärke und solch einen Sinn für Humor, dass jeder Zugang zu ihr findet», sagt Sara Bordo. «Wir alle haben Probleme im Leben, aber das ist nichts verglichen mit dem, was sie durchgemacht hat. Es ist für jeden Menschen auf der ganzen Welt erhebend, ihre positive Einstellung zu erleben.»

Eine mögliche Heilung ist für Velasquez inzwischen nicht mehr wichtig: «Nein, überhaupt nicht, ich denke nicht mal daran», sagt sie. «Wenn Sie mich das gefragt hätten, als ich 13 war, hätte ich wahrscheinlich Ja gesagt. Ich hätte voll dahintergestanden, Versuche gemacht, alles. Aber wenn Sie mich das jetzt fragen, nachdem ich so viel gelernt habe und so weit gekommen bin, dass ich akzeptieren kann, wer ich bin und mich so annehmen kann – wenn ich jetzt etwas ändern würde, dann wäre ich nicht mehr Lizzie und wäre mir selbst nicht mehr treu.»

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