Marcel Salathé: «Hätte schon erwartet, dass wir so schnell wie die USA oder UK impfen könnten»
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Marcel Salathé«Hätte schon erwartet, dass wir so schnell wie die USA oder UK impfen könnten»

Manche überkommt der Frust angesichts des Impftempos in anderen Ländern. Nachfrage bei Marcel Salathé, einst Mitglied der Corona-Taskforce und jetzt Direktor von CH++, wie er selbst mit der Ungeduld klarkommt.

Marcel Salathé,* ehemaliges Mitglied der Corona-Taskforce und jetzt Direktor der Organisation CH++, war zu Gast in der SRF-Sendung Club. Es ging um den Impfpass, die Datenverwaltung und die Frage, wieso sich die Schweiz mit digitalen Lösungen so schwer tut.

Als eine Journalistin aus einem gut besuchten Café in Tel Aviv zugeschaltet wurde, meinte Salathé: «Die Leute sehen, wie grossartig es in Israel vorwärts geht. Und wie schleppend bei uns. Das ist Frust». Gegenüber 20 Minuten präzisiert er: «Der Vergleich mit Israel ist schwierig, weil das Land Verträge abgeschlossen hat, in dem Gesundheitsdaten zur Verfügung gestellt wurden. Aber ich hätte schon erwartet, dass die Schweiz so schnell wie die USA oder Grossbritannien impfen könnte.»

Wie geht er selbst mit dem Frust um, dass es bei uns so langsam vorangeht? «Frustriert sind wir alle», meint Salathé. «Wir sollten versuchen zu verstehen, wo wir lernen können für andere Situationen, um es das nächste Mal besser zu machen. Aber es kommt auch der Moment, in dem man realisiert, dass die Probleme wahrscheinlich tiefer liegen, als es auf den ersten Blick scheint.»

«Bei technologischen Fragen die Kompetenzen im Land besser nutzen»

Für ihn sei die Corona-Krise der Anstoss gewesen, mit Gleichgesinnten die Organisation CH++ zu gründen. Deren Ziel ist es, die wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen von Politik, Behörden und Gesellschaft zu stärken. «Wir müssen bei technologischen Fragen die Kompetenzen, die es in diesem Land gibt, viel besser nutzen», ist Salathé überzeugt. «Wir brauchen einen technologisch kompetenten Staat, sonst wird es schwierig, unseren hohen Lebensstandard zu bewahren – nicht nur während Krisen.»

Dass die Schweiz technologischen Nachholbedarf hat, zeigte sich eben erst im Datenleck auf der Impfplattform meineimpfungen.ch. Darauf angesprochen, bleibt der gebürtige Basler diplomatisch: «Datenlecks sind immer problematisch. Im Idealfall baut man dezentrale Systeme, bei denen die sensitiven Daten bei den Benutzern bleiben – so wie bei der SwissCovid-App».

*Zur Person

Der Epidemiologe Marcel Salathé hatte im Februar 2021 die Covid-19-Taskforce des Bundes verlassen und gründete die CH++ mit, deren Direktor er ist. Die Organisation hat zum Ziel, die wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen von Politik, Behörden und Gesellschaft zu stärken und aufzuzeigen, wo öffentliche Institutionen technologisch im Rückstand sind.

(gux)

Deine Meinung

158 Kommentare
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Rudolf

25.03.2021, 23:15

Ja ich auch aber bei unserer Veterliplanung ist das nicht zu erwarten

Jurist007

25.03.2021, 19:45

Und nun kommt die EU und stoppt alle Impflieferungen in die Schweiz. Und was macht der BR? Bedient er sich direkt bei Lonza oder bettelt er in Brüssel

CH_BURGER

25.03.2021, 17:43

Wenn nur ein Teil der CH-Bevölkerung sich impfen lässt wegen Corona-Verweigerungen, nützt die ganze Impf-Kampagne nicht sehr viel. Entweder alle oder keinen, die Devise.