Seniorin im Spital - «Hätte ich das ganze Erdbeertörtli gegessen, hätte es mich geputzt»
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Seniorin im Spital«Hätte ich das ganze Erdbeertörtli gegessen, hätte es mich geputzt»

Eine Pflegerin soll im Altersheim Rosengarten in Laufen eine Seniorin vergiftet haben, um an ihr Geld zu kommen. Das Vorhaben scheiterte. Vor Gericht stritt die Beschuldigte alles ab.

von
Lukas Hausendorf
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Ein mit Rizinussamen-Pulver präpariertes Erdbeertörtchen hätte eine Seniorin im Altersheim Rosengarten in Laufen beinahe das Leben gekostet. Sie habe einen Bissen genommen und dann etwas Braunes bemerkt, das wie Pfeffer ausgesehen habe, sagte die Dame vor Gericht.

Ein mit Rizinussamen-Pulver präpariertes Erdbeertörtchen hätte eine Seniorin im Altersheim Rosengarten in Laufen beinahe das Leben gekostet. Sie habe einen Bissen genommen und dann etwas Braunes bemerkt, das wie Pfeffer ausgesehen habe, sagte die Dame vor Gericht.

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Einen weiteren Anschlag am 1. Dezember 2018 überlebte sie nur knapp. Ein mit der mutmasslich gleichen Substanz versetzter Tee brachte sie für sechs Tage auf die Intensivstation des Baser Universitätsspitals.

Einen weiteren Anschlag am 1. Dezember 2018 überlebte sie nur knapp. Ein mit der mutmasslich gleichen Substanz versetzter Tee brachte sie für sechs Tage auf die Intensivstation des Baser Universitätsspitals.

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Für die Taten verantwortlich sein soll eine 32-jährige Pflegerin, zu der das Opfer ein engeres Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte.

Für die Taten verantwortlich sein soll eine 32-jährige Pflegerin, zu der das Opfer ein engeres Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte.

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Darum gehts

  • Im Winter 2018 musste eine Bewohnerin eines Laufner Altersheims nach einer Vergiftung hospitalisiert werden.

  • Das Gift in den Tee gemischt hatte ihr mutmasslich ihre Vertrauenspflegerin.

  • Das Tatmotiv dürfte Geld gewesen sein. Die betagte Dame hatte der Beschuldigten eine Vollmacht über ein «geheimes» Konto gegeben.

  • Die Pflegerin und eine Arbeitskollegin müssen sich nun wegen versuchten Mordes und Gehilfenschaft vor Gericht verantworten.

«Als ich das Erbeertörtli angefangen habe zu essen, merkte ich, da ist etwas Braunes, wie Pfeffer. Ich fragte die Pflegerin ‹wänd sie mich vergifte?›. Sie sagte dann, die hätten in der Migros etwas neues ausprobiert», gab die 80-jährige Seniorin am Montag vor Gericht zu Protokoll. Zwischen September und Dezember 2018 soll die beschuldigte Pflegerin sie drei Mal versucht haben zu vergiften. Das Erdbeertörtli warf sie weg. «Sonst hätte es mich geputzt», sagt sie. Die paar Bissen bescherten ihr eine Nacht mit Durchfall und Erbrechen. Den letzten Anschlag überlebte sie hingegen nur knapp.

Am 1. Dezember nahm sie wie immer ihren Erkältungstee zum Frühstück. «Denn am halbi 10 hani afo lampe», erzählte die gebrechliche aber geistig wache Seniorin in breitem Baselbieterdeutsch. Sie wurde dann mit akuten Vergiftungssymptomen ins Universitätsspital Basel gebracht, wo sie sechs Tage auf der Intensivstation behandelt wurde. Die mutmassliche Täterin besuchte sie dort und brachte Blumen. «Die hat sie von meinem Geld gekauft», rief sie aus.

«Ich bin ein guter Mensch»

Beschuldigte

Die Bechuldigte bestreitet den Tatvorwurf. «Ich bin kein kaltblütiger Mensch. Ich nehme doch niemandem das Leben für ein bisschen Geld. Ich bin ein guter Mensch», sagte die 32-jährige Beschuldigte am Montag . Die Seniorin hatte ihrer Vertrauenspflegerin eine Vollmacht über ein Konto gegeben, auf dem im August 2018 noch über 80’000 Franken waren. Die Pflegerin plagten damals schon zunehmend Geldprobleme.

Ja, sie habe im Internet recherchiert, wie man jemanden vergiften könne. Aber sie habe das aus suizidaler Absicht getan. Tränenreich führte sie aus, wie schlecht es ihr damals gegangen sei. Die dreifache Mutter berichtet von schwerer Kindheit, einem gewalttätigen Ehemann und psychischen Problemen. Den Einwand des Gerichts, dass dies ein qualvoller Tod sei, der über mehrere Tage herbeigeführt werde und daher eher unkonventionell für ein solches Vorhaben, konnte sie nicht erklären.

Einer Arbeitskollegin, die wegen Gehilfenschaft angeklagt wurde, soll sie erzählt haben, dass sie mit Rizin-Samen und blauem Eisenhut ihren Ehemann vergiften wolle. «Ich wollte alles vertuschen, damit niemand ahnt, dass es um mich geht.» Mit dem Ehemann hat sie sich nach der Untersuchungshaft ausgesöhnt.

«Die hat sich verplappert, das war meine Rettung»

Opfer

Die Aussagen der Seniorin belasten die Beschuldigten indes schwer. Die mitangeklagte Kollegin der Hauptbeschuldigten habe ihr nach dem Spitalaufenthalt erzählt, dass sie für ihre Kollegin Rizin-Samen gekauft habe. «Wenn man zu viel nimmt, dann putzt es einen», soll sie gesagt haben. «Die hat sich verplappert, da habe ich geschalten. Ich wusste vorher nicht, was das braune Zeug war. Das war meine Rettung, dass sie geredet hat», erzählte die 80-Jährige. Die mutmassliche Gehilfin schwieg vor Gericht zu allen Vorwürfen.

Sie meldete das in der Folge der Heimleitung. Nachdem sie auch ihr Konto überprüft hatte, zeigte sie ihre Vertrauenspflegerin auch noch wegen Veruntreuung an. Denn: Auf dem Konto fehlten 20’000 Franken. Diesen Diebstahl gab die Beschuldigte vor Gericht zu. Dafür werde sie die Konsequenzen tragen und alles bis zum letzten Rappen zurückzahlen.

Die Staatsanwaltschaft wird ihre Strafanträge am Dienstag im Rahmen der Plädoyers bekanntgeben. Da der Fall von der grossen Kammer des Strafgerichts beurteilt wird, dürfte die Anklage für die Hauptbeschuldigte mehr als fünf Jahre Haft beantragen. Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstag eröffnet. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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