Polanskis Opfer: «Hätte ich die Wahl – ich nähme die Vergewaltigung»
Aktualisiert

Polanskis Opfer«Hätte ich die Wahl – ich nähme die Vergewaltigung»

Sie wurde als 13-Jährige vom Star-Regisseur Roman Polanski vergewaltigt. 36 Jahre danach hat Samantha Geimer ihre Memoiren geschrieben. Und schockiert mit einem Satz.

von
jam

Jetzt spricht sie doch noch: Samantha Geimer, US-Bürgerin, 50-jährig. Vor 36 Jahren soll sie als 13-Jährige vom Star-Regisseur Roman Polanski in der Villa seines Filmkollegen Jack Nicholson vergewaltigt worden sein. Der heute 80-jährige Regisseur sass damals wegen Sex mit einer Minderjährigen sechs Wochen lang in U-Haft. Aus Angst vor einer langen Haftstrafe setzte er sich nach Europa ab, wo er unbehelligt lebte – bis er vor vier Jahren am Zürich Film Festival unter grosser medialer Beachtung verhaftet wurde.

Das damalige Opfer meldete sich in den Wochen, Monaten und Jahren danach gelegentlich zu Wort. Man solle die alte Geschichte doch ruhen lassen, bei ihr würden dadurch nur unnötig Wunden aufgerissen. Doch nun hat die 50-Jährige ihre Memoiren veröffentlicht – wie vor wenigen Wochen angekündigt. Das Buch «The Girl: A Life in the Shadow of Roman Polanski» (dt: Das Mädchen: Ein Leben im Schatten Roman Polanskis) steht ab Dienstag in den Buchläden. In einem Interview mit einem Journalisten des Magazins «Times» spricht die Amerikanerin über den verhängnisvollen Abend.

«Vier oder fünf Gläsern Champagner» - und eine Schlaftablette

Demnach soll Geimer, die damals noch ihren Mädchennamen Gailey trug, von Polanski in einem gemieteten Mercedes abgeholt und zu Jack Nicholsons Anwesen am Mulholland Drive chauffiert worden sein – dem Mulholland Drive, der einem Film von David Lynch im Jahr 2001 den Titel lieh. Polanski wollte das Mädchen ablichten, für ein französisches Magazin, wie er ihr sagte. Nach «vier oder fünf Gläsern Champagner» machte er dieses Versprechen zunächst auch wahr. Dann jedoch soll er ihr befohlen haben, sich auszuziehen, und über das Mädchen hergefallen sein. Zuvor hatte er ihr noch eine Schlaftablette verabreicht.

Für Geimer ist klar: «Es war eine Vergewaltigung. Ich war 13. Ich hatte Nein gesagt.» Doch die Tat an sich sei nicht das Schlimmste gewesen. Viel schlimmer nämlich wogen die Folgen des Übergriffs. In einer Vorabrezension auf das Buch bei «The Daily Beast» steht der beängstigende Satz: Hätte sie die Wahl, noch einmal die Vergewaltigung über sich ergehen lassen zu müssen oder die Befragung von 23 fremden Personen – sie hätte sich für die Vergewaltigung entschieden.

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