Bär im Kanton Bern: «Hätte nichts dagegen, wenn man ihn erschiesst»

Aktualisiert

Bär im Kanton Bern«Hätte nichts dagegen, wenn man ihn erschiesst»

Im Kanton Bern wurde der erste Bär seit über 190 Jahren gesichtet und fotografiert. 20 Minuten war im Dorf Eriz – dort sind die Meinungen gespalten.

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ct / sul / miw

Die Bären-Sichtung ist im Eriz derzeit das Thema Nummer 1.

Ein Schäfer aus Eriz im Kanton Bern hat am Freitag beim Zaunen einen Bären entdeckt. Eine Sensation für den Kanton Bern: Es ist der erste Nachweis des Wappentiers seit 190 Jahren.

20 Minuten war im Dorf, wo das männliche Tier gesichtet wurde. «Die Sichtung war ein besonderes Erlebnis für meinen Mann», sagt die Ehefrau des Schäfers. «Angst hatte er keine. Er ist vor allem froh, dass er den Bären fotografieren konnte, sonst hätte ihm keiner geglaubt.» Sie wisse nicht, ob vielleicht auch schon andere Bären in diesen 190 Jahren mal da waren, aber halt einfach unentdeckt geblieben seien.

Freude bis Angst

Im Dorf hat sich das Ereignis schnell herumgesprochen. Dort gehen die Meinungen von Wohlwollen bis Angst weit auseinander.

Die einen sind der Ansicht, der Bär sei ohnehin schon längst über alle Berge. «Und selbst wenn nicht, der Bär ist doch kein Problem, er isst ja nur Beeren und Pflanzen», sagt eine Einheimische.

Andere befürchten das Schlimmste und sind besorgt um ihre eigene Sicherheit und um die der Nutztiere. Ein älterer Bauer des Dorfs sagt zu 20 Minuten: «Ich würde am liebsten zur Waffe greifen.» Auch Berufskollege Werner Eicher, der selber Schafe hat, meint: «Das Timing ist sichtlich schlecht, denn in zehn Tagen gehe ich mit den Schafen in Richtung Sichel, wo der Bär gesichtet wurde. Ich hätte nichts dagegen, wenn man auf ihn schiesst.»

Aber obwohl der Bär ein stattliches Tier ist, habe er vor einer Direktbegegnung keine Angst. «Ich habe mehr Respekt vor Luchsen oder Wölfen.»

Bärenpark 1

Wohl derselbe Bär wie in Uri

Niklaus Blatter, Jagdinspektor des Kantons Bern, glaubt, dass es sich um denselben Bären handelt, der letztes Jahr in den Kantonen Uri und Schwyz gesichtet wurde. «Es ist wahrscheinlich, dass es der Bär aus dem Kanton Uri ist, aber nicht belegt. Denn im Kanton Uri hatten sie keine brauchbaren DNA-Spuren gefunden, genauso wenig wie wir, obwohl wir gesucht hatten.» Er müsse zwar spekulieren, hält es aber für eher unwahrscheinlich, dass gleich zwei Bären so unauffällig in der Schweiz unterwegs sind. «Aber ausgeschlossen ist auch das nicht.»

Wo der Bär nun ist, könne man nicht sagen. «Diese Tiere können Dutzende Kilometer zurücklegen pro Tag, wenn es sein muss. Der kann irgendwo sein.»

Beim Bären aus der Innerschweiz dachte man zuerst, er hätte sich nun dort ein wenig niedergelassen, «aber nun scheint er doch unterwegs zu sein», sagt Blatter. Er suche sich vielleicht ein Weibchen und wenn er keines findet, ziehe der Bär weiter. «Er wird aber höchstwahrscheinlich stark zivilisierte Gebiete meiden, im Grossraum Thun oder im Mittelland wird man ihn wahrscheinlich nicht antreffen». Dort hätte es auch zu viele Hindernisse, etwa die Autobahnen. «Der Verkehr ist ohnehin die grösste Gefahr für ihn. Und ich hoffe sehr, dass er seine Scheu, die er offenbar hat, nicht ablegen wird.»

Welches Schicksal einen Risikobären in der Schweiz ereilt, wenn er dem Siedlungsgebiet zu oft zu nahe kommt, hat man bei M13 und JJ3 gesehen: Beide wurden geschossen.

Verhaltenstipps in der Nähe von Bären

1. Den offiziellen Wanderweg nicht verlassen.

2. Bei der Annahme, dass sich ein Bär in der Nähe befindet, etwa wenn man Bärenspuren sieht, kann durch Reden und Singen auf sich aufmerksam gemacht werden. Meist zieht sich der Bär dann zurück.

3. Kommt es trotzdem zu einer Begegnung mit dem Bär, gilt es Ruhe zu bewahren.

4. Niemals auf den Bären zugehen, allenfalls den ruhigen und geordneten Rückzug ohne Panik antreten.

5. Keine hektischen oder unüberlegten Bewegungen, diese reizen den Bären.

6. Richtet sich der Bär auf, so tut er das meist nur, um die Situation einzuschätzen. Dadurch sollte niemand verunsichert werden. Der direkte Augenkontakt zum Bären ist zu umgehen.

7. Greift der Bär an, so ist sich flach und regungslos auf den Boden zu legen und den Nacken mit den Händen zu schützen. Abwarten bis sich der Bär entfernt hat.

8. Damit der Bär den Menschen nicht als Nahrungsmittellieferanten sieht, sollten keine Essensreste im Wald hinterlassen werden

(Quelle: www.nationalpark.ch)

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