Aktualisiert 22.06.2011 07:42

U21-EM in Dänemark

«Hätten lieber gegen England gespielt»

In der EM-Quali hatte Frank Feltscher elf von zwölf Spielen bestritten. An der Endrunde ist er nur noch Ersatzmann. Trotzdem versucht der 23-Jährige positiv zu bleiben.

von
Sandro Compagno, Dänemark

Nein, das Wort «Frust» will Frank Feltscher nicht lesen: «Das ist etwas zu stark. Aber ich leide schon ein wenig.» Dreimal hatte Pierluigi Tami den Mittelfeldspieler in den drei Gruppenspielen zum Aufwärmen geschickt, zweimal musste er danach unverrichteter Dinge wieder auf der Bank Platz nehmen.

Erst im dritten Anlauf, gegen die Weissrussen, durfte Feltscher für Innocent Emeghara ran und schoss sich mit dem 3:0 in der Nachspielzeit wenn schon nicht den Frust, so doch die ganze Enttäuschung über eine aus persönlicher Sicht unbefriedigende Endrunde von der Seele.

Teamgeist und Zusammengehörigkeitsgefühl

Dass die Teamkollegen alle zu ihm geeilt waren, um das (absolut bedeutungslose) Tor zu feiern, wertet Feltscher «als schönes Zeichen der Mannschaft». Der Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl, kombiniert mit der individuellen Klasse der Spieler, sei das Geheimnis dieser Gruppe, erklärt Feltscher, der nach Goalie Yann Sommer der an Spielen erfahrenste U21-Internationale ist. 24-mal trug er auf höchster Juniorenstufe das Leibchen mit dem weissen Kreuz auf rotem Grund und sagt: «Schon die letzte U21 war stark. Aber diese hier hat wohl noch etwas mehr Qualität.»

Genügend Qualität jedenfalls, um die Vorrunde ohne Gegentor und Punktverlust zu überstehen. Die Tschechische Republik als Halbfinal-Gegner ist nicht das, was sich die Schweizer gewünscht haben. Einerseits wären sie bereits fix für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert gewesen, hätten sich auch die Rumpelfüssler aus England für den Halbfinal qualifiziert. Pierluigi Tami: «Ja, ich war nach dem 2:1-Sieg der Tschechen gegen England ein bisschen enttäuscht. Aber schon eine Minute später war ich noch stärker motiviert für das nächste Spiel.» Und andererseits wissen sie auch um die Qualitäten der Tschechen. Feltscher: «Wir hätten lieber gegen England gespielt. Die Tschechen sind sehr stark, sehr unberechenbar.»

Ziel vor Augen

Über die masslos enttäuschende Auswahl aus dem Mutterland des Fussballs kann Feltscher nur den Kopf schütteln: «Irgendetwas in dieser Mannschaft hat nicht gestimmt. Die müssten viel besser sein.» Während die aberwitzig teuren kommenden Superstars wie Jordan Henderson (für 20 Mio. Pfund von Sunderland zu Liverpool) oder Phil Jones (für 17 Mio. von Blackburn zu Man United) bereits wieder zu Hause auf der Insel sind, wollen Feltscher und Co. «Ehre einlegen für uns und für die ganze Schweiz». Von erhöhtem Druck will der 23-Jährige nichts wissen: «Wir sehen jetzt das Ziel vor Augen. Aber wir wissen, was wir können.»

Ob er selber am Mittwochabend in Herning in der Startelf steht, ist höchst fraglich. Feltscher hat seinen Platz im rechten Mittelfeld an den pfeilschnellen Innocent Emeghara verloren: «Was soll ich machen? Ich kann nur versuchen, positiv zu bleiben und mich von der Positivität in dieser Mannschaft anstecken zu lassen.»

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