Stellwerktest-Trick: «Hätten wir es schlauer gemacht, wären wir nicht aufgeflogen»
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Stellwerktest-Trick«Hätten wir es schlauer gemacht, wären wir nicht aufgeflogen»

Nachdem mehrere Schüler in Buttikon einen Stellwerktest überlisteten, muss die Klasse den Test wiederholen. 20 Minuten konnte mit einem betroffenen Schüler sprechen. 

von
Chantal Gisler
Monira Djurdjevic
Seline Bietenhard
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Schüler und Schülerinnen einer Oberstufenklasse in Buttikon SZ haben bei einem Stellwerktest geschummelt. 

Schüler und Schülerinnen einer Oberstufenklasse in Buttikon SZ haben bei einem Stellwerktest geschummelt. 

20min/chg
Der Trick: Mit einer Tastenkombination erzielten rund fünf Schüler und Schülerinnen einer zweiten Oberstufenklasse teilweise die höchste Punktzahl.

Der Trick: Mit einer Tastenkombination erzielten rund fünf Schüler und Schülerinnen einer zweiten Oberstufenklasse teilweise die höchste Punktzahl.

www.stellwerk.ch

Darum gehts

Aufgrund einer Schwachstelle im System konnten mehrere Sek-Schüler und -Schülerinnen in Buttikon SZ den Stellwerktest überlisten (20 Minuten berichtete). Der Trick: Mit einer Tastenkombination erzielten laut einer Quelle rund fünf Schüler und Schülerinnen einer zweiten Oberstufenklasse teilweise die höchste Punktzahl. 20 Minuten konnte mit den betroffenen Jugendlichen sprechen. «Der Trick ist ganz einfach. Man muss nur die Tasten Control, Shift und C gleichzeitig drücken, dann kommt der Quellcode. Beim Quellcode kann man dann mit einem Klick die Lösung sehen», erzählt der 14-Jährige. Er selbst habe den Trick angewendet und so die höchste Punktzahl erreicht. Die Anleitung dazu hätten er und seine Freunde per Whatsapp von einem Kollegen aus dem Kanton Zürich erhalten. 

Der Teenager gibt zu: «Wir haben es nicht ganz so schlau gemacht. Hätten wir nicht bei allen Fragen die richtige Lösung eingetippt und so die höchste Punktzahl erreicht, wären wir nicht aufgeflogen.» Dass sie nun den Test wiederholen müssen, findet der Teenager aber in Ordnung. «Es ist ja auch nicht fair unseren Schulkollegen und -kolleginnen gegenüber, die den Trick nicht kannten», so der 14-Jährige. Zumal der Stellwerktest bei der Lehrstellensuche wichtig sei. «Den Stellwerktest legt man den Bewerbungen bei, damit der Lehrmeister oder Lehrmeisterin sieht, was man kann. Umso höher die Punktzahl, desto grösser sind die Chancen, dass man die Lehrstelle bekommt. Deshalb ist der Test für uns Schüler und Schülerinnen auch so wichtig», sagt der Teenager. 

Lehrer werden dazu aufgerufen, verdächtige Resultate zu melden

Der St. Galler Lehrmittelverlag hat als Testanbieter unverzüglich reagiert, die Schwachstelle lokalisiert und sie behoben, wie es in einer Mitteilung am Montag heisst. Es sei kein aktives Hacken seitens der Schüler und Schülerinnen gewesen. Die Lehrpersonen werden dazu aufgerufen, verdächtige Testresultate dem Amt für Volksschule zu melden. Stellt sich heraus, dass die Schülerin oder der Schüler den Trick angewendet hat, muss der Test wiederholt werden. «Momentan gehen wir von Einzelfällen aus, weshalb der Test nicht flächendeckend wiederholt wird», sagt Christian Grob, Geschäftsführer beim Lehrmittelverband St. Gallen. Anders wäre es, wenn eine Anleitung auf den sozialen Medien verbreitet worden wäre. Dann müsste der Lehrmittelverlag die Stellwerktests als ungültig erklären.

«Der Stellwerktest ist nicht die gleiche Beurteilung eines Schülers, wie das differenzierte Schulzeugnis», sagt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Lehrerinnen- und Lehrerverbands Schweiz (LCH). Es sei eher eine Momentaufnahme, habe aber trotzdem eine gewisse Bedeutung im Zusammenhang mit der Lehrstellensuche. Das Testergebnis könne als Zusatzinformation zum Zeugnis dienen. «Für alle, die ehrlich gearbeitet haben, ist es eine mühsame Situation. Diese Schüler und Schülerinnen wollen den Test sicher nicht wiederholen.» Es sei jedoch wichtig und richtig, dass die Schüler und Schülerinnen, die getrickst haben, dazu stehen, auch wenn sie die digitale Panne ja nicht zu verantworten haben. «Die Veranstalter des Tests müssen wohl genau hinschauen, wo ungewöhnlich hohe Resultate erzielt wurden», so Peterhans. 

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