«Eine grosse Belastung» – Berner Polizisten sind wegen Corona-Demos im Dauerstress
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«Eine grosse Belastung»Berner Polizisten sind wegen Corona-Demos im Dauerstress

Wegen der Corona-Demos steht die Berner Kantonspolizei derzeit jeden Donnerstag mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Das hat Folgen für die polizeilichen Kernaufgaben.

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Viel Arbeit für die Polizei: Massnahmengegnerinnen und -gegner in Bern.

Viel Arbeit für die Polizei: Massnahmengegnerinnen und -gegner in Bern.

Franziska Rothenbuehler
Derzeit finden in Bern jeden Donnerstag Kundgebungen statt.

Derzeit finden in Bern jeden Donnerstag Kundgebungen statt.

Franziska Rothenbuehler
Die Folgen sind beispielsweise Wachenschliessungen und Freisperren für die Mitarbeitenden der Kapo. 

Die Folgen sind beispielsweise Wachenschliessungen und Freisperren für die Mitarbeitenden der Kapo.

Franziska Rothenbuehler

Darum gehts

  • Die allwöchentlichen Demos der Massnahmengegnerinnen und -gegner bringen für die Kapo Bern eine erhebliche Mehrbelastung mit sich.

  • Die Folgen sind beispielsweise Wachenschliessungen und Freisperren.

  • Der Grundauftrag sei indes nach wie vor gewährleistet, heisst es bei der Kapo.

Abermals marschierten Massnahmengegnerinnen und -gegner am vergangenen Donnerstag durch die Berner Innenstadt. Weil sie wiederholt Polizeisperren missachteten, setzte die Polizei Gummischrot und einen Wasserwerfer ein. Gegen 80 Wegweisungen wurden ausgesprochen, vier Personen müssen mit einer Anzeige rechnen. Die wöchentlichen Demonstrationen seien «eine grosse Belastung – auch für ein grosses Polizeikorps, wie jenes der Kantonspolizei Bern», erklärte Adrian Wüthrich, Präsident der kantonalen Polizeigewerkschaft, gegenüber SRF.

Die Mehrbelastung wirkt sich unter anderem auf die Kernaufgaben der Kapo aus. So bleiben die Polizeiwachen an den Donnerstagen derzeit geschlossen, damit möglichst viele Einsatzkräfte für die Demos mobilisiert werden können. Lediglich auf fünf Polizeiwachen können an diesem Tag Anzeigen entgegengenommen werden, sagt Polizeisprecherin Isabelle Wüthrich zu 20 Minuten: «Dadurch kann es bei den geöffneten Anzeigenbüros kurzzeitig zu einer höheren Arbeitsbelastung kommen.» Zur Bewältigung des Mehraufwandes wurden bei der Kantonspolizei zudem Freisperren verhängt. Aber: «Bereits bewilligte Ferien können aktuell bezogen werden und es müssen auch nicht Mitarbeitende aus den Ferien zurückkommen.»

«Häufigkeit und Dauer dieser Phase aussergewöhnlich»

Wüthrich betont, dass die Kantonspolizei ihren Grundauftrag nach wie vor gewährleisten könne und weder die polizeiliche Grundversorgung, sprich die polizeiliche Präsenz im ganzen Kantonsgebiet, noch sonstige Leistungen einschränken müsse. «Im Kanton sind nicht weniger Polizistinnen und Polizisten im Dienst als sonst.» Mit der Mehrbelastung würden die Mitarbeitenden professionell umgehen; es gehöre zum Polizeiberuf, dass es vorübergehende Belastungsspitzen gab und gibt. «Dies ist für uns an sich nichts Neues. Aussergewöhnlich an der momentanen Situation ist allerdings die Häufigkeit und Dauer dieser Phase.» Zur Zahl der angefallenen Überstunden kann die Kapo derzeit keine Aussagen machen.

In kleineren Kantonen hielt sich der Mehraufwand dagegen in Grenzen. Die Kapo Solothurn etwa war Ende letzten Mai mit einem Grossaufgebot in der Solothurner Innenstadt präsent, um eine Demonstration von Massnahmengegnerinnen und -gegnern zu verhindern. Dieser Einsatz habe zwar einige Überstunden generiert, die es noch abzubauen gelte, räumt Mediensprecher Bruno Gribi ein. Von weiteren ressourcenverschlingenden Kundgebungen sei man aber verschont geblieben: «Wir hatten relativ wenig Einschränkungen. Die Grundversorgung war stets gewährleistet.»

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(sul)

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