Aktualisiert

Drei VermissteHäuser vom See verschluckt

Die Szene könnte aus einem Horror-Film sein. Im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt sind heute Morgen zwei Häuser bei einem Erdrutsch in einem See verschwunden. Drei der vier Bewohner werden vermisst.

von
rub

«Als ich das gesehen habe, hatte ich schon ein komisches Gefühl, schliesslich war ich recht oft auf der Aussichtsplattform, welche dort verschwunden ist», erzählt Leser-Reporter André Schäfer gegenüber 20 Minuten Online. Er ist in einem Nachbarort von Nachterstedt, wo sich das Unglück ereignet hatte, aufgewachsen und kennt noch viele Nachterstädter mit denen er zur Schule ging.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Bewohner der Häuser, die im See verschunden sind, während des Einsturzes schliefen und ums Leben kamen. Sie wohnten in dem Doppelhaus, das am frühen Donnerstagmorgen völlig in den Fluten versank. Die linke Hälfte eines weiteren Doppelhauses verschwand ebenfalls im Erdreich. Dessen Bewohner hatten Glück: Das Ehepaar befindet sich auf Reisen, wie die Sprecherin des Kreises, Ursula Rothe, mitteilte.

Um 05.40 Uhr wurde die Polizei von einem Anwohner informiert, dass in Nachterstedt Land abgerutscht sei. Weggesackt ist nach Angaben Rothes ein Landstück von 350 Meter Länge und 120 Meter Breite. Eine ganze Strasse versank in den angrenzenden Concordiasee. Der See entstand durch die Flutung eines alten Tagebaulochs. Er ist inzwischen bis zu 30 Meter tief.

Wegen der anhaltenden Gefahr weiterer Erdrutsche wurden 64 Anwohner in Sicherheit gebracht und das Gebiet weiträumig abgesperrt. Vier Freiwillige Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, ein Sanitätszug und die Wasserschutzpolizei sind im Einsatz.

Renaturierter Braunkohle-Tagebau

«Der Concordiasee ist ein Versuch der Renaturierung eines ehemaligen Braunkohle-Tagebaus aus der ehemaligen DDR», erklärt Leser-Reporter Schäfer. Bis etwa 1992 sei hier noch Braunkohle gefördert worden. Seit dem werde versucht, die frühere «Mondlandschaft» in ein Naherholungsgebiet zu verwandel. Über die letzten knapp 20 Jahre seien Uferböschungen stabilisiert und das Restloch geflutet worden.

Etwa seit dem Jahr 2000 könne man im See schwimmen und Wassersport treiben. Bis dahin sei das Betreten eines Teils des näheren Seegebietes untersagt gewesen, aufgrund der Gefahr von Erdrutschen der noch nicht endgültig befestigten Uferböschungen. Das Gebiet, welches nun angerutscht ist, zähle allerdings nicht zu diesen Bereichen. Leser-Reporter Schäfer glaubt, dass in dem abgerutschten Gebiet zum Teil auch Untertage Braunkohle gefördert wurde, und nun womöglich ein Schacht eingebrochen sein könnte. (rub/dapd)

So werden Sie Leser-Reporter:

MMS mit dem Stichwort REPORTER und Ihrem Text an die Nummer 2020, Orange-Kunden an die Nummer 079 375 87 39 (70 Rappen pro MMS). Oder mailen Sie es an .

Auch via iPhone und Web-Upload können Sie die Beiträge schicken. Wie es geht, erfahren Sie .

Für einen Abdruck in der Zeitung erhalten Sie bis zu 100 CHF.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.