Aktualisiert 05.03.2004 10:04

Häusliche Gewalt: Jedes Jahr sterben in der Schweiz 40 Frauen

Amnesty International (AI) sagt der Gewalt gegen Frauen mit einer weltweiten Kampagne den Kampf an. Frauen müssten geschützt, Straftaten konsequent verfolgt und Täter bestraft werden.

Für AI-Generalsekretärin Irene Khan ist Gewalt gegen Frauen einer der grössten Menschenrechtsskandale unserer Zeit.

Allein in der Schweiz sterben jedes Jahr 40 Frauen an den Folgen von häuslicher Gewalt, wie AI am Freitag zum Start der Kampagne in Bern bekannt gab. Mehr als jede dritte Frau erfahre in ihrem Leben Gewalt, weil sie eine Frau sei und weil Männer damit Machtverhältnisse erhalten wollten. Geschlechtsspezifische Gewalt sei bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren weltweit die häufigste Todesursache. Schätzungsweise zwei Millionen Mädchen würden zudem jedes Jahr weltweit an den Genitalien verstümmelt. In den USA würden jedes Jahr 700.000 Frauen vergewaltigt oder erlitten andere Formen sexueller Gewalt.

Gewalt gegen Frauen ist laut Amnesty die alltäglichste Menschenrechtsverletzung überhaupt. Frauenrechten müsse deshalb endlich Geltung als Menschenrechte verschafft werden. AI will sich deshalb in den nächsten Jahren insbesondere in den Bereichen Gewalt gegen Frauen im Krieg und in Nachkriegssituationen sowie im Bereich der häuslichen Gewalt engagieren.

In der Schweiz haben sich über 50 Persönlichkeiten aus Politik Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft zum Auftakt der Kampagne bereit erklärt, gemeinsam mit Amnesty alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um diesem Menschenrechtsskandal ein Ende zu setzen. Dazu gehören etwa Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss, SRG-Generaldirektor Armin Walpen, die Videokünstlerin Pipilotti Rist, der Schriftsteller Franz Hohler oder der Unternehmer Andreas Reinhart.

Mit ihrer Kampagne wolle AI den von Frauenbewegungen seit Jahrzehnten geführten Kampf gegen Gewalt an Frauen unterstützen, sagte Stella Jegher, Koordinatorin der Kampagne in der Schweiz. «Wir wollen dem Tabu und der Straflosigkeit der Gewalt gegen Frauen ein Ende setzen. Wir wollen, dass Frauen geschützt, Straftaten konsequent verfolgt und die Täter bestraft werden», sagte Jegher.

Nach den Worten von Marie-Claude Hofner, Forschungsbeauftragte am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne, ist Gewalt gegen Frauen auch ein gesundheitspolitisches Problem. Eine Studie der Universität Freiburg aus den 90-er Jahren bezifferte die direkten Kosten der Gewalt für das Gesundheitswesen auf 133 Millionen Franken pro Jahr. Dazu kämen die Kosten der Interventionen von Polizei und Justiz, die auf weitere 187 Millionen Franken geschätzt würden, sowie Kosten für die soziale Unterstützung von rund 72 Millionen Franken.

(dapd)

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