Fall Nef: Hafner: «Musste annehmen, dass etwas unter den Tisch geschaufelt wurde»
Aktualisiert

Fall NefHafner: «Musste annehmen, dass etwas unter den Tisch geschaufelt wurde»

Fahnder Fredi Hafner steht heute wegen Amtsgeheimnisverletzung vor dem Bezirksgericht Zürich. Er soll die entscheidende Quelle gewesen sein, die schliesslich Armeechef Roland Nef den Kopf kostete. 20 Minuten Online berichtet laufend vom Prozess.

Staatsanwältin Judith Vogel forderte vom Bezirksgericht Zürich einen Schuldspruch sowie eine Busse und bedingte Geldstrafe. Der Verteidiger von Fredi Hafner verlangt einen Freispruch. Das Urteil steht noch aus. Es wird den Parteien später schriftlich zugestellt.

Dokumente kopiert

Der Datenverantwortliche der Stadtpolizei Zürich trat vor Gericht als Zeuge auf. Er bestätigte, dass Fredi Hafner Zugriff auf die Datenbank Polis und damit die vertraulichen Nef-Dokumente gehabt habe. Und Hafner habe sich auch Zugriff auf die Dokumente verschafft, was auf Grund des Passwortes zu beweisen ist.

Der Angeschuldigte bestritt den Zugriff auch nicht. Er bestreitet jedoch, die Dokumente an die Journalisten der «SonntagsZeitung» weitergegeben zu haben. Vielmehr sei der Fall Nef bereits im Frühling 2008 polizeiintern diskutiert worden, sagte Hafner. Er wollte sich über den Fall informieren, weshalb er sich die Dokumente beschaffte. «Man musste annehmen, dass etwas unter den Tisch geschaufelt wurde», sagte Hafner. So seien gewisse Daten plötzlich nicht mehr zugänglich gewesen. Auch sei eines der Dokumente plötzlich von seinem Pult verschwunden. Er habe deshalb eine weitere Kopie der Unterlagen gemacht.

Der Angeklagte bestritt auch nicht, dass er eine Polizeibeamtin auf den Fall Nef angesprochen habe, die dessen Ex-Partnerin befragt hatte. Ebenso gab er zu, dass er sich im Juni 2008 mit dem Chefredaktor und einem weiteren Journalisten der «SonntagsZeitung» in Adliswil getroffen habe. Die beiden hätten sich aber über Hausdurchsuchungen im Allgemeinen unterhalten, sagte der Polizist.

Hafner ist nach wie vor in Amt und Würden. Unklar ist, was bei einer allfälligen Verurteilung passiert.

Geldstrafe und Busse verlangt

Staatsanwältin Judith Vogel forderte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 210 Franken sowie 1000 Franken Busse. Sie warf dem 57-jährigen Angeklagten vor, das Amtsgeheimnis verletzt zu haben.

Der Stadtpolizist soll gemäss der Zürcher Staatsanwaltschaft vertrauliche Polizeiakten über den damaligen Armeechef Roland Nef einem Journalisten übergeben haben. Die «SonntagsZeitung» hatte die Dokumente aus dem Polizeiinformationssystem Polis im letzten Sommer in zwei Artikeln abgedruckt und damit die «Affäre Nef» ins Rollen gebracht.

Roland Nef nicht anwesend

Am Zürcher Bezirksgericht herrschte am Mittwochmorgen wegen des Prozesses grosser Andrang. Roland Nef und seine Ex-Partnerin, die Geschädigten in dem Strafprozess, nahmen an der Hauptverhandlung vor dem Einzelrichter in Strafsachen des Zürcher Bezirksgerichts nicht teil.

Vielleicht wären sie beide noch im Amt, Roland Nef und Samuel Schmid. Doch als die «SonntagsZeitung» im vergangenen Sommer über die Details von Nefs Vergangenheit zu berichten begann, kam erst der Armeechef unter Druck und wehte schliesslich auch Bundesrat Schmid ein eisiger Gegenwind ins Gesicht. Die Folgen sind bekannt.

Heute öffnet das Bezirksgericht Zürich nun die nächste Akte im Fall Nef. Im Mittelpunkt des Interesses steht der Zürcher Polizist Fredi Hafner. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Amtsgeheimnisverletzung vor. Hafner, bekannt auch als «Schimanski von Zürich», soll der «SonntagsZeitung» die vertraulichen Dokumente weitergegeben haben, die den Fall erst ins Rollen brachten.

Freispruch erwartet

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist allerdings vage formuliert. Besonders die Frage, wann Hafner die Dokumente den Journalisten übergeben haben soll, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft schreibt in der Anklageschrift von einem «nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkt» zwischen dem 16. April und 26. Juni an einem unbekannten Ort.

Gerichtsbeobachter gehen davon aus, dass mit einem Freispruch für Hafner zu rechnen ist. Auch Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch äusserte sich in einem Beitrag in der Weltwoche dahingehend: «Der angeklagte Polizist hat gute Aussichten auf einen Freispruch.»

20 Minuten Online ist bei der Verhandlung vor Ort und berichtet laufend über den neuesten Stand.

(meg/sda)

Deine Meinung