Häufige Unwetter: Hagelschäden bald nur noch teilweise gedeckt

Aktualisiert

Häufige UnwetterHagelschäden bald nur noch teilweise gedeckt

Hagelstürmen werden heftiger, und die Schadenkosten steigen ständig. Deshalb wollen Versicherer künftig nicht mehr alle Hagelschäden an Gebäuden bezahlen.

von
Elisabeth Rizzi

Mindestens 60 Millionen Franken kosten die Hagelschäden der letzten Wochen in der Schweiz. Und die weissen Körner dürften auch in Zukunft für astronomische Schäden sorgen.

Bei Axa Winterthur meint Sprecherin Nicole Horbelt, es gäbe zwar heute nicht mehr Hagelfälle als früher. Jedoch würden Ereignisse von 1000 und mehr Schäden an Autos beispielsweise schneller erreicht, weil der versicherte Fahrzeugbestand in den letzten Jahren stark gewachsen sei.

Eindrücklich zeigt sich das bei Vaudoise. Der Versicherer hat die Entwicklung der Hagelschaden-Kosten bei Fahrzeugen seit dem Jahr 2000 registriert. Obwohl sich die Jahre mit vielen und jene mit weniger Hagelschäden abwechseln, zeigen die durchschnittlichen Kosten klar nach oben. Und: Vor allem die Jahre mit hohen Kosten häufen sich.

Gewitter Hagel Gränichen AG 13.Juli 01:10 Uhr

Zwanzig mal höhere Schäden

Aber auch der Klimawandel schlägt sich direkt in den wachsenden Schadenskosten nieder. «Wetterbedingte Versicherungsschäden sind in den vergangen 30 Jahren weltweit um das zwanzigfache angestiegen», sagt Bernd De Wall, Sprecher bei Allianz Suisse. Auffällig an den letzten Hagelzügen seien vor allem die Grösse der Hagelkörner und die enormen Wassermassen gewesen.

Helvetia-Sprecher Urban Henzirohs beobachtet ebenfalls stetig steigende Kosten durch Hagelschäden. Er gibt den im Zuge des Klimawandels «zunehmend kompakteren, spitzigeren und schwereren Hagelkörnern» die Schuld. Diese Geschosse gepaart mit einer höheren Wertkonzentration — wie wertvolleren Gebäuden, verdichtetem Bauen und moderner Fassadengestaltung mit vorgehängtem Glas und filigranen Storen — bereiten den Versicherern zunehmend Sorgen.

Vorschriften statt Empfehlungen

Die Gebäudeversicherer schauen der Entwicklung aber nicht tatenlos zu. Im Hagelregister listen sie bereits heute Materialien und Produkte auf, die unterschiedlich starker Hagelbelastung standhalten. «Im Kanton Zürich werden jedoch bezüglich Hagelwiderstand bis anhin nur Empfehlungen abgegeben», sagt Heinz Fröhlich, stellvertretender Leiter Versicherung bei der Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ).

Immer mehr Hersteller würden jedoch ihre Produkte den von den Gebäudeversicherungen in der Schweiz bezahlten Tests unterziehen. Sobald die Palette an erwiesenermassen hagelsicheren Produkten genug gross sei, wolle man dazu übergehen, Schäden an ungenügenden Materialien explizit nicht mehr zu versichern, so Fröhlich.

Von einem Ausschluss könnten etwa Lamellenstoren betroffen sein. In Zürich dürften die neuen Regelungen etwa in zwei bis drei Jahren eingeführt werden. Laut der GVZ dürften dann bei diversen Materialien Schäden durch Hagelkörnern von bis zu drei Zentimeter nicht mehr gedeckt sein. Die Regelung würde Neubauten und Renovationen betreffen. Die Entwicklung in Zürich ist exemplarisch für das, was der ganzen Schweiz bevorsteht, denn die Gebäudeversicherer der verschiedenen Kantone koordinieren ihre Arbeit miteinander.

Hagelalarm

Heutzutage gibt es keine Ausrede mehr, wenn man von Unwettern überrascht wird. Baloise etwa hat ein iPhone-App entwickelt, das unter anderem ortsspezifisch vor Unwettern und Hagelschäden warnt. Und die Mobiliar bedient gemeinsam mit der kantonalen Gebäudeversicherung und SF Meteo selbst Nicht-Smartphonebesitzer. Mit einem einfachen SMS kann der Alarm angefordert werden. Seit November 2006 ist die Zahl der Mobiliar-SMS-Abonennten von 7608 auf 213 915 Benutzer angewachsen.

Was soll man aber Tun nach Erhalt eines solchen Alarms? «Wir empfehlen, dass man das Auto wenn möglich in eine Garage stellen sollte. Zudem sollten Sonnenstoren eingefahren, Fenster geschlossen und Rolläden nicht heruntergedreht werden. Dies, weil Fenster normalerweise mehr aushalten als Storen», so Mobiliar-Sprecher Manuel Interbitzin. Zudem sollten Erinnerungsstücke mit emotionalem Wert (Fotoalben etc.) nicht in Fussbodennähe im Keller aufbewahrt werden.

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