Erste Schätzungen : Hagelschäden kosten bereits über 60 Millionen
Aktualisiert

Erste Schätzungen Hagelschäden kosten bereits über 60 Millionen

Zum dritten Mal im Juli zog ein heftiges Gewitter über die Schweiz. Hagelkörner so gross wie Murmeln zerbeulten Autos und zerschlugen Fassaden. Die Schadensumme steigt täglich.

von
Amir Mustedanagic

Es ist ein ungemütlicher Morgen für die Versicherungen. In der Nacht auf Mittwoch zog eine heftige Gewitterfront vom Jura in die Ostschweiz. Vielerorts donnerten dabei Hagelkörner so gross wie Murmeln herunter. Autos und Hausfassaden wurden zerbeult, Fenster zerschlagen, wie Leser-Bilder zeigen. Die Telefondrähte dürften bei den Versicherungen entsprechend heiss laufen – zum dritten Mal bereits in diesem Sommer.

Die Zerstörungen der ersten beiden heftigen Hagelzüge vom 7. und 10. Juli waren noch nicht aufgenommen und bereits suchte ein weiteres Unwetter die Schweiz heim. Der geschätzte Schaden vor dem Hagelzug in der Nacht vom 12. Juli bei National Suisse, Mobiliar und Axa-Winterthur betragen bereits über 60 Millionen Franken. Die Zürich rechnete alleine bei den Autos mit über 4000 Schadensmeldungen und sie verzeichnet bisher «ungewöhnlich viele schwere Schäden», sagt Sprecher Adriano Pavone. Sollten die Kosten der Schäden bei der Zürich nur im Rahmen der anderen Versicherungen liegen, muss mit einem zusätzlichen Betrag von über 15 Millionen Franken gerechnet werden.

Viele Gebäudeschäden registriert

Weniger Schäden, dafür teurere gab es während der Hagelzüge an den Hausfassaden. Die Axa-Winterthur registrierte bisher rund 590 Schadensmeldungen an Gebäuden und Hausrat. Die Kosten schätzt die Versicherung dabei auf rund neun Millionen Franken. Im Durchschnitt liegen die Schäden höher als im vergangenen Sommer beim schweren Hagelzug über Einsiedeln, sagt Sprecherin Nicole Horbelt. Die Erklärung dafür sei, dass der Hagelzug am 7. Juli über Zug, Pfäffikon SZ, Wollerau, Schindellegi, Wilen, Feusisberg, Hurden oder auch Richterswil zog und dabei viele Villen traf. Eine ähnliche Bilanz zieht auch die Mobiliar Versicherung. Sie verzeichnete bis dato fast so viele Schadensfälle bei Gebäude- und Sachversicherungen wie im gesamten Jahr 2010.

Schäden aus der Landwirtschaft noch nicht bilanziert

Noch immer laufen die Telefone aber heiss wegen der Schäden vom 7. Juli und 10. Juli, wie es unisono heisst. Viele Geschädigte seien in den Ferien, andere seien noch am Aufräumen, so dass mit weiteren Schadenmeldungen gerechnet werden müsse. «Die Umweltereignisse der vergangenen Tage sind erheblich im Vergleich zum gesamten Schadenjahr 2010», zog National-Suisse-Sprecherin Christina Hartmann eine Zwischenbilanz gegenüber 20 Minuten Online – noch vor dem Hagelzug vom 12. Juli. Angesichts der erneuten Hagelschauer dürfte am Ende des Sommers bei allen Versicherungen die Bilanz negativ ausfallen.

Die Schäden in der Landwirtschaft sind bei den bisherigen Hochrechnungen noch nicht eingerechnet. Schweizer Hagel konnte bisher weder eine Zwischenbilanz noch eine geschätzte Zahl der Schäden bekanntgeben. Die Versicherung schrieb Anfang Woche, man habe im Moment alle Hände voll zu tun mit der Aufnahme der bisherigen Schäden.

Bisherige Bilanz der Versicherungen

Mobiliar: Die Mobiliar hat bisher 3400 Schäden registriert, die geschätzten Kosten betragen 22 Millionen Franken. 2100 Schäden entfallen davon auf die Autoversicherung (9 Millionen Franken). 1300 Schäden betreffen Gebäude-, Sach- und Betriebsunterbruchsversicherungen (13 Millionen Franken).

Axa-Winterthur (nur Ereignis vom 7.7.): 2 500 Schadenfälle; Schadenhöhe von 17 Millionen Franken. Davon circa 1 900 Motorfahrzeugschäden mit rund 8 Millionen und circa 590 Sachschäden (Gebäude, Hausrat) mit rund 9 Millionen.

National Suisse: Schadenhöhe beträgt ohne 12. Juli geschätzte rund 5.5 Millionenfranken. Rund die Hälfte entfällt davon auf die Sachversicherung. Zum Vergleich: 2010 betrug der Bruttoaufwand für Schäden 7,4 Millionen Franken.

Zürich Versicherung: Schadenhöhe nicht geschätzt; erwartet werden rund 4000 Schadenmeldungen.

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