Haiti: Chaos regiert
Aktualisiert

Haiti: Chaos regiert

Nach dem erzwungenen Rücktritt des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide und seiner Flucht aus dem Land am Sonntag droht die Hauptstadt Port-au-Prince im Chaos zu versinken.

Wütende Anhänger Aristides zogen mit Gewehren, Pistolen, Macheten und Knüppeln durch die Strassen. Einige feuerten auf dem Hauptplatz vor dem Nationalpalast wild in Menschenansammlungen.

Am Stadtrand gelegene Apotheken, Supermärkte und andere Geschäfte sowie eine Polizeiwache wurden geplündert. Im Nationalgefängnis und in anderen Gefängnissen im ganzen Land wurden Häftlinge befreit. Militante Gegner Aristides machten Jagd auf Anhänger des zurückgetretenen Präsidenten.

Der Oberste Richter Boniface Alexandre erklärte, er werde nunmehr die Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts übernehmen. US-Präsident George W. Bush erkannte den neuen Interimspräsidenten an und entsandte Marineinfanteristen nach Haiti, die bei der Wiederherstellung der Ordnung helfen sollen. Die Soldaten wurden noch am Sonntag in Haiti erwartet. Auch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich kündigte die Entsendung von Truppen zum Schutz der dort lebenden Franzosen an. Der Weltsicherheitsrat in New York beraumte noch für Sonntag (24.00 Uhr MEZ) eine Sitzung an, um über die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe zu beraten.

Costa Rica bot Aristide unterdessen vorübergehend Asyl an. Der haitianische Expräsident habe dies jedoch abgelehnt und wolle stattdessen nach Afrika, sagte ein Regierungsvertreter in Costa Rica am Sonntag.

(dapd)

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