Aktualisiert 26.10.2010 05:41

Epidemie

Haiti kämpft gegen die Cholera

Die Zahl der Cholera-Toten in Haiti ist auf mehr als 250 gestiegen. Hilfsorganisationen und Behörden rüsten zum Kampf gegen die Seuche. Die Hoffnung wächst, dass sie gestoppt werden kann.

Die Cholera hat in Haiti bereits 253 Todesopfer gefordert. Die Behörden in dem Karibikstaat zählten bis Sonntag 3115 Infizierte. Die Krankheit bleibe aber auf klar eingegrenzte Bereiche beschränkt, sagte Aussenministerin Marie Michèle Rey. Laut dem Generaldirektor des Gesundheitsministerium, Gabriel Thimoté, geht die Rate der Neuerkrankungen zurück.

Am Wochenende hatte die Cholera die Hauptstadt Port-au-Prince erreicht, die Anfang des Jahres von einem verheerenden Erdbeben erschüttert worden war. Auch im Südwesten der Hauptstadt seien erste Fälle aufgetaucht, sagte ein Sprecher des Kinderhilfswerks Terre des Hommes Schweiz.

Die bislang registrierten Kranken hatten sich allerdings nicht vor Ort angesteckt, sondern stammten aus dem Infektionsgebiet im Department Artibonite 80 Kilometer nördlich von Port-au-Prince.

Sorge um Flüchtlingslager

Die Gefahr, dass die Epidemie die grossen Flüchtlingslager der Erdbebenkatastrophe erreichen könnte, ist weiterhin nicht gebannt. Dort leben hunderttausende Menschen nach dem schweren Erdbeben weiter in Zelten und Notunterkünften. In diesen Camps könnte die Krankheit laut Experten wegen schlechter Hygiene und dicht beeinander lebenden Menschen zu einer Katastrophe führen, sollte sie Fuss fassen.

Noch könne die Hauptstadt sicher sein, zitierte der Fernsehsender CNN Imogen Wall, Sprecherin des Büros der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Die Betroffenen seien isoliert worden und würden behandelt. In Port-au-Prince werde daran gearbeitet, die sanitären Bedingungen zu verbessern und Quarantäne-Zonen einzurichten.

Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. «Hier leben Menschen auf engstem Raum zusammen - unter hygienischen Bedingungen, die nicht so sind, wie sie sein sollten», sagte Melanie Brooks, Sprecherin von CARE International - einer Organisation, die in Haiti arbeitet. «Die Menschen hier sind sehr anfällig für Infektionskrankheiten. Wenn das Port-au-Prince erreicht, wird befürchtet, dass es sich schnell verbreiten könnte.»

Aufklärung und Prävention

Hilfsorganisationen, die seit dem Erdbeben im Januar in dem bitterarmen Land sehr präsent sind, verteilten Tabletten für die Wasserreinigung und Seife. Augenzeugen sagten, dass es Menschen in den betroffenen Regionen an sauberem Wasser fehle. Manche bettelten auf der Strasse nach Getränken.

«Ärzte ohne Grenzen» und weitere Hilfsorganisationen bauten medizinische Einrichtungen aus, um dem Ansturm von Patienten Herr zu werden. Unklar blieb, wie die Krankheit auftauchen konnte, die in Haiti seit Jahrzehnten nicht mehr verbreitet war - zumal in einer Zeit, in der viele internationale Gesundheitsagenturen im Land sind.

Die Behörden hatten vermutet, dass nach den Regenfällen der vergangenen Wochen Latrinen überliefen und das bakterienverseuchte Wasser in den Fluss Artibonite gelangte. Der erste Cholera-Fall war am vergangenen Dienstag aufgetreten. Mit Flugblättern und Radio-Durchsagen wurden die Menschen darüber informiert, wie sie sich schützen können und welche Symptome die Krankheit hat.

Cholera ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Sie verursacht Durchfall und Erbrechen, was zu Dehydrierung und innerhalb von Stunden zum Tod führen kann. (sda)

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