Aktualisiert 16.02.2004 16:40

Haiti: Opposition will mit Militärs nichts zu tun haben

Die haitianische Opposition hat sich deutlich von der gewaltsamen Widerstandsbewegung im Norden distanziert. Grund ist die Verstärkung der Rebellen durch Militärs aus der Dominikanischen Republik.

Die Oppositionsbewegung in der haitianischen Hauptstadt Port-au- Prince wolle mit den aus dem Exil zurückgekehrten Militärs nichts zu tun haben, sagte Oppositionsführer André Apaid am Sonntag der Nachrichtenagentur afp.

Der Ex-Chef der Paramilitärs, Louis Jodel Chamblain, und der ehemalige Polizeichef Guy Philippe stünden für «eine Vergangenheit, die das haitianische Volk nicht mehr interessiert». Die Opposition unterstütze zwar die Rücktrittsforderungen der Menschen im Norden gegen Präsident Jean-Bertrand Aristide, «aber nicht den bewaffneten Konflikt».

Chamblain war ein Gefolgsmann des Militärdiktators Raoul Cédras, der Aristide 1991 gestürzt hatte.

Neue Proteste gegen Aristide

Bei einer Demonstration in Port-au-Prince forderten am Sonntag etwa tausend Menschen erneut Aristides Rücktritt. Die Kundgebung blieb weitgehend friedlich.

Die Polizei setzte jedoch Tränengas gegen rund 200 Jugendliche ein, als diese sich vom Hauptzug absetzten und auf eine Gruppe von Aristide-Anhängern zusteuerten, wie ein afp-Reporter berichtete. Viele Gegner des Präsidenten blieben aus Furcht vor Ausschreitungen zu Hause. Die Demonstration war zuvor aus Sicherheitsgründen zweimal verschoben worden.

Angriff auf Industriegebiet

Bewaffnete Haitianer griffen am Sonntag ein Industriegebiet an der Grenze zur Dominikanischen Republik an. Wie die Grenzbehörden mitteilten, konnten die Wachmannschaften die Angreifer zurückschlagen. Am Samstag waren an der Grenze zwei dominikanische Soldaten erschossen worden.

Die Fabriken werden von einem dominikanischen Textilkonsortium betrieben. Sie liegen in der Nähe der Grenzstadt Dajabón (300 Kilometer nordwestlich von Santo Domingo) auf haitianischer Seite der Grenze.

Über 50 Tote

Bei Kämpfen zwischen Rebellen und Sicherheitskräften wurden in den vergangenen Tagen mehr als 50 Menschen getötet. Die Opposition fordert den Rücktritt Aristides, dem sie neben Machtmissbrauch und Korruption vor allem vorwirft, die Wahlen im Mai 2000 massiv gefälscht zu haben.

Alle Vermittlungsversuche der Gemeinschaft der Karibikstaaten (Caricom) und der Gemeinschaft Amerikanischer Staaten (OAS) schlugen bislang fehl. (sda)

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