Erbarmungslose Sandy: Haiti vor dem Nichts - wieder einmal
Aktualisiert

Erbarmungslose SandyHaiti vor dem Nichts - wieder einmal

Während die Welt vor allem auf die Auswirkungen des Hurrikans Sandy an der US-Ostküste schaut, versinkt die Karibikinsel Haiti im Elend. Der Hurrikan hat Ernte und Flüchtlingslager zerstört.

von
kub

Haiti steht mitten in einer humanitären Katastrophe – wieder einmal. Der Hurrikan Sandy hat im ärmsten Land der nördlichen Hemisphäre zwischen 15 000 und 20 000 Häuser zerstört, beschädigt oder überschwemmt. Dasselbe mit den Strassen; viele sind unbefahrbar. 1,2 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Lebensmittel und frischem Wasser. Es droht eine Hungernot, warnt die UNO. Über 54 Menschen fanden im Sturm den Tod, mehrere werden noch vermisst. Am vergangenen Mittwoch hat Staatschef Michel Martelly den Notstand ausgerufen.

Johan Peleman, der Leiter des UNO-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), zeigt sich im «Caribbean Journal» besorgt: «Wir befürchten, dass Sandy den grössten Teil der Ernte im Süden des Landes vollkommen zerstört hat, nachdem die Dürre und Sturm Isaac im August die Ernte im Norden des Landes zerstört hatten.»

Tödliche Seuchen

Das ist zuviel für Haiti, dessen Bevölkerung immer noch unter dem schweren Erdbeben vom 2. Januar 2010 schwer zu leiden hat. 350 000 Haitianer leben seither in temporären Zeltlagern. Als sich Sandy ankündigte, wurden viele Zeltbewohner abermals evakuiert. Die UNO und andere humanitäre Organisationen sind daran, die demolierten Zelte zu flicken, damit die Evakuierten in ihre Zelte zurückkehren können.

Ein anderes Problem sind die Seuchen: Peleman vermutet, dass die Anzahl der Cholera-Opfer wieder steigen wird. Am Dienstag ist die Zahl der Cholera-Behandlungen nach Angaben der Ärzte ohne Grenzen vorübergehend leicht gestiegen. Nach dem zerstörerischen Erdbeben von 2010 starben 600 000 Menschen an der Cholera.

Norwegens Kronprinz Haakon hat bei einem Besuch in Haiti für internationale Hilfe für die Sturmopfer geworben. Venezuela und Bolivien haben bisher Hilfe zugesichert.

Stichwort Cholera:

Die bakterielle Infektionskrankheit forderte insbesondere während des 19. Jahrhunderts zahlreiche Todesopfer. Doch auch heute gilt die Erkrankung noch nicht als besiegt. Besonders in Katastrophengebieten – so wie derzeit in Haiti - kommt es immer wieder zu Ausbrüchen des Leidens. Meist gelangt das Bakterium Vibrio cholerae durch Schmierinfektionen, kontaminiertes Trinkwasser oder verunreinigte Nahrungsmittel in den Organismus. Im Darm angekommen, vermehren sich die Keime und sondern ein Gift ab. Das Gift zwingt die Zellen der Darmschleimhaut zur Absonderung grosser Wassermengen. Der Erkrankte erleidet einen wässrigen Durchfall, in dessen Folge es zu einer Dehydrierung kommt. Dieser Flüssigkeitsmangel geht mit einem Verlust wichtiger Elektrolyte und Mineralstoffe einher – dem Betroffenen droht ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen.

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