Das Guayana-Projekt: Hakenkreuz über dem Amazonas
Aktualisiert

Das Guayana-ProjektHakenkreuz über dem Amazonas

In den 30er-Jahren erkundete eine Nazi-Expedition den brasilianischen Dschungel. Von den Plänen für ein «Deutsch-Guayana» blieben nur klägliche Reste, wie ein neues Buch enthüllt.

von
Daniel Huber

«Fiebertod im Dienste deutscher Forschungsarbeit»: Grabmal des Expeditionsteilnehmers Greiner
(Quelle: YouTube.com)

1935 brach eine Forschungs-Expedition aus dem Dritten Reich unter der Leitung des blutjungen Berliner Zoologen Otto Schulz-Kampfhenkel nach Südamerika auf. Ziel der so genannten Jary-Expedition war eine Region im brasilianischen Regenwald nahe der Grenze zu Französisch-Guayana. Dort jagten die deutschen Forscher im Auftrag des Kaiser-Wilhelm-Instituts exotische Urwaldtiere für Berliner Museen und entdeckten unbekannte Indianerstämme.

«Das Guayana-Projekt»

Der Lateinamerika-Korrespondent des deutschen Magazins «Der Spiegel», Jens Glüsing, hat in seinem Buch «Das Guayana-Projekt: Ein deutsches Abenteuer am Amazonas» die Geschichte der seltsamen Expedition und ihres Leiters nachgezeichnet.

Die deutschen Forscher, so Glüsing, kamen in der Dschungelhitze des Amazonas auf die irrsinnig anmutende Idee, dass Nazi-Deutschland in Südamerika ein Kolonialgebiet erobern sollte. Als idealer Brückenkopf erschien Schulz-Kampfhenkel das französische Guayana und zwei weitere Kolonialgebiete, Britisch- und Niederländisch-Guayana (heute die unabhängigen Staaten Guayana und Surinam).

Besser als Sibirien

Nach seiner Rückkehr unterbreitete der eifrige Expeditionsleiter, nunmehr Untersturmführer der SS, sein Projekt dem «Reichsführer SS», Heinrich Himmler. «Die beiden grössten bevölkerungsarmen und hervorragend nutzbaren Reserveräume der Erde sind Sibirien und Südamerika», so warb Schulz-Kampfhenkel für seine Idee. Sibirien sei wegen seiner Nähe zum bevölkerungsreichen China nicht für eine dauerhafte Kolonisierung durch «ein nordisches Herrenvolk» geeignet, meinte er ferner.

Himmler zeigte an den kühnen Plänen nur wenig Interesse. Ohnehin wurde Französisch-Guayana von dem unter deutschem Einfluss stehenden Vichy-Frankreich aus verwaltet. So wurde nichts aus dem Nazi-Brückenkopf in Südamerika.

Kreuz mit Hakenkreuz

Dennoch ist die Expedition nicht aus dem Dschungel abgezogen, ohne Spuren zu hinterlassen: Zwei Stunden oberhalb des kleinen Orts Laranjal do Jari am Oberlauf des Rio Jary steht heute noch ein rund drei Meter hohes Grabmal. Das Holzkreuz, auf dem ein Hakenkreuz eingraviert ist, steht über dem Grab von Joseph Greiner, der im Januar 1936 wohl an Gelbfieber oder Malaria starb. Heute ist das bizarre Grabmal eine Touristenattraktion.

Die Jary-Region auf Google-Maps:

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