Tod in Malaysia: Halbbruder flehte Kim an, ihn leben zu lassen
Aktualisiert

Tod in MalaysiaHalbbruder flehte Kim an, ihn leben zu lassen

Er soll von zwei Agentinnen im Auftrag seines Halbbruders, des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, getötet worden sein. Kim Jong-nam lebte schon seit Jahren in Todesangst.

von
gux
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«Seit sein Halbbruder 2011 die Macht übernahm, gab es den fixen Befehl zur Ermordung Kim Jong-nams», heisst es beim südkoreanischen Geheimdienst. Dabei sei es nicht so, dass Kim Jong-nam (r.) eine reale Gefahr für Kim Jong-un (l.) darstelle – vielmehr gehe der Befehl zur Exekution seines Halbbruders auf dessen Paranoia zurück.

«Seit sein Halbbruder 2011 die Macht übernahm, gab es den fixen Befehl zur Ermordung Kim Jong-nams», heisst es beim südkoreanischen Geheimdienst. Dabei sei es nicht so, dass Kim Jong-nam (r.) eine reale Gefahr für Kim Jong-un (l.) darstelle – vielmehr gehe der Befehl zur Exekution seines Halbbruders auf dessen Paranoia zurück.

AP/Wong Maye-e, Shizuo Kambayashi
Ein Foto von 1981 zeigt Kim Jong-nam mit seinem Vater Kim Jong-il. Der Junge sei das Ein und Alles für seinen Vater gewesen, von dessen Grossvater, Staatsgründer Kim Il-sung, aber abgelehnt worden, da das Kind aus einer inoffiziellen Beziehung stammte.

Ein Foto von 1981 zeigt Kim Jong-nam mit seinem Vater Kim Jong-il. Der Junge sei das Ein und Alles für seinen Vater gewesen, von dessen Grossvater, Staatsgründer Kim Il-sung, aber abgelehnt worden, da das Kind aus einer inoffiziellen Beziehung stammte.

AFP/Handout
Am Dienstag, 14. Februar, war der 45-jährige Kim Jong-nam in Malaysia getötet worden. Offenbar haben ihn zwei Agentinnen vergiftet.

Am Dienstag, 14. Februar, war der 45-jährige Kim Jong-nam in Malaysia getötet worden. Offenbar haben ihn zwei Agentinnen vergiftet.

AP/Shizuo Kambayashi

Der in Kuala Lumpur mutmasslich ermordete Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers lebte seit Jahren in Angst vor einem Attentat. «Bitte zieh den Befehl, mich und meine Familie zu bestrafen, zurück», soll er Kim Jong-un in einer Nachricht 2012 angefleht haben. «Wir können uns nirgends verstecken. Der einzige Ausweg wäre Selbstmord», so Kim Jong-nam (45).

Das Schreiben liegt gemäss «New York Times» dem südkoreanischen Geheimdienst vor. Dieser sei auch in Besitz von E-Mails, die über die nordkoreanischen Botschaften im Ausland gesendet und abgefangen, sprich gehackt wurden. In einem dieser Mails beklagt sich Kim Jong-nam bitterlich darüber, seit dem Tod seines Vaters Kim Jong-il und der Machtübernahme seines Halbbruders aus Pyongyang kein Geld mehr zu erhalten. Tatsächlich machte der Nordkoreaner Schlagzeilen, als er 2012 aus einem Luxushotel in Macao geworfen wurde, weil er die Rechnung über 15'000 Dollar nicht bezahlen konnte.

Ein Opfer von Kim Jong-uns Paranoia?

Der Tod Kim Jong-nams überrascht die wenigsten Nordkorea-Kenner. «Seit sein Halbbruder 2011 die Macht übernahm, gab es den fixen Befehl zur Ermordung Kim Jong-nams», soll der Direktor des südkoreanischen Geheimdienstes, Lee Byung-ho, die südkoreanische Regierung informiert haben. Dabei sei es nicht so, dass Kim Jong-nam eine reale Gefahr für Kim Jong-un darstelle – vielmehr gehe der Befehl zur Exekution seines Halbbruders auf Kim Jong-uns Paranoia zurück.

In Nordkorea selbst hatte Kim Jong-nam keinen Machtzirkel, der ihn heimlich und mit Blick auf eine Rückkehr und mögliche Nachfolge Kim Jong-uns gestützt hätte. Die Familie hatte den ersten Sohn von Kim Jong-il schon früh verstossen. Obwohl Kim Jong-nam das Ein und Alles von Nordkoreas zweitem Staatsgründer gewesen sein soll, war der Junge seinem Grossvater Kim Il-sung ein Dorn im Auge. Der Staatsgründer Nordkoreas akzeptierte nie, dass sein Sohn eine inoffizielle Beziehung mit der Schauspielerin Sung Hae Rim hatte, aus der 1971 Kim Jong-nam hervorgegangen war.

Einsame Kindheit und Genfer Schule

Als Sung Hae Rim schliesslich zur Heirat mit Kim Jong-il gezwungen wurde, war Kim Jong-nam bereits zum Buben herangewachsen. Seine ganze frühe Kindheit aber war er versteckt und verheimlicht worden. «Ich konnte kaum das Haus verlassen oder Freunde finden, erzählte Kim Jong-nam einst einem japanischen Journalisten. «Die Einsamkeit meiner Kindheit machte mich vielleicht zu dem, der ich heute bin, einer, der die Freiheit bevorzugt.»

Die Freiheit – und das extravagante Leben. Als Heranwachsender verbrachte Kim Jong-nam Zeit in Genf, wo er Englisch und Deutsch lernte. Sein Halbbruder Kim Jong-un sollte Anfang der 90er-Jahre ebenfalls in der Schweiz zur Schule gehen, in die International School of Berne (ISB) in Gümligen.

Chance als Nachfolger vertan

Von seiner Familie nie wirklich anerkannt, pendelte der älteste Sohn Kim Jong-ils zwischen Genf, Moskau, Paris, Peking und der chinesischen Enklave und dem Spielerparadies Macao hin und her. Obwohl nie in Nordkorea, wurde er lange als Favorit für die Nachfolge seines Vaters gehandelt, denn das traditionelle koreanische Wertesystem favorisiert eigentlich den ältesten Sohn als Erben.

Diese Chance auf die Nachfolge seines Vaters, so wird heute gemutmasst, vertat Kim Jong-nam. Nicht nur aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils. Nachdem 2001 aufgeflogen war, dass er mit falschen Papieren nach Japan gereist war, um angeblich in Tokio Disneyland zu besuchen, fiel er in den Augen Pyongyangs ein für alle Mal in Ungnade.

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