21.06.2015 13:37

Zu gut, um wahr zu seinHalbe Sachen waren Werbeaktion von Anwälten

Den Mann, der wegen einer Scheidung seinen Besitz in zwei Hälften zersägte, gibt es nicht. Hinter der Geschichte von «Martin G.» stecken geschäftstüchtige Anwälte.

Der fiktive «Martin G.» stellte das Zersägungs-Video auf Youtube. Später meldete das Portal «Deutsche Anwaltauskunft», dass es sich um eine Werbe-Aktion handelte.

Ein gewisser Martin G. aus Berlin zersägt seinen Hausrat, nachdem ein Gericht seiner Ex-Frau Laura die Hälfte des gemeinsamen Eigentums zugesprochen hatte. Die halben Sachen versteigert er auf Ebay und stellte dazu ein Video seiner Sägewut auf Youtube. Von der «Süddeutschen Zeitung» bis zur amerikanischen «Time» berichten Medien aus aller Welt über die tragikomische Geschichte. Auch 20 Minuten schrieb über die Auktion.

Jetzt meldet ein Verbraucher-Rechtsportal des Deutschen Anwaltvereins: «Wir sind Martin G.». Das Ganze sei lediglich eine Guerilla-Marketing-Aktion gewesen und habe zum Ziel gehabt, Neukunden anzuwerben, um diese gegen ein Honorar noch vor einer allfälligen Scheidung zu beraten. Oder, wie es die Organisation in einer Pressemitteilung ausdrückt: «Zu wenige Ehepaare sind rechtlich auf eine Trennung vorbereitet, zum Beispiel mit einem Ehevertrag.»

Auch Ebay-Kunden getäuscht

Mit der bis kommenden Freitag laufenden Aktion wurden allerdings auch Ebay-Kunden an der Nase herumgeführt, die sich für die entzweigesägten Gegenstände interessieren. Und das sind einige: Für das halbe «Ehebett» haben bislang 19 Interessenten ein Gebot abgegeben, 42 für den entzwei geschnittenen Teddybären und ganze 74 Gebote gingen für den halbierten Opel Corsa ein.

Fragt sich, ob die Auktion, die auf einer frei erfundenen Geschichte beruht, rechtlich unproblematisch ist. Das Rechtsportal wäre keines, wäre es sich dessen nicht bewusst. Es hat seine Mitteilung mit einem «wichtigen Hinweis» versehen: «Selbstverständlich gibt es alle ‹halben Sachen› wirklich und sie können tatsächlich ersteigert werden. Alle Einnahmen spenden wir für einen wohltätigen Zweck.»

20 Minuten hat die Versteigerung aus dem vermeintlichen Scheidungskrieg zum Anlass genommen, einen Scheidungsanwalt zu seinen bizarren Erfahrungen rund um das Thema zu befragen. Diese Geschichten, etwa wie ein Mann seine Unterhaltszahlung von 1100 Franken in Ein-Fränklern zahlte, sind nicht erfunden und hier nachzulesen.

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