Aktualisiert 08.12.2011 21:23

Erlenbach ZH

«Halbgott in Weiss» auf der Überholspur

Da seine Freundin Bauchkrämpfe hatte, ist ein Arzt aus Erlenbeach mit seinem Personenwagen zu schnell über die Autobahn gebolzt. Dabei hat er ausgerechnet ein Polizeiauto rechts überholt.

von
Attila Szenogrady

Es war in der Nacht auf den 25. Oktober 2009, als ein heute 37-jähriger Arzt aus Erlenbach auf der Autobahn bei Winterthur auf das Gaspedal drückte. Grund der Eile: Seine Freundin und Beifahrerin litt unter starken Bauchkrämpfen. Deshalb wollte der Lenker so schnell wie möglich nach Erlenbach gelangen.

Ziviles Polizeiauto rechts überholt

Laut Anklageschrift war der Beschuldigte auf der Höhe der Ausfahrt Winterthur/Töss mit rund 120 km/h statt den erlaubten 100 km/h unterwegs. Dabei störte ihn plötzlich ein vor ihm befindliches Fahrzeug. Laut Anklage wechselte er danach die Fahrspur und überholte den Personenwagen rechts. Kurz darauf soll der gestresste Mediziner bei Brüttisellen zwei weitere Fahrzeuge auf der rechten Fahrspur hinter sich gelassen haben. Kurz darauf wurde der Schnellfahrer von der Polizei angehalten. Die beiden Verkehrsbeamten waren mit einem zivilen Fahrzeug unterwegs und machten dem Arzt klar, dass sie von ihm schon bei Winterthur rechts überholt worden seien.

Unschuld beteuert

Der Beschuldigte gab seinen Tempoexzess unumwunden zu. Er stritt aber in der Folge die gefährlichen Ueberholmanöver ab. Er kehrte während der Strafuntersuchung sogar den Spiess um und führte aus, dass ihm das Fahrzeug der Polizei den Weg gefährlich abgeschnitten habe. Auch vor Obergericht stellte er am Donnerstag die eingeklagten groben Verkehrsdelikte in Abrede. Ebenso der Verteidiger, der die belastenden Aussagen der Polizisten in Zweifel zog und als unglaubhaft einstufte. Auch ihre Videoaufnahmen, die aufgrund ihrer abgebrochenen Einblendungen einen nebulösen Eindruck hinterlassen hätten. Zudem hätten sich die Polizisten bei der Kontrolle auffällig rabiat verhalten. Womöglich um von ihrem eigenen Fehlverhalten abzulenken.

Den Polizeibeamten geglaubt

Das Obergericht sah es anders. Wie bereits das Bezirksgericht Winterthur, das den Erlenbacher bereits im letzten Frühling wegen groben Verkehrsdelikten zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 70 Franken sowie 500 Franken Busse verurteilt hatte. Die Oberrichter erachteten die Darstellungen der Polizeibeamten als glaubhaft und echt erlebt. Warum sollten sie einen ihnen unbekannten Verkehrsteilnehmer einfach in die Pfanne hauen, wollten sie wissen. Das Obergericht bestätigte aber auch verhältnismässig den milden Winterthurer Entscheid. Damit hielt es dem Ersttäter auch entlastende Motive zugute. So habe dieser wohl nur deshalb überholt, um seine kranke Lebenspartnerin möglichst schnell nach Hause zu bringen, befanden die Oberrichter.

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