Aktualisiert 18.01.2019 08:46

Balzers (FL)Halbnackter bemalt sich mit Schuhcreme

Weil er glaubte, von «Gottes Stimme» angetrieben zu sein, verübte ein Mann einige bizarre Taten. Am Mittwoch musste er sich vor Gericht verantworten.

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Der Beschuldigte hatte am Morgen des 10. Septembers 2018 in Balzers (FL) auf einem Bauernhof ein Feuer gelegt.

Der Beschuldigte hatte am Morgen des 10. Septembers 2018 in Balzers (FL) auf einem Bauernhof ein Feuer gelegt.

Landespolizei Liechtenstein
Er konnte am Tag danach verhaftet werden.

Er konnte am Tag danach verhaftet werden.

Landespolizei Liechtenstein
Am Abend des 10. Septembers wurde er bei einem anderen Bauernhof erwischt. Dort kauerte er leicht bekleidet mit schwarzer Schuhcreme bemalt...

Am Abend des 10. Septembers wurde er bei einem anderen Bauernhof erwischt. Dort kauerte er leicht bekleidet mit schwarzer Schuhcreme bemalt...

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Mit einem Tuch um die Lenden, ansonsten nackt und mit schwarzer Schuhcreme angemalt: So wurde ein Mann am Abend des 10. Septembers 2018 in Balzers (FL) zwischen zwei Siloballen bei einem Bauernhof vom Landwirt und dessen Freundin entdeckt. «Der Mann stand schliesslich auf, drehte sich zu uns um und stach mit einem Messer auf die Motorhaube meines Pick-ups ein», sagte der Landwirt am Montag vor dem Kriminalgericht Liechtenstein aus, wie das «Vaterland» schreibt. Seine Bewegungen seien «theatralisch, angsteinflössend und keineswegs normal» gewesen, ergänzte die Freundin des Landwirts.

Bei seiner Einvernahme gab der Beschuldigte an, «Gottes Stimme» habe ihn zu diesem Handeln veranlasst. Er habe dem Bauern eine Lektion erteilen und gegen die ungerechte Tierhaltung vorgehen wollen. Deshalb habe er auch die Tiere aus dem Stall befreit und Löcher in einige Siloballen gestochen. «Ich war komplett neben der Spur und lebte in einer Parallelwelt», wird er zitiert.

Siloballen in Brand

Am Morgen desselben Tages war der Beschuldigte bereits bei einem anderen Bauernhof in Balzers aktiv gewesen. Er habe rotgesehen und Stimmen gehört, die ihm gesagt hätten, dass er die Tiere befreien solle. Mit zwei Kanistern Benzin bewaffnet, fuhr er danach zum Hof und legte ein Feuer.

Mit einer Fackel habe er auf die ungerechte Tierhaltung aufmerksam machen wollen. Zuvor liess er die Kälber aus dem Stall. Durch ihr Muhen erwachten auch die Landwirte. Als sie nachsahen, brannte bereits ein Siloballen. Der Beschuldigte ergriff die Flucht.

Schon in der Vergangenheit auffällig

Laut «Vaterland» stellten Fachärzte unmittelbar nach den Vorfällen beim Täter eine akute schizomanische Psychose fest. Auch der Gerichtspsychiater schliesst sich dieser Diagnose an. Für ihn ist klar, dass der Mann zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war. «Ich habe während jener Zeit alles für möglich gehalten, verspürte unglaubliche Energie und habe nicht gemerkt, wie ich abgedriftet bin», so der 46-Jährige vor Gericht. Erst beim Gespräch mit der Untersuchungsrichterin habe er festgestellt, dass in seinem Kopf offenbar zwei Welten aufeinanderprallen.

Der Beschuldigte war schon früher einmal in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Derzeit ist er in einer Anstalt in Rankweil. Dank Therapie und Medikamenten gehe es ihm heute viel besser. Seine Zukunftsprognose ist laut dem Gerichtspsychiater dennoch nicht positiv.

Das Gericht ordnete an, dass der Beschuldigte die stationäre Behandlung beendet und sich danach in eine ambulante Behandlung begibt. Zudem hat er ein Alkohol- und Waffenverbot. Verstösst er in den nächsten fünf Jahren gegen diese Weisungen, wird er laut «Vaterland» in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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