Haldimann kritisiert «Kassensturz»-Gerichtsurteil
Aktualisiert

Haldimann kritisiert «Kassensturz»-Gerichtsurteil

Nach dem Urteil des Zürcher Obergerichts vom Montag gegen vier Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens (SF) hat sich SF- Chefredaktor Ueli Haldimann in seinem Blog kritisch zum Fall geäussert. Ein Einsatz der verstecken Kamera werde immer schwieriger.

Mit dem Urteil steige die Schwelle zum Einsatz der versteckten Kamera, die schon heute ziemlich hoch sei, weiter, schrieb Haldimann am Mittwoch in seinem Blog auf der SF-Website. Sie nähere sich sozusagen der Decke: «Etliche wichtige Beiträge wären nicht mehr möglich», befürchtet der SF-Chefredaktor.

Das Zürcher Obergericht hatte am Montag vier SF-Mitarbeiter wegen versteckt gefilmter Aufnahmen des «Kassensturz» schuldig gesprochen. Das Konsumentenmagazin hatte verdeckt gefilmt, um Missstände im Versicherungswesen aufzudecken. Einer der getesteten Versicherungsberater erstattete nach der Ausstrahlung des Beitrags Anzeige.

«Absurde Vorstellung»

Gemäss Haldimann habe das Obergericht die Ansicht vertreten, dass sich ein Sachverhalt stets auch ohne verdeckt aufgenommene Bilder darstellen liesse. Auch hätte der «Kassensturz» die Möglichkeit gehabt, das Gespräch schriftlich festzuhalten und die Szene mit Schauspielern nachzustellen. Diese Vorstellung sei absurd, findet Haldimann.

Sobald die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, will das Schweizer Fernsehen entscheiden, ob es den Fall ans Bundesgericht weiterzieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschehe, so Haldimann, sei hoch.

Wegen Aufnahmen mit versteckter Kamera wurde gegen das Schweizer Fernsehen letzte Woche erneut Anklage erhoben. Grund sind verdeckte Filmaufnahmen des «Kassensturz» in der Praxis eines Zürcher Schönheitschirurgen.

(sda)

Deine Meinung