Aktualisiert

Halleneinsturz: 26 Tote in Moskau

In dem eingestürzten Moskauer Aquapark ist die Zahl der Todesopfer am Sonntagmittag auf 26 gestiegen. Immer noch würden bis zu 17 Menschen unter den Trümmern vermutet.

Das Dach der Anlage stürzte am Samstagabend ein, Glassplitter und Betonteile fielen auf die Badegäste. Bis Sonntag wurden 25 Leichen aus den Trümmern geborgen, ein weiterer Mensch erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. 17 Personen wurden nach Angaben des Ministers für Katastrophenschutz, Sergej Schoigu, zu diesem Zeitpunkt noch vermisst. Retter suchten in den Trümmern des gerade zwei Jahre alten Bades nach Überlebenden.

Von 111 Verletzten würden 84 noch im Krankenhaus behandelt, darunter 29 Kinder, sagte Schoigu. Er erklärte, Suchhunde seien in drei Schichten im Einsatz. Der Fernsehsender NTW berichtete, vier Verletzte seien in kritischem Zustand, 16 in ernstem Zustand. Zum Zeitpunkt des Einsturzes fand im Bereich eines Schwimmbeckens gerade eine Kindergeburtstagsfeier statt, wie Polizeisprecher Kirill Masurin erklärte.

«Es gab ein schreckliches Geräusch, ein Krachen. Mein ältester Sohn sagte, es sei wie ein schrecklicher Traum», sagte Olga Matwejewa, deren zwei Söhne mit der Grossmutter zum Schwimmen gegangen waren. «Es war, als wäre das Dach entzwei gebrochen, und dann gab es eine Panik, als die Leute zu flüchten versuchten.» Matwejewa sagte weiter, ihre beide Söhne seien in Badekleidung nach draussen gelaufen und hätten Erfrierungen erlitten.

Das Dach stürzte gegen 19.30 Uhr ein, als sich insgesamt 800 Menschen in der Anlage aufhielten. Die Aussentemperatur betrug etwa minus 15 Grad. Retter brachten Verletzte in Badekleidung zu den wartenden Rettungswagen, andere liefen barfuss in den Schnee. Als mögliche Unglücksursache nannten die Ermittler die Schneelast auf dem Dach, die grossen Unterschiede zwischen Innen- und Aussentemperatur sowie eine Schwächung der Betonstützen.

Mehr als zwölf Stunden nach dem Unglück suchten die Helfer in den Trümmern immer noch nach weiteren Opfern. Generatoren sollten die Luft erwärmen, um die Überlebenschancen weiterer Verschütteter zu erhöhen. Immer wieder ordneten die Retter Schweigen an, um mögliche Klopfzeichen zu hören.

Nach dem Einsturz klaffte ein 4.500 Quadratmeter grosses Loch in der Decke. Die Arbeiter setzten Kräne ein, um riesige Trümmerteile aus Beton und Metall zu entfernen. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit ein. Staatsanwalt Anatoli Sujew sagte, wahrscheinlich sei das Unglück auf Baumängel oder unzureichende Wartung zurückzuführen. Die Ermittler hätten bereits begonnen, die Manager der Anlage sowie Architekten und die Verantwortlichen bei den zuständigen Baufirmen zu befragen.

Das Transvaal-Erlebnisbad war von einem russischen Architekturbüro geplant und von einer türkischen Firma errichtet worden. Es hatte erst 2002 eröffnet. Das Bad verfügte über ein grosses Schwimmbecken, einen künstlichen Fluss und eine Wasserrutsche. (dapd)

Deine Meinung