Telefon statt Treffen: «Hallo Barack, hier Nicolas»
Aktualisiert

Telefon statt Treffen«Hallo Barack, hier Nicolas»

Mit einer Videokonferenz zwischen dem Élysée und dem Weissen Haus will Präsident Nicolas Sarkozy dem Eindruck entgegenwirken, er werde von US-Präsident Barack Obama übergangen.

Den Prestigekampf der europäischen Staats- und Regierungschefs um die erste Einladung vom neuen US-Präsidenten Barack Obama hat Sarkozy schon gegen den Briten Gordon Brown verloren.

Beim NATO-Gipfel Anfang April droht ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schau zu stehlen, wenn sie sich am ersten Tag mit Obama zu einem ausführlichen Vier-Augen-Gespräch in Baden-Baden zurückziehen wird. Mit einer Telefonkonferenz am Mittwoch wollte Sarkozy nun sein Gesicht wahren.

Auf der Tagesordnung: Die Vorbereitung des G-20-Gipfels am 2. April in London. Der regierungsnahe «Le Figaro» hatte schon einen Quasi-Gipfel in Form einer Videokonferenz zwischen Élysée und Weissem Haus angekündigt. Paris will so dem Eindruck entgegenwirken, mit dem Verhältnis zwischen Sarkozy und Obama sei es nicht zum Besten bestellt. Hinter den Kulissen macht der französische Staatschef aber keinen Hehl aus seiner Enttäuschung.

Die «allgemeine Obamania» gehe ihm auf die Nerven, schrieb «Le Parisien» am Mittwoch, und zitierte Sarkozy mit den Worten: «Die Welt ist gross genug für zwei, drei oder vier.» Die mehrmalige Verschiebung des «Telefongipfels» begründete er mit dem Hinweis, Obama und er seien «die meistbeschäftigtsten Politiker der Welt».

Lob für Chirac

Dessen ungeachtet zeigte Obama dem Élysée-Chef bislang die kalte Schulter. Die Einladung, vor dem NATO-Gipfel einen US-Soldatenfriedhof in der Normandie zu besuchen, schlug er aus. Zwar schickte er einen Brief nach Paris, indem er «die Weisheit des Präsidenten auf internationalem Parkett» lobte. Empfänger war aber Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac. «Als ob Obama Sarkozy für dessen Nähe zu George W. Bush abstrafen wollte», schreibt «Le Parisien».

Immerhin deutet sich eine Annäherung der USA an die Pariser (und Berliner) Positionen im Ringen um ein neues Weltfinanzsystem an. Nach Angaben von Premierminister François Fillon, der sich am Dienstag in Washington mit US-Vizepräsident Joe Biden getroffen hatte, ist Obama nach langem Zögern nun doch zu einer internationalen Regulierung von Hedgefonds und Ratingagenturen bereit. (dapd)

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