Dramatische Rettung: Mann steckt nach Erdrutsch auf Ischia bis zur Brust im Schlamm

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Dramatische RettungMann steckt nach Erdrutsch auf Ischia fast komplett in den Schlammmassen

Es ist noch dunkel, als die Feuerwehr auf der italienischen Insel Ischia wegen eines Unwetters ausrückt. In einem Haus entdecken die Retter einen Mann, der fast komplett in den Schlammmassen versunken ist.

von
Karin Leuthold

Darum gehts

  • Am frühen Samstagmorgen haben Überschwemmungen im Norden der italienischen Insel Ischia Chaos und Zerstörung angerichtet.

  • Auf den Strassen liegt Geröll, Autos sind kaputt, Häuser unbewohnbar.

  • Ein beeindruckendes Video zeigt, wie ein Mann fast komplett im Schlamm steckt und sich an einem Fensterladen festklammert.

«Es ist eine Tragödie, die Zahl der Vermissten ist immer noch ungewiss», sagt Enzo Ferrandino, Bürgermeister von Ischia. Nach heftigen Unwettern hatte ein Erdrutsch die Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt Casamicciola Terme im Norden der italienischen Insel um fünf Uhr überrascht. Erdmassen begruben Häuser unter sich und schoben sogar mehrere Autos und Busse ins Meer. Eine Frau starb in den Schlammmassen, teilte die Präfektur am Samstagnachmittag in Neapel mit. 

Ein Mann wurde vom Schlamm überwältigt, er konnte sein Leben nur retten, indem er sich an den Rahmen eines Fensterladens vor seinem Haus klammerte. Retter entdeckten ihn im Morgengrauen, das Opfer steckte bis zur Brust zwischen den schlammigen Trümmern. Ein Video zeigt, wie die Retter im Fackelschein den Mann, der um Hilfe rief, kaum erkennen können. «Wir kommen gleich, versuchen Sie, mit den Füssen auf dem Boden zu bleiben, halten Sie sich an etwas fest», schrien die Retter ihm zu. «Wir sind gleich bei Ihnen.»

«Mein Sohn rief ‹Mama, lauf weg›»

Die Ukrainerin Irina, die seit etwa 20 Jahren in Casamicciola lebt, schildert unter Tränen, wie sie und ihr Sohn um ihr Leben rannten. «Der Schlamm kam innerhalb einer Sekunde. Mein Sohn rief ‹Mama, lauf weg›. Dann hat man nichts mehr verstanden», sagt Irina zu «La Repubblica». «Es war ein Geräusch wie ein Erdbeben. Eine Frage von Sekunden», wiederholt sie.

Von ihrem Haus in der Via Quarta Traversa San Felice ist nur noch wenig übrig. Die Rettungskräfte sind immer noch dabei, den Schlamm auszugraben, aber der gesamte Hausrat und die Möbel sind unbrauchbar.

Die Feuerwehr rettete zwei Menschen aus einem Auto, das ins Meer gerissen wurde. Sie war insgesamt mit 70 Kräften im Einsatz. Die Behörden schickten von Neapel aus Spezialisten, Fahrzeuge und weitere Verstärkung nach Ischia. Das Militär entsandte Helikopter zur Unterstützung.

«In dem Gebiet hätte nicht gebaut werden müssen»

«Der Erdrutsch in Casamicciola hätte verhindert werden können, wenn in dem Gebiet Untersuchungen durchgeführt worden wären, die solche Ereignisse vorgesehen hätten», sagt Micla Pennetta, Professorin für Physische Geografie und Geomorphologie an der Universität Federico II in Neapel, zu «Huffington Post». Die Tragödie wäre nicht passiert, wenn man auf den Bau am Hang verzichtet hätte – oder zumindest die Bauten befestigt hätte. «In dem Gebiet, in dem der Erdrutsch stattgefunden hat, hätte nicht gebaut werden dürfen, es gab auch nach der grossen Überschwemmung von 2009 eine schlechte Bodenbewirtschaftung.»

Auf Videos der Feuerwehr waren völlig demolierte Autos und mit Geröll und Erde überflutete Strassen zu sehen.

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Heftige Unwetter haben am 26. November 2022 im Norden der italienischen Mittelmeerinsel Ischia Überschwemmungen, Chaos und Zerstörung angerichtet. 

Heftige Unwetter haben am 26. November 2022 im Norden der italienischen Mittelmeerinsel Ischia Überschwemmungen, Chaos und Zerstörung angerichtet. 

IMAGO/Antonio Balasco
Immer noch werden Menschen vermisst. 

Immer noch werden Menschen vermisst. 

IMAGO/Antonio Balasco
Zahlreiche Bewohner und Bewohnerinnen sitzen ohne Strom in ihren Häusern fest. 

Zahlreiche Bewohner und Bewohnerinnen sitzen ohne Strom in ihren Häusern fest. 

IMAGO/Antonio Balasco

Casamicciola Terme hatte 2017 auch ein Erdbeben erlebt, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen waren. Ende des 19. Jahrhunderts war der Ort durch ein starkes Erdbeben vollständig zerstört worden.

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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