Kampfhund-Attacke: Halter muss mit Dogge Bandido zur Prüfung

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Kampfhund-AttackeHalter muss mit Dogge Bandido zur Prüfung

Eine argentinische Dogge soll 2016 einen Food-Kurier angegriffen haben. Dieser forderte die Einschläferung des Tieres. Nun wurde der Halter verurteilt.

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rc
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Nach dem Anfriff wurden vom Veterinäramt Massnahmen gefordert. Diese reichten vom Maulkorb über Fremdplatzierungen bis hin zum Einschläfern. Nun ist klar, Bandido muss mit seinem Halter zur Nationalen-Hundehalter-Prüfung. (Symbolbild)

Nach dem Anfriff wurden vom Veterinäramt Massnahmen gefordert. Diese reichten vom Maulkorb über Fremdplatzierungen bis hin zum Einschläfern. Nun ist klar, Bandido muss mit seinem Halter zur Nationalen-Hundehalter-Prüfung. (Symbolbild)

D. S. (39) wurde von der Argentinischen Dogge attackiert. «Ich hatte Todesangst», sagte er. Ob die Verletzungen tatsächlich vom Hund stammten, konnte nicht bewiesen werden.

D. S. (39) wurde von der Argentinischen Dogge attackiert. «Ich hatte Todesangst», sagte er. Ob die Verletzungen tatsächlich vom Hund stammten, konnte nicht bewiesen werden.

Leserreporter
Im Kanton Bern sind argentinische Doggen erlaubt. Im Wallis oder im Kanton Genf hingegen sind sie verboten.

Im Kanton Bern sind argentinische Doggen erlaubt. Im Wallis oder im Kanton Genf hingegen sind sie verboten.

AP/Joerg Sarbach/Symbolbild

Sie sind gross, schwer und unerschrockene Jäger. Argentinische Doggen können auf gewisse Menschen durchaus einschüchternd wirken. So auch auf den mittlerweile 39-jährigen Berner D. S*. Der Mann wurde im September 2016 beim Ausliefern von Essen von einer argentinischen Dogge angesprungen. «Ich dachte, der Hund wolle mein Gesicht zerfleischen oder meine Hand abbeissen», sagte D. S. damals zu 20 Minuten. Der Kurier ergriff sofort die Flucht und sprang aus Angst eine vier Meter hohe Mauer hinunter.

Durch den Vorfall zog sich D. S. mehrere Verletzungen zu. Er zeigte den Hundebesitzer an und forderte, dass dessen Hund Bandido eingeschläfert wird. Es konnte jedoch nicht bewiesen werden, dass die Verletzungen des Kuriers tatsächlich vom Hund stammten. Der Halter von Bandido behauptete, dass sich D. S. die Verletzungen beim Sturz zugezogen hatte. «Wenn das Tier ihn tatsächlich gebissen hätte, sähe sein Gesicht ganz anders aus», so der Hundehalter.

Vielmehr sieht Bandidos Herrchen den Fehler im Verhalten des Kuriers. Dieser sei ein «Hundehasser» mit übertriebener Angst vor Hunden, behauptete er.

Nachbarschaft in Angst

Nachdem der Fall publik geworden war, meldeten sich mehrere Personen aus der Nachbarschaft beim Veterinärdienst. Sie hatten Angst vor der Argentinischen Dogge. Eine Anwohnerin schilderte, dass Bandido auf sie losgegangen sei und nur noch im letzten Moment vom Halter zurückgehalten werden konnte. Aufgrund dieser Meldungen forderte der Veterinärdienst, dass Bandido verhaltensmedizinisch untersucht wird.

Also liess der Hundehalter Bandido von einem Tierarzt untersuchen. Dieser hielt fest, dass die Dogge kein abnormales Verhalten an den Tag legt. Auf dem Untersuchungstisch hingegen würde sich Bandido aggressiv verhalten und könne ohne Maulkorb nicht untersucht werden. Der Tierarzt diagnostizierte bei Bandido abschliessend eine defensive Aggression sowie fehlende Rudelstruktur und forderte eine Verhaltenstherapie in einer Hundegruppe.

Halter muss zur Prüfung

Der Halter nahm daraufhin einige wenige Male an einem Training der Hundeschule teil. Der Trainer meinte, dass Bandido gut mit anderen Hunden und Menschen umgehen könne. Er zeige zwar Dominanz, aber kein aggressives Verhalten. Auch nicht bei vorgetäuschten Schlagbewegungen. Ein grosses Problem liege jedoch darin, dass die Frau des Halters zu wenig streng mit der Dogge sei. Daraufhin ging der Halter nicht mehr zum Training.

Nachdem der Veterinärdienst vom Abbruch des Trainings erfuhr, wurde der Halter dazu verpflichtet, mit Bandido die nationale Hundehalter-Prüfung zu absolvieren. Diese war bis 2017 noch für alle Hundehalter obligatorisch. Sie umfasst einen Theorie- und einen Praxisteil, die beide bestanden werden müssen. Dem Halter von Bandido wurde nun eine Frist bis zum 31. August gesetzt, um die Prüfung erfolgreich zu absolvieren. Falls er diese nicht absolviere, könne ihm sein Hund weggenommen werden. Der Halter hat dagegen Beschwerde bei der Volkswirtschaftsdirektion erhoben, die abgewiesen wurde. Deshalb gelangte der Fall vor das Verwaltungsgericht.

Begründung des Gerichts

Auch dieses kommt nun zum Schluss, dass der Halter das Brevet zu absolvieren habe, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Von ausgewachsenen Argentinischen Doggen gehe ein erhöhtes Gefahrenpotential aus. Man müsse damit rechnen, dass solche Hunde aufgrund ihrer kräftigen Erscheinung ängstliche Reaktionen hervorrufen könnten. Solche auf Hundehass zurückzuführen, sei nicht angebracht. Der Halter müsse sich darauf einstellen, dass sein Hund einschüchternd wirkt und es in seiner Verantwortung liegt, diesen auch bei unangebrachten Reaktionen, wirksam zu kontrollieren.

*Name der Redaktion bekannt

Ängstliche Personen werden eher gebissen

Eine Studie vom Institut für Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit an der Universität Liverpool liess 700 Probanden ihre emotionale Stabilität einstufen. Danach wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie schon einmal von einem Hund gebissen wurden. Das Ergebnis: Je labiler sich die Menschen einstuften, desto wahrscheinlicher war es, dass diese auch bereits einmal von einem Hund gebissen wurden.

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