Strafgericht BL – Halterin muss 50’000 Franken an Opfer von Hundeattacke zahlen

Aktualisiert

Strafgericht BLHalterin muss 50’000 Franken an Opfer von Hundeattacke zahlen

Eine Schäferhündin hat im Juni 2019 eine 37-jährige Frau und deren Nichte (4) bei einer Bissattacke in Tenniken BL lebensgefährlich verletzt. Die Halterin wurde am Donnerstag vom Baselbieter Strafgericht verurteilt.

von
Steve Last
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Weil ihre Schäferhündin ihre Bekannte lebensgefährlich und deren Nichte schwer verletzte, musste sich eine Hundehalterin diese Woche vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten. Der Hund hatte laut Experten und Expertinnen ein Schutzhundtraining zumindest angefangen. (Symbolbild)

Weil ihre Schäferhündin ihre Bekannte lebensgefährlich und deren Nichte schwer verletzte, musste sich eine Hundehalterin diese Woche vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten. Der Hund hatte laut Experten und Expertinnen ein Schutzhundtraining zumindest angefangen. (Symbolbild)

Imago/Karina Hessland
Am Donnerstag wurde die Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten und Genugtuungszahlungen von insgesamt 50’000 Franken verurteilt.

Am Donnerstag wurde die Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten und Genugtuungszahlungen von insgesamt 50’000 Franken verurteilt.

Imago
Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die Verteidigung einen Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die Verteidigung einen Freispruch.

20min/Steve Last

Darum gehts

  • Weil ihre Schäferhündin ihrer Bekannten und deren Nichte schwere Verletzungen zufügte, stand diese Woche eine Hundebesitzerin vor Gericht.

  • Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten für die Beschuldigte, die Verteidigung einen Freispruch.

  • Am Donnerstag fällte das Baselbieter Strafgericht sein Urteil.

Eine 57-jährige Hundehalterin wurde vom Baselbieter Strafgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten und einer Genugtuungszahlung von 50’000 Franken verurteilt. Davon gehen 30’000 Franken an eine Frau, der ihr Hund «fast den Arm abgerissen» hatte, 20’000 an deren Nichte, die bei dem Vorfall ebenfalls verletzt wurde. Zudem muss die Beschuldigte weitere Kosten im Zusammenhang mit dem Verfahren übernehmen – insgesamt beläuft sich die Summe auf über 90’000 Franken – etwaige Schadenersatzforderungen noch nicht einberechnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Beschuldigte hatte ihre Bekannte gebeten, ihre Schäferhündin in ihrer Abwesenheit in den Garten zu lassen. Die Hündin griff die Frau dabei an und verletzte sie lebensgefährlich. Auch die vierjährige Nichte des Opfers erlitt Bisse. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, unter anderem wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und forderte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten für die Hundehalterin. Für die Verteidigung hingegen war es ein «tragischer Unfall», der aber nicht vor das Strafgericht gehört. Sie verlangte für ihre Mandantin einen Freispruch.

Hund gehört nicht in unerfahrene Hände

Das Gericht sah die Beschuldigte klar in der Verantwortung. Einerseits hätte sie als erfahrene Halterin und Züchterin von Sport- und Einsatzhunden wissen müssen, welche Gefahr von dem Tier ausgehen kann, wenn es nicht richtig gehandhabt wird. Das Gericht verwies auf einen früheren Vorfall mit der Hündin, bei dem sie einen Jack-Russel-Terrier «von oben bis unten aufgeschlitzt» hat. «Das war nicht einfach ein Biss», hielt der Richter fest. Experten hatten die Hündin begutachtet und festgestellt, dass sie zumindest teilweise ein Training für Schutzhunde absolviert hatte.

In der Folge hätte sie die Hündin nie ihrer unerfahrenen Bekannten anvertrauen dürfen. «Sie haben pflichtwidrig darauf vertraut, dass nichts passiert», hiess es in der Urteilsbegründung. Zusätzlich verschärft wurde die Situation dadurch, dass die Beschuldigte die Hündin stundenlang in eine ungeeignete Transportbox gesperrt hatte. Das könnte beim ohnehin schon «nervlich schwachen» Tier weiter Aggressionen gefördert haben, so das Gutachten – vor allem weil sich zur gleichen Zeit eine Französische Bulldogge frei in der Wohnung bewegen durfte. Das stufte das Gericht als Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz ein und verhängte eine Busse von 500 Franken.

Entlastend für die Beschuldigte wurde gewertet, dass sie nicht wusste, dass ihre Bekannte ihre vierjährige Nichte mitnehmen würde. Das zeige sich etwa in ihrer spontanen Reaktion in einer Textnachricht. Sie schrieb: «Was macht dä schyss Goof drby? Das isch so nid abgmacht gse». Vom ursprünglichen Strafrahmen von zehn Monaten bedingt zog das Gericht einen Monat ab, weil die Beschuldigte unter der Berichterstattung über den Fall gelitten und ihre Hündin verloren habe, sowie im Dorf geächtet worden sei.

So kommt eine Genugtuung zustande

«Grundlage für eine Genugtuung ist der entstandene Schaden», sagt Thomas Gall von der Opferhilfe beider Basel. Es müsse immer berücksichtigt werden, wie schwer die Verletzungen waren, wie gross das Trauma, ob die Schäden bleibend sind. Die Art der Straftat stehe bei der Bemessung nicht im Vordergrund, habe aber Einfluss auf den Schaden.

Etwas schwieriger wird es bei den unterschiedlichen Rechtsgrundlagen. «Es gibt unterschiedliche Gesetze, die Genugtuungen vorsehen, allerdings von unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen ausgehen», sagt Gall.

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